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05.08.2008
 

Hammermorde von Arboga

"Ich hätte ihm nie etwas antun können"

Sie steht wegen zweifachen Mordes in Schweden vor Gericht: Bei ihrer mit großer Spannung erwarteten Aussage machte Christine S. aus Hannover einen ruhigen und überlegten Eindruck. Sie bestritt die Tat, gab aber zu, dass sie die Trennung von ihrem Freund "aus der Bahn geworfen" habe.

Köping - "Ja, ich wollte mir selbst das Leben nehmen. Aber ich hätte ihm nie etwas antun können." Unter anderem mit Angaben über einen Selbstmordversuch aus enttäuschter Liebe hat sich die Geschichtsstudentin Christine S. aus Hannover am Dienstag vor einem schwedischen Gericht gegen den Vorwurf des zweifachen Kindesmordes verteidigt. Die 32-Jährige bestritt am vierten Verhandlungstag in Köping wie erwartet die Anklage, wonach sie kurz vor Ostern 2008 die beiden drei und ein Jahr alten Kinder einer Schwedin mit Hammerschlägen getötet und die Mutter schwer verletzt haben soll.

Die des zweifachen Kindesmordes angeklagte Christine S.: "Es kam schon sehr überraschend, dass er mit mir Schluss gemacht hat"
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DPA

Die des zweifachen Kindesmordes angeklagte Christine S.: "Es kam schon sehr überraschend, dass er mit mir Schluss gemacht hat"

Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft Eifersucht an. Die Deutsche hatte sich 2006 bei Ferien auf Kreta mit einem Schweden liiert, der die Beziehung beendete und später mit der Mutter der Kinder zusammenzog. Die 23 Jahre alte Frau hatte die Hannoveranerin vor Gericht als Täterin identifiziert und dabei gesagt: "Ich bin mir sicher."

Bei ihrer mit großer Spannung erwarteten Aussage auf Deutsch machte die dunkel gekleidete, hochgewachsene und schlanke Angeklagte einen überwiegend ruhigen und meist auch überlegten Eindruck. "Es kam schon sehr überraschend, dass er mit mir Schluss gemacht hat. Und es hat mich völlig aus der Bahn geworfen", sagte die Studentin.

Sie berichtete von einem Selbstmordversuch nach ihrem Umzug nach Schweden 2007, bei dem sie vor dem auch literarisch durch Kurt Tucholsky berühmt gewordenen Schloss Gripsholm in Mariefred in einem Auto ein flüssiges Schlafmittel genommen habe.

Für den Mordtag am 17. März bestätigte die schwarzhaarige Deutsche, dass sie von Stockholm aus in die Kleinstadt Arboga fuhr, in der ihr Ex-Freund mit seiner neuen Gefährtin und deren beiden Kindern Max, 3, und Saga, 1, lebte. "Dort ging ich zu Fuß zu einem archäologischen Ausgrabungsplatz, der Halvardsborg. Das dauerte ungefähr eine Stunde." Danach sei sie per Bahn direkt wieder in die schwedische Hauptstadt gefahren, sagte die Angeklagte.

Während die Polizei der Studentin den Aufenthalt in Arboga durch Aufnahmen von der Videoüberwachung am Bahnhof nachweisen konnte, fehlen technische Beweise wie die Tatwaffe oder übereinstimmende DNA vom Tatort selbst. Die nach dem Anschlag zehn Tage bewusstlose Mutter, einzige Augenzeugin des Doppelmordes, identifizierte die Deutsche als Täterin. Allerdings wurde ihre Aussage durch vom Gericht bestellte Spezialisten für Gedächtnisverlust als nur bedingt glaubwürdig eingestuft.

Nach der Aussage der Angeklagten sollen bis zum 19. August vor Gericht noch 56 Zeugen vernommen werden. Dabei geht es vor allem um das Verhältnis zwischen der Hannoveranerin und ihrem zeitweiligen Freund. Die Deutsche verweigerte vor Gericht jede Aussage zu ihrer Behauptung gegenüber dem schwedischen Ex-Freund, dass sie als Folge der Liebesbeziehung ein Kind zur Welt gebracht habe. "Das ist privat", sagte sie.

Schwedische Prozessbeobachter erklärten, dass das Verfahren bisher verblüffende Parallelen zur juristischen Aufarbeitung des Mordes an Schwedens Ministerpräsident Olof Palme 1986 aufweise. Drei Jahre nach der Tat wurde der Kleinkriminelle Christer Pettersson in zweiter Instanz vom Mordvorwurf freigesprochen, weil das Gericht die Identifizierung durch Palmes Witwe Lisbeth verwarf. Andere technische Beweismittel fehlten. Pettersson blieb bis zu seinem Tod 2004 auf freiem Fuß.

Thomas Borchert, dpa

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