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23.08.2008
 

Ermordete Michelle

Hunderte trauern in Leipzig

Wut, Verzweiflung und Tränen: Mehrere hundert Menschen haben bei einer kirchlichen Andacht in Leipzig an die getötete achtjährige Michelle erinnert. Die Polizei sucht unterdessen noch immer nach ihrem Mörder.

Leipzig - In der Trinitatiskirche im Osten Leipzigs nahe dem Wohnort von Michelle versammelten sich rund 350 Leipziger, darunter zahlreiche junge Menschen aus der Umgebung. Viele zündeten Kerzen an und stellten sie vor den Altar, wo Zeitungsausschnitte mit Bildern von Michelle lagen.

Blumen, Kerzen und Plüschtiere vor der Grundschule der ermordeten Michelle: Trauer und Anteilnahme in Leipzig
DPA

Blumen, Kerzen und Plüschtiere vor der Grundschule der ermordeten Michelle: Trauer und Anteilnahme in Leipzig

Bei der halbstündigen Gedenkfeier am Abend sagte Pfarrer Sebastian Rebner: "Jetzt können die Tränen fließen. Es ist wichtig, jetzt nicht alleine zu sein. Haltet zueinander!"

Michelle war am vergangenen Montagnachmittag von der Kinderbetreuung in ihrer nur wenige Minuten entfernten Schule nicht nach Hause gekommen. Ihre Leiche wurde schließlich von einem Spaziergänger in dem Teich entdeckt.

Einige jüngere Leute nutzten die Veranstaltung für Forderungen nach einem schärferen Vorgehen des Staates gegen Sexualstraftäter. Von der Kanzel sagte eine junge Frau von der Bürgerinitiative für die Suche nach Michelle: "Es sollte härtere Strafen für Kinderschänder geben." Andere Teilnehmer versicherten den Eltern von Michelle ihr tiefes Mitgefühl. Auch an den nächsten Abenden soll in der Trinitatiskirche gebetet und an das ermordete Mädchen erinnert werden.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine heiße Spur von dem Mörder. Die Fahndung läuft mit Hochdruck weiter. Die Leiche Michelles war am vergangenen Donnerstag in einem Teich in Leipzig gefunden worden.

Medienberichte über bestimmte Verdächtige, nach denen gesucht werde, wies die Polizei zurück. Auch ein Mann, der vor vier Monaten ein elfjähriges Mädchen in der Gegend belästigte und von dem es ein Phantombild gibt, stehe nicht konkret unter Verdacht. "Natürlich ist das eine Spur, aber nur eine Spur von vielen", sagte Polizeisprecher Uwe Voigt.

Allerdings überprüfe die Polizei weiter die Alibis von mehr als 250 aktenkundigen Sexualstraftätern. Mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen aus Bussen und Straßenbahnen werden gesichtet. Die Polizei druckte 5000 Fahndungsplakate und verteilte viele an Taxifahrer und die Leipziger Verkehrsbetriebe. 10 000 Euro Belohnung sind für Hinweise auf den Mörder ausgesetzt. Bisher seien etwa 200 Hinweise von Bürgern eingegangen, hieß es. In der größten Sonderkommission der sächsischen Polizei seit der Wiedervereinigung arbeiten 177 Polizisten.

Die Obduktion der Leiche wurde nach Angaben der Polizei inzwischen abgeschlossen. Einzelheiten über die Todesursache werden aber weiter aus ermittlungstaktischen Gründen geheim gehalten. Medienberichte, nach denen die Kinderleiche Blutergüsse hatte und Büschel des Kopfhaares fehlten, wurden nicht bestätigt.

Weitgehend abgeschlossen ist der Polizei zufolge die Spurensuche auf dem Grund des Teiches, in dem das tote Mädchen entdeckt wurde. Michelles rosafarbene Jacke und pinkfarbene Tasche sowie Gegenstände, die vom Täter stammen könnten, wurden nicht gefunden. "Der Täter hat uns den Gefallen nicht getan", bedauerte Voigt.

cjp/dpa/

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