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12.11.2008
 

Horrorheim auf Jersey

Ermittler schließt Kindermorde aus

Keine Morde, keine Folterkeller, keine getöteten Kinder: Im Fall der als "Horrorheim" bekannt gewordenen Schule "Haut de la Garenne" auf Jersey rudert die britische Polizei zurück. Von Mord spricht niemand mehr - die Ermittlungen zu den Missbrauchsvorwürfen gehen indes weiter.

London - Nach neuen Erkenntnissen der Polizei wurden in dem ehemaligen Heim auf der britischen Kanalinsel Jersey keine Kinder umgebracht.

Die im Keller von "Haut de la Garenne" gefundenen Knochen stammten von Tieren oder seien mehrere hundert Jahre alt, sagte der neue Chefermittler, David Warcup, am Mittwoch.

Warcup löst Lenny Harper ab, der bis zu seinem Ruhestand im August die Ermittlungen geleitet hatte.

Harper war nach Knochenfunden im Keller des Gebäudes von bis zu fünf Kindern ausgegangen, die in "Haut de la Garenne" umgebracht und zerstückelt worden seien.

Dem widersprach jetzt Warcup: So habe sich ein vermeintlicher Schädel als Kokosnuss-Schale aus viktorianischer Zeit entpuppt. Die meisten anderen Knochen stammten von Tieren oder aus einer Zeit, in der das Kinderheim noch gar nicht existierte.

Zudem gebe es keine Hinweise auf Folterräume in dem Gebäude. Die angeblichen "Strafräume", in denen Kinder gefoltert worden sein sollen, seien nur als Keller genutzte Räume gewesen, so der Ermittler. Eine vermeintliche "Fußfessel" entpuppte sich als unverdächtiges rostiges Stück Metall.

Warcup entschuldigte sich für die Angaben seines Vorgängers. Es sei "sehr bedauerlich", dass die Polizei Informationen herausgegeben habe, die "nicht strikt akkurat" gewesen seien, so Warcup.

"Haut de la Garenne" war nach den Knochenfunden weltweit als Schauplatz brutaler Kindesmisshandlungen in die Schlagzeilen geraten: Bis zu 150 ehemalige Bewohner meldeten sich und berichteten von Misshandlungen und Missbrauch.

Drei Männer wurden inzwischen wegen Vergewaltigung angeklagt.

Warcup betonte, dass die Untersuchung der Missbrauchvorwürfe weitergingen. Er wolle lediglich klarstellen, dass es keine Mordermittlungen gebe.

Harper verteidigte sich indes dafür, dass er der Öffentlichkeit von seinem Mordverdacht erzählt habe: "Wenn wir Knochenteile und Zähne in einem Gebäude finden, in dem wir wegen Kindesmissbrauchs ermitteln, was erwarten die Menschen dann? Hätten wir das ignorieren sollen? Keine Polizei im Land hätte das verschwiegen."

ber/dpa/afp

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