Von Barbara Hans
Klemme hat daher in der Vergangenheit bereits auf einen privaten Sicherheitsdienst zurückgegriffen. Die britische Firma DRUM Resources hat in diesen Wochen gut zu tun. Unter anderem verleiht sie frühere Offiziere der britischen Marine an Reedereien. Die Experten fliegen von London nach Kairo, fahren mit dem Taxi nach Port Said und gelangen von dort auf die Schiffe, die sie begleiten.
Vor allem für Luxusyachten ist dieser private Sicherheitsdienst von Interesse, doch immer häufiger greifen auch Reedereien auf die Dienstleitung zurück. Kostenpunkt: rund 50.000 Dollar.
"Das ist günstiger, als zehn Tage auf den nächsten Konvoi zu warten", rechnet Klemme vor. Im Gepäck haben die Security-Leute keine Waffen, denn die können den Zoll nicht passieren. Stattdessen rüsten sie die Schiffe mit Schallkanonen aus, die die Grenzkontrollen zerlegt passieren können. Sie führen dazu, dass auf eine Entfernung von mehreren hundert Metern das Trommelfell platzt. "Die Hoffnung ist, dass sich die Piraten dann vielleicht eine leichtere Beute suchen", so Klemme.
Stolberg verfolgt einen anderen Plan: "Ziel ist es, die Konvois alle zwei Tage und später täglich anbieten zu können." Von einem Wettrüsten hält der Bremer nichts. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn bewaffnete Leute auf unseren Schiffen stehen und zurückschießen würden. Das würde das Leben der Besatzung nur noch mehr gefährden." In rund zweieinhalb Wochen wird das erste Schiff der "Beluga Shipping GmbH" mit Schallkanonen ausgerüstet, die von der Brücke aus gesteuert werden.
Versicherungen können die Reedereien nur unzureichend schützen - und das Thema ist für die Versicherer erst seit kurzem wieder aktuell. Die bisherigen Gefahrenstellen, wie die Straße von Malakka, galten in den letzten Jahren durch großes Engagement der Anrainerstaaten als piratenfrei. "In den vergangenen Jahren kannten wir eher zur See fahrende Räuberbanden, die die Ladung und Ausrüstung der Schiffe gestohlen haben. Dass es gezielt um Lösegeldforderungen geht, ist neu", sagt Hans Detlev Olsen, Geschäftsführer der "Leonhardt und Blumberg GmbH Versicherungsmakler".
Immer mehr Reeder schließen demnach eine sogenannte "Kidnap & Ransom"-Versicherung ab, salopp eine Versicherung gegen Entführungen, die nun auch gezielt für die Fälle der Entführung durch Piraten abgeschlossen werden kann. "Das Feld ist sehr komplex, kein Reeder macht es wie ein anderer", sagt Olsen. Fest steht: Die Kosten für eine solche Versicherung haben sich in den vergangenen Monaten verzehnfacht. Für ein mittelgroßes Containerschiff, das einen Wert von 100 Millionen Dollar hat, muss die Reederei rund 40.000 bis 80.000 Dollar zahlen. Und: Inwieweit die Versicherungen die Gefahr der Piraterie künftig noch abdecken, ist fraglich.
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