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20.11.2008
 

Private Sicherheitsfirmen

Experten setzen Schmierfett zur Piratenabwehr ein

Von Barbara Hans

Die Gefahr ist ihr Kapital: Immer öfter heuern Reeder gegen die Piratenüberfälle am Horn private Sicherheitsfirmen an. Deren Methoden, sich gegen die Seeräuber zu wehren, sind mitunter filmreif.

Hamburg - Peter Hopkins ist solide, grundsolide könnte man sagen. Wirtschaftsstudium, Beratertätigkeit für große internationale Unternehmen, dann acht Jahre bei der britischen Armee. Ein abenteuerlicher Lebenslauf sieht anders aus. Seit einem Jahr verbringt der Brite Hopkins, verheiratet mit einer Deutschen, aber immer mehr Zeit mit Dingen, die eigentlich nicht sein Metier waren: mit der Bekämpfung von Piraten.

"DRUM Resources", die Firma des 44-Jährigen mit Hauptsitz in London, kümmert sich um das Risikomanagement (Collateral Management) ihrer Kunden im allgemeinen - und in jüngster Zeit immer häufiger auch um die Sicherung von Warentransporten auf dem Wasser. "Wir sorgen dafür, dass die Waren unserer Kunden sicher ihr Ziel erreichen", sagt Hopkins SPIEGEL ONLINE.

Diese Ziele liegen häufig in Afrika, manchmal auch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder in Asien. Immer öfter haben die Firmen an Hopkins die Bitte herangetragen, ihre Waren auf dem immer gefährlicher werdenden Weg durch den Golf von Aden zu sichern. "Im vergangenen halben Jahr haben sich Anfragen dieser Art verzehnfacht", sagt Hopkins, der eine fast akzentfreie Mischung aus Deutsch und Englisch spricht.

Hopkins reagierte - und entdeckte eine lukrative Marktlücke. Seine Männer bieten den Schiffen auf der gefährlichen Route Geleitschutz, sind Leibwächter für riesige Frachter. Die Reeder nehmen diese Dienstleistungen in Anspruch, da sie aus ihrer Sicht eine sinnvolle und im Vergleich kostengünstige Möglichkeit darstellen, die Angriffe von Piraten abzuwehren.

"Unsere Leute wissen, was sie tun"

Sind diese erst einmal auf ein Schiff gelangt, ist der wirtschaftliche Schaden für die Reeder immens: zu möglichen Lösegeldzahlungen kommen Schäden am Schiff; so lange ein Frachter festsitzt, kostet er Geld, verdient aber keines. Die Ausfälle betragen pro Tag mehrere zehntausend Euro.

Dagegen sind die Dienste, die Hopkins mit seinen Kollegen organisiert, beinahe günstig. Teams von vier bis acht Leuten schickt er per Flugzeug von London nach Kairo und von dort nach Port Said, wo sie auf die Schiffe gelangen. Meist bleiben Hopkins' Männer bis Salala in Oman an Bord, manchmal auch bis zur kenianischen Hafenstadt Mombasa, insgesamt fünf bis neun Tage. Dann fliegen sie entweder nach Großbritannien - oder begleiten ein Schiff auf seiner Route zurück durch den Golf.

Für eine Begleitung durch vier Männer muss ein Reeder pro Tag 6000 bis 7000 Euro bezahlen, hinzu kommen die Kosten für Anreise und Ausrüstung. Was genau Hopkins unter Ausrüstung versteht, lässt er offen. Seine Männer sind bewaffnet, so viel steht fest. Schwer bewaffnet seien sie aber nicht, versichert der Geschäftsmann.

Die Männer, die bei Hopkins anheuern, sind alle jenseits der 40, und sie alle haben früher in leitenden Funktionen bei den Royal Marines gearbeitet. "Unsere Leute wissen, was sie tun", antwortet Hopkins knapp, wenn man ihn fragt, wie groß die Gefahr für die Männer sei. "Natürlich besteht auch eine Gefahr. Aber all unsere Leute sind versichert."

Mit Stacheldraht und Schmierfett gegen Piraten

Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit mit den Besatzungsmitgliedern und deren Schulung. Auf dem Schiff wird ihnen beigebracht, wie sie sich zu verhalten haben, falls der Ernstfall eintreten sollte und Piraten auf das Schiff gelangen. "Zuerst machen wir uns an die sogenannten 'lock down procedures', an das Abriegeln des Schiffes."

Türen werden verrammelt, Verstecke für die Crew ausgelotet. "Es soll nicht dazu kommen, dass ein Pirat auf Deck auf ein Besatzungsmitglied stößt und ihm sofort eine Waffe an den Kopf hält. Dann sind auch die anderen an Bord in Gefahr. Die Mannschaft muss Zeit gewinnen, um einen Notruf abzusetzen." Sind Marineeinheiten in der Nähe rechtzeitig informiert, kann allein der Einsatz von Hubschraubern einen Übergriff der Piraten verhindern.

Hopkins' Leute sind vor allem bemüht, zu verhindern, dass die Piraten überhaupt auf die Schiffe gelangen. Ihre Methoden erinnern dabei mitunter ein wenig an die Streiche, mit denen "Kevin allein zu Haus" sich gegen die Einbrecher wehrte.

Stacheldraht wird an Deck verteilt, auf Treppen und an Seiten wird Schmierfett verstrichen, damit die Piraten bei einem versuchten Übergriff gar nicht erst Fuß fassen können und ihre Enterhaken keinen Halt finden.

Für die direkte Abwehr gehören Schallkanonen zu ihrer Ausrüstung, die dazu führen, dass das Trommelfell der mutmaßlichen Angreifer platzt, sofern sie zu nah kommen.

Letzte Maßnahme: Notwehr

Um die Angreifer vom Schiff fernzuhalten, haben die sogenannten "Transit Teams" auch Tonbandaufnahmen im Gepäck. In allen nur denkbaren Stammessprachen und auf Arabisch warnen sie die Angreifer, sich dem Schiff zu nähern. "Kommen Sie nicht näher! Das Schiff ist geschützt!", warnt eine Stimme über Megaphon.

Bislang mit Erfolg: Hopkins lässt in diesen Tagen mindestens zwei Schiffe in der Woche begleiten. An Anfragen mangelt es nicht.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika

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Maschinengewehre statt Enterhaken

Piratennest Puntland

Stützpunkte

Lukratives Geschäft

Zunehmende Entführungen

Folgen für Reedereien

Anti-Piraten-Missionen

Kommen die Boote der Piraten doch zu nah, führen die Kapitäne ein "Anti Boarding"-Manöver durch: Sie fahren zickzack, beschleunigen, versuchen möglichst hohe Wellen zu erzeugen, um einen Angriff zu vereiteln.

Sollten all diese Maßnahmen nicht greifen, könnten die Teams von Waffen Gebrauch machen - im Zweifel wäre das Notwehr, weil durch den Angriff der Piraten eine Gefahr für Leib und Leben entsteht. Meist aber reichen die Drohung und der vorbeugende Schutz des Schiffes aus, damit sich die Piraten eine leichtere Beute suchen.

"Unser Ziel ist es, den Handel zu stabilisieren. Denn er muss weitergehen - auch wenn er immer gefährlicher wird. Wenn die Unternehmen nicht mehr exportieren könnten, hätten sie ein großes Problem. Vor allem in Zeiten der Finanzkrise." Hopkins geht aber davon aus, dass sich die Lage am Horn von Afrika in den kommenden Monaten verändern wird, dass der Boom, den er derzeit erlebt, abebbt.

"Ich denke, dass auf internationaler Ebene etwas passieren wird. Langfristig werden im Golf von Aden mehr Marineschiffe stationiert werden. Das Vorgehen der Piraten ist in der jüngsten Zeit so dreist geworden, dass die Staaten etwas unternehmen müssen."

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26.03.2010 von maximal-debil: Piraten vor Somalia

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