Paderborn - Der mutmaßliche Mörder der kleinen Kardelen aus Paderborn wohnte direkt neben seinem Opfer. Der Verdächtige lebe seit 2001 in Deutschland, sei seit 2007 verheiratet, habe selbst keine Kinder, erklärte Staatsanwalt Ralf Vetter auf einer Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Die Visitenkarte eines türkischen Juweliers, die am Leichenfundort sichergestellt worden war, führte die Polizei demnach auf die Spur des Tatverdächtigen. Der Geschäftsmann hat den gleichen Nachnamen wie Verwandte des Tatverdächtigen.
Am Montagmorgen wurde nach Angaben der Polizei Ali K.s Wohnung durchsucht, dabei wurden eine "Vielzahl von Spuren" sichergestellt. Ein DNA-Abgleich habe ergeben, dass die Spuren vom Leichenfundort und die aus der Wohnung miteinander übereinstimmten.
Am Dienstag war Ali K. zur Fahndung ausgeschrieben und ein internationaler Haftbefehl erwirkt worden. Der Tatverdächtige war wenige Tage nach dem Tod des Mädchens unter dem Vorwand verschwunden, seinen Vater in der türkischen Stadt Aydin besuchen zu wollen.
K. ist bisher nicht auffällig gewesen. Er soll bis Ende vergangenen Jahres an einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme teilgenommen haben. Seit Anfang 2009 war er offenbar arbeitslos und erhielt laut Polizei 900 Euro staatliche Unterstützung.
Die Mordkommission hatte in den vergangenen drei Wochen fieberhaft ermittelt. Die 60 Ermittler waren rund tausend Spuren nachgegangen. Kardelens Leiche war am 14. Januar von Spürhunden der Polizei in einer Tannenschonung am Möhnesee im Sauerland entdeckt worden - zwei Tage nach Verschwinden des Mädchens. Die Achtjährige wurde sexuell missbraucht und erstickt.
Die Polizei hatte unter anderem Zusammenhänge zu anderen Verbrechen untersucht, so dem Mord an der kleinen Michelle aus Leipzig und dem Verschwinden der achtjährigen Jenisa aus Hannover. In beiden Fällen seien Parallelen augenfällig, etwa das Alter der Kinder, hieß es.
Während der Ermittlungen war ein Streit losgebrochen, nachdem die türkischstämmige Schriftstellerin Serap Cileli ("Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre") die Vermutung geäußert hatte, der Täter könne auch ein Türke sein. Dafür wurde sie von den beiden größten türkischen Tageszeitungen in Deutschland, "Hürriyet" und "Sabah", heftig kritisiert.
ala/dpa/ddp
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