Berlin - Völlig unbestritten ist: Am Dienstag kam es in Berlin-Mitte zu einem Zwischenfall in der Charlottenstraße. Dort sicherten Polizisten eine Straßenabsperrung - der kasachische Staatspräsident Nursultan Nasarbajew war in der Hauptstadt. Stellvertretend für Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos den ausländischen Gast empfangen.
Als der Minister in seinem Dienstwagen an einer der Absperrungen vorgefahren wurde, verweigerte ein Polizist auftragsgemäß die Durchfahrt. Es kam zum Unfall - und zum Wortwechsel.
Wer was warum und wie gesagt hat, das ist allerdings strittig. Der Polizist behauptet, der Minister habe ihm mit dem Ende seiner Karriere gedroht, weil er den Wagen gestoppt habe, berichtet die "Berliner Morgenpost". "Sie sind die längste Zeit Polizist gewesen", soll Glos dem Beamten gesagt haben. Von Seiten des Beschuldigten wird das bestritten: "Diesen Satz hat der Minister definitiv nicht gesagt", sagt Ministeriumssprecher Steffen Moritz SPIEGEL ONLINE.
Auch den Verlauf des Unfalls beschreiben die beteiligten Parteien unterschiedlich: "Wir bestätigen, dass es einen Unfall gab", sagte ein Polizeisprecher zu SPIEGEL ONLINE. Der Wagen des Wirtschaftsministers sei an dem Unfall beteiligt gewesen. Der Beamte, der zu jenem Zeitpunkt den Verkehr regelte, sei dabei leicht am Fuß verletzt worden. "An der Unfallstelle gab es einen Wortwechsel, an dem auch der Minister beteiligt war", so der Polizeisprecher. "Über den Wortlaut gibt es unterschiedliche Darstellungen." Der Beamte sei ambulant in einem Bundeswehrkrankenhaus behandelt worden.
Glos hat sich nach Angaben von Ministersprecher Moritz am Mittwoch in einem Schreiben an den Polizisten gewandt und sein Bedauern ausgedrückt. Darin heißt es am Ende: "Sie hatten Ihre Anweisungen, die Sie auftragsgemäß befolgt haben. Ich wiederum war in Eile, denn meine Aufgabe war es, Präsident Nasarbajew in Stellvertretung der Bundeskanzlerin zu empfangen. Insofern war für mich Ihre Weigerung, uns passieren zu lassen, in diesem Moment nur schwer verständlich. Falls ich unwirsch reagiert haben sollte, bedauere ich dies. Mein Ärger ist inzwischen verraucht. Ich hoffe, auch Sie tragen mir die unglückliche Situation von gestern Vormittag nicht nach."
Glos habe seinen Weg nach dem "Vorfall" zu Fuß fortgesetzt, sagte Ministeriumssprecher Moritz.
jjc
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