Dublin - Sie kamen zu sechst, sie waren bewaffnet und sie trugen Masken. Doch die Bankräuber, die in Irland am vergangenen Freitag sieben Millionen Euro erbeuteten, stürmten keine Bankfiliale - sondern das Haus des Bankangestellten Shane Travers in einem Dorf außerhalb Dublins. Travers' Lebensgefährtin, deren fünfjähriger Sohn und ihre Mutter wurden von den Tätern gefesselt. Die Bewaffneten drohten dem 24-jährigen Bankangestellten, sie würden alle drei töten, wenn er nicht mit ihnen zusammenarbeite.
Nach Angaben des irischen Fernsehsenders RTE wurde die Partnerin des Mannes auch geschlagen. Travers fügte sich.
Am Freitagmorgen verließ er die Zweigstelle der Bank of Ireland am College Green im Herzen Dublins, in der er selbst arbeitet, schwer bepackt: Sieben Millionen Euro brachte der Mann den Kidnappern. Doch die mutmaßlichen Täter konnten sich an ihrer Beute nicht lang erfreuen - am frühen Samstagmorgen verhaftete die irische Polizei sieben Verdächtige und fand einen Teil des gestohlenen Geldes, nach Polizeiangaben eine "große Summe".
Die drei Entführten überstanden die Tortur unverletzt. Sie wurden nach dem Raub in einem Kleinbus nördlich von Dublin zurückgelassen und konnten sich selbst befreien. Alle drei stünden unter Schock, teilte die Polizei mit.
Inzwischen fragt man sich in Irland, wie ein Bankmitarbeiter an Geld in solchen Mengen kommen konnte. Die Regierung und die Polizei kamen nach dem Multimillionen-Raub zu einem Treffen zusammen. Irlands Justizminister Dermot Ahern und hochrangige Polizisten hatten Travers nach der Tat zunächst kaum verhohlen kritisiert. Dass er die Polizei nicht benachrichtigt hatte, bevor er das Geld entwendete, verstoße gegen die Vorgaben von Polizei und Banken für Überfälle mit Geiselnahme.
Die Bank of Ireland ist eine der größten der Insel. Die große Filiale am College Green, aus der das Geld entwendet wurde, ist ein bekanntes Gebäude, eine Landmarke der irischen Hauptstadt mitten im Zentrum. Eine Sprecherin der Bank wollte die Höhe der Beute nicht bestätigen.
Derartige, "Tiger Kidnapping" genannte Taten sind in Irland nichts Ungewöhnliches. Regelmäßig werden dort Bankangestellte oder deren Angehörige entführt, um die Herausgabe von Geld zu erzwingen. Üblicherweise liegt die Beute aber deutlich niedriger als im vorliegenden Fall. Wenn tatsächlich sieben Millionen Euro erbeutet wurden, ist die Tat der größte Bankraub in der Geschichte der Republik Irland.
Im anderen Teil der Insel allerdings erbeuteten Bankräuber im Jahr 2004 noch ungleich mehr: Zwei Angestellte der Northern Bank wurden damals dazu gezwungen, einer Bande 26 Millionen Pfund (etwa 29 Millionen Euro) aus dem Tresor der Bank-Zentrale im nordirischen Belfast auszuhändigen.
cis/AP/AFP/reuters/dpa
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