ThemaAmoklauf von WinnendenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Amokläufer Tim K. "Ein ganz normaler Teenager"

2. Teil: Warum erschoss Tim K. hauptsächlich Mädchen und Frauen?

Im einem Punkt hob sich Tim eklatant von der Masse ab: beim Tischtennis. Er war ehrgeizig - und erfolgreich. "Im Tischtennis war er echt richtig gut", sagt eine ehemalige Schulfreundin. "Man hat gemerkt, dass ihm das Spaß macht."

Eine Freundin habe Tim nicht gehabt, sagen seine Weggefährten - und wundern sich, dass unter den Opfern so viele Mädchen und Frauen sind, sieben Schülerinnen, drei Lehrerinnen. "Ob das Zufall ist?", fragt Alexander, der Tim - und zwei seiner Opfer - aus der Schule kannte. Den Ermittlern zufolge kann das "mit der Raumsituation zusammenhängen".

Das Haus der Familie K., ein weißer Neubau mit Wintergarten und Dachterrasse, sei kurz nach dem Amoklauf vom SEK gestürmt worden, erzählen Nachbarn. Tims Eltern gelten als vermögend, fahren Porsche. Auf Klassenfahrten gaben sie ihrem Sohn immer mehr Geld mit als die anderen dabei hatten, erinnert sich Linda. So auch auf der Abschlussfahrt nach Berlin im vergangenen Oktober, als er mit seiner Klasse 10 d die Mittlere Reife feierte. "Aber geprahlt oder geprotzt hat er mit dem Geld seiner Eltern nicht." Im Gegenteil: Mehrere Klassenkameraden hätten sich immer mal ein paar Euro bei ihm geliehen. "Tim gab gern."

Mit dem Vater, einem Waffennarr, rasselte er aneinander

Obwohl er einen überschaubaren Freundeskreis hatte, soll er ab und an Partys in dem Elternhaus in der Kleiststraße gefeiert haben, erinnert sich Sina aus seiner ehemaligen Klasse. Trotzdem galt Tims Vater, Geschäftsführer einer Firma für Verpackungen, als streng. Sein Klassenfreund Martin erinnert sich daran, dass Tim immer mal wieder mit ihm "aneinandergerasselt" sein soll.

Der Vater bewahrte 15 Waffen in einem Tresor auf. Nur eine Beretta verwahrte er in einer Schublade im Schlafzimmer. Mit der Waffe und Hunderten Schuss Munition stürmte Tim los.

Am Abend wurden die Leichen aus der Schule abtransportiert. Bei dem Gedenkgottesdienst brechen manche Schüler zusammen. Ein Mädchen klammert sich schluchzend vor der Kirche an die Freundin. Sanitäter vom Malteser Hilfsdienst führen ein anderes Mädchen zur eigens bei der Kirche eingerichteten Behandlungsstation. "Die hält sich nicht mehr lang auf den Füßen."

Die Helfer glauben, dass die richtige Arbeit für sie in den kommenden Tagen beginnt. Sandras Ruhe etwa wundert Alexander Baur vom Malteser Rettungsdienst nicht. "Man erlebt die unverständlichsten Reaktionen." Oft zeigten traumatische Erlebnisse erst in der Nacht ihren wahren Schrecken. Jeder der wolle, könne psychosoziale Hilfe erbeten.

Sandra sagt, ihr sei in der Schule psychologische Unterstützung angeboten worden. Aber sie habe bislang nicht das Gefühl, sie zu brauchen. Doch die Mutter guckt erschüttert. "Jetzt gehen wir morgen erstmal zum Psychologen", sagt sie. Eine Nachbarin hatte sich angeboten, im Ort hält man jetzt zusammen.

Rettungshelfer Baur glaubt, dass es sicher "erlösend" wirke, wenn man "weint und sich jemandem anvertraut". Es ist eine Hoffnung, mehr nicht.

*Alle Namen der Jugendlichen von der Redaktion geändert

Die verheerendsten Amokläufe
Der Begriff Amok kommt von dem malaysischen Wort "amuk" und bedeutet so viel wie "wütend" oder "rasend". Mehr auf der Themenseite...

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Justiz
alles zum Thema Amoklauf von Winnenden

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP



TOP