Winnender Schulmassaker
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vater des Amokläufers
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden eingeleitet. Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Tötung.
Winnenden - Fünf Tage nach dem Amoklauf von Winnenden hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart
gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden am Montag ein
Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Zur
Begründung hieß es, der Hobby-Schütze habe die Tatwaffe im
elterlichen Schlafzimmer anstatt in einem Waffentresor aufbewahrt,
obwohl er vermutlich gewusst habe, dass sein Sohn an Depressionen
litt. Dem Vater von Tim Kretschmer drohen damit bis zu fünf Jahren Haft.
In einer in Waiblingen veröffentlichten Presseerklärung von Polizei
und Staatsanwaltschaft verweisen die Behörden auf "konkrete
Anhaltspunkte", die belegen, "dass die Eltern Kenntnis von den
gesundheitlichen Problemen ihres Sohnes hatten". Weil der Vater
seine von Tim Kretschmer für die Tat benutzte Pistole trotzdem nicht in
einem Tresor verschlossen habe, ergebe sich der konkrete
Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung, erläuterte ein
Polizeisprecher den Zusammenhang.
Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten nun erneut, dass Tim Kretschmer
Mitte Dezember 2008 in einem Schreiben zur Musterung an das
Kreiswehrersatzamt "gesundheitliche Beeinträchtigungen in Form von
Depressionen" geltend gemacht habe. Als behandelnden Arzt habe er
einen Arzt des Klinikums am Weissenhof benannt. Nach Angaben des
ärztlichen Direktors der Klinik wurde der Jugendliche dort mehreren
Tests unterzogen und ihm eine weiterführende Behandlung an der
Klinik in Winnenden empfohlen.
Offenbar vor dem Hintergrund des drohenden Ermittlungsverfahrens
hatten die Eltern von Tim Kretschmer am Wochenende über ihren Anwalt
erklärt, dass ihr Sohn "nie in psychotherapeutischer Behandlung
gewesen und deswegen auch nie in einer entsprechenden Klinik
behandelt worden" sei.
Unterdessen wurde am Montag bekannt, dass sich nach der Tat noch vier Verletzte in Krankenhäusern befinden. Zwei Schülerinnen und zwei Polizeibeamte würden wegen ihrer Schussverletzungen derzeit noch behandelt, teilten die Rettungs- und Betreuungskräfte am Montag in Winnenden mit. Für die Verletzten bestehe keine Lebensgefahr. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben bei der Tat elf Menschen verletzt, neun Schülerinnen und Schüler sowie zwei Polizeibeamte.
Nach der Beerdigung des ersten Opfers am Samstag sollen in den nächsten Tagen weitere Opfer beigesetzt werden. Unter anderem sollen im Laufe der Woche die drei getöteten Lehrerinnen beigesetzt werden, wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart mitteilte. Ein muslimischer Schüler aus dem Kosovo wurde offenbar bereits zur Beerdigung in den Kosovo überführt.
Für die Schüler der Albertville-Realschule begann unterdessen am Montag ein freiwilliger Unterricht. Mehrere Schüler versammelten sich am Vormittag in mindestens sechs Gemeinde- und Sporthallen in der näheren Umgebung. Wie viele Schüler genau das Angebot annahmen, war zunächst nicht bekannt. Das Schulhaus der Albertville-Realschule blieb auch am Montag geschlossen.
Der 17-jährige Tim Kretschmer hatte am vergangenen Mittwoch bei seinem Amoklauf insgesamt 15 Menschen erschossen, bevor er sich selbst tötete. Zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs ist eine zentrale Trauerfeier des Landes Baden-Württemberg am 21. März, 11 Uhr, geplant. An der Trauerfeier wollen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Horst Köhler teilnehmen.
DIE SCHLIMMSTEN AMOKLÄUFE
Der Begriff Amok kommt von dem malaiischen Wort "amuk" und bedeutet soviel wie "wütend" oder "rasend".
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Der Abiturient Georg R. verletzt bei einem Anschlag am humanistischen
Gymnasium Carolinum in
Ansbach acht Mitschüler und einen Lehrer. Die Tat wurde offenbar lange im Voraus geplant.
Einer Schülerin fügt er eine lebensgefährliche Kopfverletzung zu, eine andere erleidet schwere Brandwunden. Der 18-Jährige selbst wird bei seiner Festnahme durch mehrere Schüsse schwer verletzt.
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Jiverly Wong, ein 41-jähriger Immigrant aus Vietnam, erschießt in einem Zentrum für Einwanderer 13 Menschen und begeht anschließend Selbstmord.
Der 17-jährige
Tim K. ermordet in der Albertville-Realschule im schwäbischen Winnenden 15 Menschen. Danach erschießt sich der Täter selbst.
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Ein Amokläufer im US- Bundesstaat Alabama tötet mindestens neun Menschen und erschießt sich dann selbst. Das Blutbad ereignet sich in Geneva County im Südosten Alabamas nahe der Grenze zu Florida.
Ein 20-jähriger Belgier ersticht in einer Kindertagesstätte im ostflämischen
Dendermonde zwei Kleinkinder und eine Betreuerin. Zehn weitere Kleinkinder und zwei weitere Betreuerinnen werden zum Teil schwer verletzt.
Der 22-jährige Berufsschüler
Matti- Juhani Saari tötet in der westfinnischen Kleinstadt
Kauhajoki zehn Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
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Der 18-jährige Schüler
Pekka- Eric Auvinen tötet insgesamt acht Menschen in einem Schulzentrum in
Jokela.
An der Technischen Universität von
Virginia erschießt ein Student 32 Menschen und verletzt 15 weitere.
Das Massaker an der Virginia Tech gilt als eines der folgenschwersten an einer Bildungseinrichtung in den USA.
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Mindestens zehn Menschen sterben bei zwei Amokläufen in
Salt Lake City und
Philadelphia (USA). Ein Täter eröffnet in einem Einkaufszentrum in Salt Lake City das Feuer und tötet fünf Menschen. Ein Polizist erschießt den Amokläufer.
In Philadelphia werden drei Teilnehmer einer geschäftlichen Konferenz Opfer eines Amokläufers. Er nimmt sich anschließend das Leben.
Der
18- jährige Sebastian B. schießt in seiner ehemaligen Schule im westfälischen
Emsdetten um sich. Elf Menschen werden verletzt.
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In
Lancaster County im US-Bundesstaat
Pennsylvania tötet ein Amokläufer an einer
Amish-Schule fünf Mädchen. Dann nimmt er sich das Leben.
In
Red Lake im US-Bundesstaat
Minnesota erschießt ein 16-Jähriger eine Lehrerin und fünf Schüler. Zuvor hatte er schon einen Schulwärter, seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin getötet. Im Internet outet sich der Täter als Anhänger
nationalsozialistischer Rassenlehren.
Bei einem
Amoklauf am Gutenberg- Gymnasium in
Erfurt tötet der 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. Steinhäuser war ein Jahr vor der Tat von der Schule verwiesen worden.
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Im Pariser Vorort
Nanterre erschießt ein
Amokläufer acht Menschen. Anschließend springt er aus dem vierten Stock eines Polizeigebäudes in den Tod.
Ein Amokläufer dringt in das
Kantonsparlament im schweizerischen
Zug ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.
Ein 37- Jähriger Japaner ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt
Osaka acht Kinder und verletzt 20 zum Teil schwer.
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die
Columbine High School in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen.
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Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in
Jonesboro im US-Staat
Arkansas falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
Im Nordosten
Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche
Homosexualität.
35 Menschen fallen dem
Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel
Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen
Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen
Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
Im
texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
An der Polytechnischen Hochschule von
Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige
Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
In einem Schnellrestaurant in
San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
An der Universität von
Texas schießt
der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
Beim
Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.
jjc/ddp/AP/dpa