Frankfurt am Main - Ein 73-jähriger Mann hält seine Tochter 24 Jahre lang gefangen, vergewaltigt sie nahezu jeden zweiten Tag und zeugt mit ihr acht Kinder, eines davon stirbt. Was zunächst wie ein Einzelfall aussah, erwies sich in den folgenden Monaten als grauenhafte Realität für Frauen in allmöglichen Ländern dieser Welt. Nur wenige Tage nach Bekanntwerden des Falls F. aus Niederösterreich wühlt Anfang Mai in Frankreich ein ähnlicher Fall das Land auf: Die inzwischen 46-jährige Lydia G. aus Coulommes rund 60 Kilometer östlich von Paris wurde nach eigenen Angaben 30 Jahre lang von ihrem Adoptivvater gequält und vergewaltigt und hat sechs Kinder von ihm. Erst der plötzliche Tod ihres Peinigers beendete ihr Martyrium.
Noch im gleichen Monat wurde in Argentinien ein 73-Jähriger wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter zu 16 Jahren Haft verurteilt. Er hatte das Mädchen vergewaltigt und bedroht, seit sie zwölf Jahre alt war. Sie brachte zwei Kinder zur Welt. Nach elf Jahren des Missbrauchs konnte sie 2003 fliehen und vertraute sich den Behörden an.
Im Juni 2008 wandten sich zwei Schwestern aus dem nordenglischen Sheffield an die Behörden. Sie wurden von ihrem Vater über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren vergewaltigt und insgesamt 19-mal geschwängert. Sieben Kinder überleben, die übrigen starben während der Schwangerschaft oder während der Geburt oder wurden abgetrieben.
Ende November wurde der Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis an höchste Stelle erregte der Fall Aufsehen. Der britische Premierminister Gordon Brown versprach Aufklärung zu der Frage, wie die jahrzehntelangen Gewalttaten den Ämtern hatten verborgen bleiben können.
Ähnliche Meldungen kamen im September aus Polen. In Siedlce wurde ein 45-Jähriger festgenommen, der seine inzwischen 21 Jahre alte Tochter sechs Jahre lang eingesperrt, vergewaltigt und mit ihr zwei Kinder gezeugt haben soll. Nach Aussage der jungen Frau musste sie die Kinder zur Adoption freigeben. Wenige Tage später sorgte ein weiterer Fall in Polen für Aufsehen: Ein Mann kam in Untersuchungshaft, der mit seiner erwachsenen Tochter neun Jahre lang eine sexuelle Beziehung gehabt haben und fünf Kinder gezeugt haben soll.
Ein Inzestfall beschäftigte 2008 auch die Justiz in Deutschland, doch ging es dabei um getrennt voneinander aufgewachsene Geschwister, die als Erwachsene ein Verhältnis eingingen und Kinder bekamen. Dafür trat Patrick S. aus Zwenkau bei Leipzig im Sommer seine Reststrafe von 17 Monaten Gefängnis wegen Inzests an.
Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht seine Beschwerde dagegen abgewiesen und der sächsische Justizminister ein Gnadengesuch abgelehnt. Er hat den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angerufen, doch dürften bis zu einer Entscheidung Jahre vergehen. Sein Anwalt betonte, dass der Fall überhaupt nichts mit Fällen wie Amstetten zu tun habe, denn schließlich habe es sich bei Patrick S. um eine "freiwillige Liebesbeziehung unter erwachsenen Verwandten" gehandelt.
Von Freiwilligkeit kann dagegen in keinem der genannten ausländischen Fälle die Rede sein: Die Frauen wurden eingesperrt, geschlagen oder zumindest eingeschüchtert und waren fast alle zu Beginn ihres Martyriums noch ganz jung: Die englischen Schwestern waren nach eigenen Angaben acht oder zehn Jahre alt.
jjc/AP
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