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17.03.2009
 

Amoklauf von Winnenden

Ermittler überprüfen Computer von Tim Kretschmers Mutter

Kann es sein, dass der Amokläufer von Winnenden seine Tat doch im Internet angekündigt hat? Innenminister Rech hat bekanntgegeben, dass auch der Rechner der Mutter des Täters nun überprüft wird. Für die Schüler der Albertville-Realschule beginnt der Unterricht in der kommenden Woche.

Stuttgart - Die Polizei prüft weiter, ob der Amokläufer von Winnenden die Tat im Internet angekündigt hat. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech, CDU, sagte am Dienstag in Stuttgart, "vieles spricht dafür", dass die Ankündigung in einem Chatroom im Internet gefälscht wurde. Dennoch werde auch der beschlagnahmte Computer der Mutter geprüft. Auch gebe es Hinweise, dass der 17- jährige Tim Kretschmer Internet-Cafés aufgesucht habe.

Bis zur endgültigen Klärung muss nach Rechs Worten aber weiter auf die Übermittlung der Verbindungsdaten aus den USA gewartet werden, wo der Betreiber des betroffenen Servers ansässig ist.

Rech räumte "eine Panne im Zuge der dynamischen Ermittlungshandlungen" ein. Allerdings seien die Beamten "bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit gegangen", sagte er. "Da passiert schon mal so was", sagte der Minister. Er selbst hatte der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag zunächst die vermeintliche Ankündigung der Bluttat präsentiert und musste später Zweifel an der Echtheit einräumen.

Auf dem beschlagnahmten PC des Todesschützen Tim Kretschmer wurden keine Belege für eine Ankündigung des Blutbads im Internet gefunden. Tim Kretschmer hatte am vergangenen Mittwoch 15 Menschen erschossen, darunter neun Schüler und drei Lehrerinnen an seiner ehemaligen Schule. Zuletzt erschoss sich der Amokläufer selbst.

Rech räumte ein, dass es bei der Weitergabe von Informationen über die Internet-Ankündigung eine "Panne" gegeben habe. Allerdings mache er der Polizei keinen Vorwurf: "Ich halte den Ermittlungsbeamten zugute, dass sie persönlich bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit gearbeitet haben." Er ergänzte: "Da passiert schon einmal so etwas." Über personelle Konsequenzen mache er sich derzeit keine Gedanken.

Für die Schüler der Albertville-Realschule beginnt am Montag kommender Woche wieder der Pflichtunterricht - allerdings nicht in dem Gebäude, in dem sich der Amoklauf stattgefunden hatte. Das kündigte Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele am Dienstag in Winnenden an. Seit Montag dieser Woche besteht für die Schüler bereits die Möglichkeit, wieder mit Mitschülern und Lehrern zusammenzukommen. Das Angebot, bei dem sie auch psychologisch betreut werden, ist aber noch freiwillig. Es gehe um einen Weg zurück in die Normalität, sagte Schiele.

Laut Kultusminister Helmut Rau,CDU, ist noch nicht klar, ob in der Albertville-Realschule je wieder Unterricht stattfinden kann. "Das kann man heute noch nicht abschließend sagen." Vorrang habe nun "die Aufarbeitung des Geschehenen". Die Schüler würden ab kommenden Dienstag im Klassenverbund "auf verschiedene Schulen im Raum Winnenden" verteilt.

Der Essener Psychologe und Trauma-Spezialist Christian Lüdke kritisierte die Rückkehr als zu früh. Die Schüler stünden noch "total unter Schock", es sei viel zu früh, sie wieder in die Klassenverbände zu schicken, sagte Lüdke der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" vom Dienstag. Die Betroffenen müssten erst einmal ihre Toten begraben und in Ruhe trauern, erst danach sei wieder an Unterricht zu denken. Es helfe auch nicht, dass die Schulleitung den Jugendlichen die Teilnahme am Unterricht freigestellt habe. Nach seiner Ansicht wären zwei Wochen Zwangsurlaub sinnvoller gewesen.

Zu der zentralen Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs werden nach Angaben von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, CDU, am kommenden Samstag bis zu 100.000 Teilnehmer erwartet. Er gehe davon aus, dass sehr viele Menschen durch ihre Anwesenheit ihre Anteilnahme zeigen wollten, sagte Oettinger. Die Feier solle "an möglichst vielen Plätzen in Stadt und Region" übertragen werden. Derzeit beschäftige sich eine Arbeitsgruppe damit, wie der Andrang zu bewältigen sei.

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han/dpa/ddp/AFP

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