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17.03.2009
 

Inzestfall Amstetten

Urteil gegen Josef F. soll schon am Donnerstag fallen

Das Verfahren gegen den Inzesttäter von Amstetten läuft schneller als gedacht: Das Urteil soll jetzt einen Tag früher gesprochen werden, am Donnerstag. Ein Psychiater versorgt Josef F. während des Prozesses - Sicherheitsmaßnahmen sollen verhindern, dass er sich das Leben nimmt.

St. Pölten - Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Josef F. war der Tag seines Opfers: Die zwölf Geschworenen sahen weitere Teile der auf Video aufgezeichneten Aussagen der Frau, die von ihrem Vater 24 Jahre in einem fensterlosen Keller gefangen gehalten und zahllose Male vergewaltigt worden war. Die Öffentlichkeit war wegen der sehr persönlichen Details in ihrer Aussage auch am Dienstag von der Verhandlung ausgeschlossen.

Wie der 73-Jährige auf die Aussagen seiner Tochter reagierte, wurde nicht bekannt. "Weil die Öffentlichkeit aus diesem Teil des Verfahrens gesetzlich ausgeschlossen ist, dürfen wir keinerlei Details bekanntgeben", sagte sein Verteidiger dem österreichischen Fernsehen ORF.

Das Urteil soll bereits am Donnerstag fallen. Der Sprecher des Landesgerichts Sankt Pölten, Franz Cutka, sagte, zunächst sollten am Donnerstag die Schlussanträge und Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gesprochen werden. Am Donnerstagnachmittag sei dann mit einem Urteil zu rechnen. Laut Cutka soll außerdem am Mittwoch die Öffentlichkeit zu dem Verfahren wieder zugelassen werden. Dann stehe das psychiatrische Gutachten zu dem 73-Jährigen an, danach würden technische Gutachten verlesen.

F. versteckt Gesicht wieder hinter Aktenordner

Der Angeklagte selbst war am Dienstag wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn aus dem benachbarten Untersuchungsgefängnis in den Schwurgerichtssaal gebracht worden, wo sich das gleiche Schauspiel wie am Vortag abspielte: Josef F. - wieder ohne Handschellen - hielt einen geöffneten Aktenordner eng vor sein Gesicht und blieb nahezu bewegungslos im Saal stehen, während ein Fotograf und zwei TV-Kameraleute versuchten, sein Gesicht abzulichten.

"Er hat sich einfach geniert. Darum hat er nichts gesagt", erläuterte sein Anwalt Rudolf Mayer, der noch am Morgen mit seinem Mandaten gesprochen hatte.

Dass der Prozess und die drohende Verurteilung nicht spurlos an dem Inzesttäter von Amstetten vorübergehen, bestätigte am Dienstag ein Sprecher der Justizvollzugsanstalt St. Pölten, in der der 73-Jährige seit Anfang Mai 2008 auf seinen Prozess gewartet hat.

Dem Angeklagten ist ein Psychiater zur Seite gestellt. "Er begleitet Josef F. während des gesamten Prozesses und steht ihm als Ansprechpartner auch in den Verhandlungspausen zur Verfügung", sagte der stellvertretende Gefängnisleiter Erich Huber-Günsthofer. Josef F. habe bereits am Montag nach dem ersten Verhandlungstag ein Gespräch mit dem Psychiater geführt. Zu der Betreuung des Angeklagten zählt auch die psychiatrische Begleitung während der Urteilsberatung der Geschworenen und nach der Urteilsverkündung. Außerdem habe man Vorkehrungen gegen einen möglichen Suizidversuch getroffen, sagte Huber-Günsthofer.

Bei einem Schuldspruch wegen Mordes droht F., den das psychiatrische Gutachten für zurechnungsfähig und "erheblich abartig" befand, eine lebenslange Haftstrafe. Verurteilungen wegen Sklaverei und Vergewaltigung hätten jeweils langjährige Freiheitsstrafen zur Folge. Außerdem hat die Anklage Sicherungsverwahrung in einer geschlossenen Anstalt beantragt.

Josef Leitner, ein früherer Mieter F.s in dem Haus in Amstetten, erklärte, er sei immer noch erschüttert über die Vorgänge im Keller. "Ich hoffe, er bekommt die Strafe, die er verdient", sagte er der Fernsehnachrichtenagentur APTN.

jjc/dpa/AP/AFP

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