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09.04.2009
 

Entführter US-Kapitän

FBI verhandelt mit somalischen Piraten

Jetzt ist es ein Fall für die amerikanische Bundespolizei: Nach der Geiselnahme eines Kapitäns durch somalische Seeräuber haben die US-Behörden Verhandlungsspezialisten des FBI in die Krisenzone geschickt. Sie sollen den 53-jährigen Richard Philipps befreien.

Nairobi - Die Piraten waren von der Besatzung des vor Somalia angegriffenen US-Frachters "Maersk Alabama" vertrieben worden und hatten bei ihrer Flucht den Kapitän Richard Phillips, 53, als Geisel genommen. Ein Sprecher der dänischen Reederei Maersk sagte am Donnerstag, der Offizier sei unversehrt. Während ein US-Kriegsschiff das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtete, wurden nun Unterhändler der Bundespolizei FBI zu den Gesprächen mit den Piraten hinzugezogen.

"Die jüngsten Kontakte mit der 'Alabama' lassen darauf schließen, dass der Kapitän weiter festgehalten wird, aber unversehrt ist", sagte der Maersk-Sprecher Kevin Speers. Der Kapitän befand sich auf einem Rettungsboot, die Besatzung hatte nach eigenen Angaben Funkkontakt zu ihm. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Donnerstag, das Rettungsboot habe keinen Treibstoff mehr.

Unterdessen gab der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Mittleren und Nahen Osten, General David Petraeus, bekannt, dass die USA ihre militärische Präsenz am Horn von Afrika innerhalb der nächsten 48 Stunden ausbauen und mehr Schiffe schicken werden.

Der unter US-Flagge fahrende 17.500-Tonnen-Frachter "Maersk Alabama" war am Mittwochmorgen von Piraten überfallen worden. Die unbewaffnete 20-köpfige Besatzung konnte die Angreifer nach einigen Stunden in die Flucht schlagen, wie der Zweite Offizier Ken Quinn in der Nacht zum Donnerstag dem Sender CNN berichtete.

Der Erste Offizier Shane Murphy sagte laut einem Bericht des Senders ABC seinem Vater, die Mannschaft habe die mit AK-47-Sturmgewehren bewaffneten Piraten mit "roher Gewalt" überwältigt. Dem Vater zufolge befand sich der Frachter unter Bewachung auf dem Weg nach Mombasa. Laut Quinn verlangten die Seeräuber ein Lösegeld.

Zerstörer "USS Bainbridge" entsandt

Ein Sprecher des FBI teilte in Washington mit, die US-Bundespolizei sei von der Marine gebeten worden, sich in die Verhandlungen mit den Piraten einzuschalten. Die Marine hatte in der Nacht den Zerstörer "USS Bainbridge" in das Gebiet rund 500 Kilometer südöstlich der somalischen Hafenstadt Eyl geschickt. Unklar war, ob das Kriegsschiff einen Einsatz zur Befreiung des Kapitäns plante. Der Anführer einer in Eyl ansässigen Piratengruppe, Abdi Garad, sagte, möglicherweise würden Piraten zur Verstärkung ihrer von dem US-Kriegsschiff überwachten Kollegen entsandt.

Die Entführung des Frachters war der sechste Piratenangriff vor Somalia binnen fünf Tagen. Unter anderem haben Seeräuber seit Samstag den Hamburger Frachter "Hansa Stavanger" in ihrer Gewalt. Nach SPIEGEL-Informationen plante der Krisenstab des Auswärtigen Amtes eine gewaltsame Befreiung des unter anderem mit fünf Deutschen besetzten Schiffes. Die Piraten brachten den Frachter jedoch zu ihrem Stützpunkt, bevor es zu einem Einsatz kommen konnte.

"Enge Seeblockade"

Die wegen eines Angriffs auf das deutsche Versorgungsschiff "Spessart" an Kenia überstellten sieben mutmaßlichen Piraten sollten am Donnerstag einem Gericht in Mombasa vorgeführt werden. Die örtliche Polizei wollte dort die von der deutschen Marine erhaltenen Beweise vorlegen, um eine Anklage wegen Piraterie zu erwirken.

Der Piraten-Experte Michael Stehr vom Deutschen Marine Institut in Bonn sieht in der Verlagerung der Piratenüberfälle hinaus in den Golf von Aden als einen Erfolg der Patrouillen internationaler Kriegsschiffe. "Nun müsste man dieses Modell übertragen auf die Hauptschifffahrtslinie Asien-Kapstadt, die zugleich auch die Regionalschifffahrtslinie Ostafrika ist", sagte er dem Rundfunksender MDR. Als Alternative biete sich eine "ganz enge Seeblockade der somalischen Piratennester" an.

Die somalische Küste ist berüchtigt. Der von Bürgerkrieg und Chaos gezeichnete Krisenstaat am Horn von Afrika hat weder eine eigene Küstenwache noch eine stabile Regierung. Die Piraten wiederum haben angesichts der im vergangenen Jahr erzielten Lösegelder in Millionenhöhe in ihrer Heimat einen hohen Status und sind bestens mit Schnellbooten, automatischen Waffen und Satellitenortungsgeräten ausgestattet.

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jdl/AFP/AP/dpa

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