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11.04.2009
 

Entführter Kapitän

Piraten vereiteln Befreiungsaktion der US-Marine

US-Soldaten haben laut CNN versucht, das Boot mit dem entführten Kapitän Richard Phillips zu erreichen - und wurden durch Schüsse der Piraten zur Umkehr gezwungen. Reedereichef John Reinhart warnte vor Fehlern bei der Befreiung der Geisel: "Die Ausführung muss perfekt sein."

Washington - Der Vorfall soll sich nach Informationen des Fernsehsenders CNN bereits am frühen Samstagmorgen ereignet haben: Dem Bericht zufolge versuchte ein kleines Team von Matrosen vom Kriegsschiff "USS Bainbridge" das Rettungsboot der Piraten mit der Geisel Richard Phillips zu erreichen. Die Seeräuber eröffneten jedoch das Feuer und trieben die Amerikaner in die Flucht. Die Einheit kehrte zur "USS Bainbridge" zurück, die Schüsse wurden nicht erwidert.

Phillips wird seit Mittwoch von vier Piraten in einem Rettungsboot gefangen gehalten. Sein Schiff, die "Maersk Alabama", ist inzwischen in den Hafen von Mombasa in Kenia zurückgekehrt. Dort soll der Frachter von Spezialisten der US-Bundespolizei FBI untersucht werden. Das Schiff sei in ein Verbrechen hineingezogen worden, so dass eine Spurensicherung notwendig sei, teilte die Reederei Mærsk Shipping Line mit. Aus diesem Grund darf die 19-köpfige Besatzung bislang nicht von Bord gehen.

Reedereichef John Reinhart machte jedoch deutlich, dass sich derzeit alle Anstrengungen auf die Befreiung von Phillips konzentrierten. "Unsere erste und höchste Priorität ist es, den Kapitän nach Hause zu bringen", sagte Reinhart. Dabei dürften keine Fehler passieren. "Die Ausführung muss perfekt sein", sagte der Reedereichef.

Die Geiselnehmer hatten die beiden US-Kriegsschiffe - die "USS Bainbridge" und die Fregatte "USS Halyburton" - zuvor gewarnt, dass ein gewaltsamer Befreiungsversuch katastrophale Folgen haben werde. Ein drittes Kriegsschiff, die "USS Boxer" mit medizinischer Einrichtung an Bord, wurde ebenfalls in der Region südlich des Horns von Afrika erwartet.

In der Nacht zu Freitag war Phillips bereits mit einem dramatischen Fluchtversuch gescheitert: Er sprang ins Meer und versuchte, schwimmend die "USS Bainbridge" zu erreichen. Seine Entführer fingen ihn jedoch wieder ein und zerrten ihn an Bord.

Phillips, der sich beim Überfall auf seinen Frachter offenbar selbst als Geisel anbot, wird in den USA mittlerweile als Held gefeiert.Er treibt mit vier Piraten in einem kleinen Rettungsboot über den Indischen Ozean - der Willkür seiner Bewacher vollständig ausgeliefert. US-Kriegsschiffe patrouillieren in der Region, das FBI ist eingeschaltet und somalische Stammesführer wollen zwischen den Parteien vermitteln. Die unter US-Flagge fahrende "Maersk Alabama" war am Mittwoch vor der Küste Somalias von Piraten angegriffen worden. Der Mannschaft gelang es, die Kontrolle über das Schiff zurückzugewinnen. Die Piraten flohen mit einem Rettungsboot, Phillips wurde als einziges Besatzungsmitglied entführt.

John White, ein Mitglied der Crew, sagte dem Fernsehsender CBS, Phillips habe sich bei dem Piratenüberfall als einziger nicht versteckt. "Mit anderen Worten: Er hat sich den Piraten ergeben, um den Rest der Mannschaft zu schützen."

Deutscher Frachter in Piratenhand

Doch Phillips ist nicht das einzige Opfer der Seeräuber: Die Piraten haben seit Tagen auch den deutschen Frachter "Hansa Stavanger" und dessen 24 Besatzungsmitglieder in ihrer Gewalt. Die Bundesregierung hatte nach Informationen des SPIEGEL vor, das Schiff von der Spezialeinheit GSG 9 stürmen zu lassen. Die Aktion wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Die Piraten konnten sich und ihre Beute zu schnell in Sicherheit bringen.

Im Golf von Aden haben französische Truppen am Freitag das gekaperte Segelschiff "Tanit" gestürmt. Bei der Aktion sollen zwei Piraten und eine Geisel ums Leben gekommen sein. Die vier weiteren Passagiere seien befreit worden, hieß es nach Angaben aus dem französischen Präsidialamt.

Die Besatzung eines unter panamaischer Flagge fahrenden Massengutfrachters hat am Samstag im Golf von Aden einen Angriff somalischer Piraten abgewehrt. Nato-Vertreter an Bord des portugiesischen Kriegsschiffs "Corte-Real" berichteten, die Seeleute hätten die Angreifer mit Hilfe von Wasserschläuchen vertrieben.

Weniger Glück hatte ein unter italienischer Flagge fahrender US-Schlepper. Die in Kenia ansässige Seemannsorganisation East African Seafarers' Assistance Group teilte mit, dass 16 Besatzungsmitglieder in die Gewalt von Piraten gerieten seien.

Die Eigentümer eines norwegischen Tankers vermeldeten die Freilassung des entführten Schiffes. Ein Sprecher des Unternehmens Salhus Shipping AS bestätigte Berichte, dass die "MT Bow Asir" freigelassen wurde. Ein Piratensprecher erklärte, für Schiff und die 27-köpfige Besatzung seien 2,4 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt worden.

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hut/dpa/AP/Reuters/AFP

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