Mittwoch, 10. Februar 2010

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12.04.2009
 

Entführter Kapitän

Somalische Geiselnehmer narren US-Marine

Nervenkrieg vor der Küste Somalias: Obwohl die US-Marine Hubschrauber und drei Kriegsschiffe einsetzt, konnte sie die vier Piraten bisher nicht bewegen, ihre Geisel freizugeben - den Kapitän Richard Phillips. Die Amerikaner fürchten, dass er bald an Land gebracht und verschleppt wird.

Washington/Nairobi - Der von somalischen Piraten verschleppte US-Kapitän ist allem Anschein nach am Leben. Amerikanische Marinesoldaten hätten den 53-Jährigen am Sonntag gesichtet, teilte die Reederei mit. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekanntgegeben. Das Rettungsboot, auf dem vier somalische Seeräuber den Kapitän seit Mittwoch gefangen halten, trieb auf die somalische Küste zu.

US-Marinesoldaten vor der Küste Somalias (Archivbild): Gelingt Stammesältesten aus Somalia ein Vermittlungserfolg?
REUTERS

US-Marinesoldaten vor der Küste Somalias (Archivbild): Gelingt Stammesältesten aus Somalia ein Vermittlungserfolg?

Die amerikanischen Kriegsschiffe - darunter auch der Zerstörer "USS Bainbridge" - hielten Tuchfühlung zum dem hilflos im Meer treibenden Rettungsboot. Wie US-Militärvertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagten, hat das kleine Boot keinen Treibstoff mehr. Möglicherweise hofften die Entführer darauf, die Küste zu erreichen, um dann zu Fuß mit ihrer Geisel fliehen zu können. Sollte Phillips an Land verschleppt werden, sinken die Chancen auf eine schnelle Lösung, denn im unzugänglichen Hinterland der Region mit vielen Bergdörfern und Höhlen gibt es zahllose Schlupfwinkel.

Die Seeräuber fordern zwei Millionen Dollar Lösegeld für Kapitän Richard Phillips und ihre eigene Sicherheit. Am Samstag warnten sie zwei zur Hilfe geeilte US-Kriegsschiffe, ein gewaltsamer Befreiungsversuch werde katastrophale Folgen haben.

Der 53-jährige Philipps ist eine von rund 270 Geiseln, die sich derzeit in den Händen von Piraten befinden. Erst am Samstag brachten sie einen unter italienischer Flagge fahrenden Schlepper mit 16 Besatzungsmitgliedern in ihre Gewalt.

In Somalia überflogen offenbar zwei Hubschrauber etwa eine halbe Stunde lang die Piraten-Stadt Haradheere. Augenzeugen zufolge befanden sich in mindestens einem von ihnen Soldaten. Ihre Nationalität und ihr Auftrag blieben zunächst unklar. Einwohner Haradheeres gingen aber davon aus, dass die beiden Hubschrauber von amerikanischen oder anderen ausländischen Kriegsschiffen gestartet waren. "Wir dachten, es gibt heute Morgen einen Luftangriff. Die Stadt ist voller Piraten", sagte der Augenzeuge Ahmed Haji Abdi. Anwohner flohen in Panik. Fischer seien aus Angst nicht auf Fang gefahren.

In der Umgebung von Haradhere soll sich auch der Anfang April gekaperte Frachter "Hansa Stavanger" mit fünf deutschen Seeleuten an Bord befinden. "Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich weiterhin intensiv um eine Lösung des Falles", sagte die zuständige Sprecherin in Berlin dazu am Sonntag.

Das Containerschiff von Kapitän Phillips, die am Mittwoch rund 500 Kilometer vor der Küste Somalias gekaperte "Maersk Alabama", war am Samstag sicher in den kenianischen Hafen Mombasa eingelaufen. Seine 20 amerikanischen Besatzungsmitglieder hatten sich zuvor gegen die Angreifer gewehrt und konnten den Frachter wieder unter ihre Kontrolle bringen. Nur ihren Kapitän mussten sie gehen lassen.

Stammesälteste nahmen erneut Verhandlungen über die Freilassung des Amerikaners auf. Der britische Sender BBC berichtete, die Clanvertreter seien in Booten zum Rettungsschiff aufgebrochen.

Stammesälteste, die in der somalischen Gesellschaft hohes Ansehen genießen, hatten bereits zuvor erfolgreich zwischen Piraten und Reedern vermittelt. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hatte eine Gruppe von Stammesältesten zuvor Gespräche zur Freilassung von Phillips abgebrochen, da US-Unterhändler auf der Festnahme der Seeräuber beharrten. Wenige Stunden zuvor hatte sich kurz nach Sonnenaufgang ein kleines Boot der US-Marine den Piraten und ihrer Geisel genähert. Die Seeräuber feuerten dem Bericht zufolge Warnschüsse. Daraufhin seien die Soldaten zur "USS Bainbridge" zurückgekehrt, ohne das Feuer zu erwidern.

Während in US-Medien zuerst von einer versuchten Befreiungsaktion die Rede war, hieß es später, der Trupp habe eine Kontaktaufnahme mit den Entführern geplant oder sei auf einer Aufklärungsmission gewesen. In die Verhandlungen ist auch die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet.

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itz/Reuters/dpa

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