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14.04.2009
 

Nach US-Befreiungsaktion

Piraten kapern weiteren Frachter

Mit List und Gewalt hat die US-Marine einen entführten Kapitän aus der Hand von Piraten befreit - andere Seeräuber beeindruckt das wenig: Sie haben einen weiteren Frachter entführt. Es soll sich um die "MV Irene E. M." handeln.

Nairobi/Mogadischu - Sie kamen vor Sonnenuntergang, auf schnellen, wendigen Booten, bewaffnet mit Schnellfeuergewehren. Nach Angaben des Ostafrikanischen Seefahrerhilfsprogrammes haben Seeräuber vor der Küste Somalias einen weiteren Frachter gekapert. Demnach handelt es ich um die unter der Flagge des Karibikstaates St. Vincent fahrende "MV Irene E.M." Der Frachter soll einer griechischen Reederei gehören. Bislang sind keine Forderungen bekannt geworden. Alle 22 Besatzungsmitglieder seien wohlauf, hieß es.

Die jüngsten Überfälle gingen auf das Konto einer Piratengruppe aus dem Osten Somalias. Diese zieht für ihre Raubzüge von den kleinen Hafenstädten Hobyo und Harardere los, um weit auf dem Indischen Ozean ihre Wurfhaken auszuwerfen und binnen Minuten Schiffe zu entern.

Dort hatten Piraten am Mittwoch auch den US-Frachter "Maersk Alabama" angegriffen und Kapitän Richard Phillips in ihre Gewalt gebracht. In diesem Fall waren Schiffe der US-Marine sofort zur Stelle. Scharfschützen der US-Marine erschossen am Sonntag drei der vier Geiselnehmer und befreiten den Kapitän unversehrt.

Nach somalischer Darstellung hat die US-Marine dabei zur Überwältigung der Piraten "einen Trick angewandt". Der somalische Vizekonsul in der jemenitischen Hafenstadt Aden, Hussain Haji Mahmud, sagte am Montag, die Amerikaner hätten zunächst einen der vier Piraten vom Rettungsboot auf das US-Kriegsschiff gelockt, um mit ihm über die Übergabe eines Lösegeldes zu verhandeln.

Dann hätten sie gefordert, mit Kapitän Phillips telefonieren zu dürfen, um sicherzustellen, dass dieser noch lebt. Dem Kapitän hätten sie am Telefon nur zugerufen, dass er sich in Sicherheit bringen solle, da der Angriff beginne. Als der Kapitän daraufhin ins Wasser sprang, eröffneten die Scharfschützen das Feuer auf die restlichen drei Piraten auf dem Rettungsboot.

Unterdessen befindet sich noch immer mehr als ein Dutzend Schiffe mit mehr als 220 Menschen in Piratenhand. Das Schicksal der fünf Deutschen, die vor Somalia von Piraten auf dem Frachter "Hansa Stavanger" festgehalten werden, bleibt weiterhin ungewiss. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich nach wie vor intensiv um eine Lösung des Falles, sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Details nannte sie nicht.

Die Deutschen werden zusammen mit 19 anderen Seeleuten auf dem Containerschiff festgehalten. Bei den Deutschen handelt es sich um den Kapitän und vier leitende Schiffsoffiziere. Das Containerschiff war am 4. April von Piraten gekapert worden. Nach SPIEGEL-Informationen sollte ein GSG-9-Kommando zu Beginn der Entführung der "Hansa Stavanger" das Schiff stürmen - doch die Befreiungsaktion platzte.

Mörsergranaten-Angriff auf Flugzeug

Auch auf dem somalischen Land kam es am Montag zu einem Zwischenfall. Der amerikanische Kongressabgeordnete Donald Payne entkam in der Hauptstadt Mogadischu offenbar nur knapp einem Granatenanschlag. Der britische Rundfunksender BBC berichtete unter Berufung auf einen Flughafensprecher in Mogadischu, eine Mörsergranate habe den Flughafen getroffen, als Paynes Flugzeug starten sollte. Kurz nach dem Abflug der Maschine seien noch fünf weitere Granaten eingeschlagen.

Payne war kurz zuvor im nahe gelegenen Präsidentenpalast mit Vertretern der somalischen Regierung zusammengetroffen, um über Hilfen der internationalen Gemeinschaft für das von Gewalt und Bürgerkrieg zerrissene Land zu diskutieren. Thema der Gespräche war auch der Kampf gegen Piraterie.

Die Regierung von Präsident Scheich Scharif Scheich Ahmad und Ministerpräsident Omar Abdirashid Ali Sharmarke soll sich um einen Friedensprozess in dem Krisenstaat am Horn von Afrika bemühen, der seit 1991 keine funktionierende Regierung hat. Mehrere islamistische Gruppen haben aber angekündigt, den Kampf fortsetzen zu wollen.

Sie werfen Scheich Scharif, einem gemäßigten Islamistenführer, Verrat an den Westen vor. Zu den Hardlinern gehört insbesondere die Schabab-Miliz, die enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida haben soll.

Die USA haben wiederholt den Verdacht geäußert, dass Somalia ein Schlupfwinkel für Terroristen sein könnte, zumal Qaida-Chef Osama Bin Laden seine Unterstützung für die dortigen Extremisten bekundet hat. Bin Laden lebte zeitweise selbst im Nachbarland Sudan.

Als die Schiffsüberfälle im vergangenen Jahr einen neuen Höhepunkt erreichten, bemühten sich die USA verstärkt, die Geldströme zu verfolgen, um herauszufinden, ob Extremisten oder gar al-Qaida ihre Gewalt durch Piraterie finanzieren. Direkte Beziehungen von Terrorgruppen und den Piraten vor Somalia konnten die Ermittler bislang aber nicht nachweisen.

US-Präsident Obama hat den Piraten am Horn von Afrika den Kampf angesagt. "Ich will es ganz klar sagen, dass wir entschlossen sind, der Zunahme der Piraterie in dieser Region Einhalt zu gebieten", sagte er nach der Befreiung von US-Kapitän Richard Phillips.

Obama signalisierte, dass die USA auf weitere Zusammenstöße vorbereitet sein müssten. Außerdem müsse gewährleistet werden, dass die Piraten zur Verantwortung gezogen werden.

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jdl/Reuters/AP/AFP/dpa

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