Hamburg - Alarm im Golf von Aden: Piraten haben in dem Seegebiet vor der Küste Somalias zwei weitere Handelsschiffe angegriffen. Die Seeräuber kaperten den libanesischen Frachter "MV Sea Horse". Nato-Sprecherin Shona Lowe zufolge attackierten die Entführer das Schiff von drei oder vier Schnellbooten aus. Angaben zur Besatzung der "Sea Horse" liegen bislang nicht vor.
Außerdem griffen die Piraten den Frachter "Safmarine Asia" an, der unter liberianischer Flagge fährt. Nato-Stabsoffizier Stephan Gresmak zufolge eröffneten zehn Piraten von drei Schnellbooten aus mit Gewehren und Granaten das Feuer auf den 21.000-Tonnen-Frachter. Angaben zu Verletzten gab es nicht.
Bereits in der Nacht zum Dienstag hatten Piraten den Frachter "MV Irene" im Golf von Aden angegriffen. Die von den Philippinen stammende 22-köpfige Besatzung blieb bei dem Überfall offenbar unverletzt. Das 35.000-Tonnen-Schiff ist für eine griechische Reederei unterwegs und fährt unter der Flagge des karibischen Inselstaats St. Vincent, wie das Internationale Maritime Büro in London mitteilte.
Seeräuber sollen zudem die Besatzung zweier ägyptischer Fischerboote in ihre Gewalt gebracht haben. Wann genau der Überfall auf die 36 Männer stattgefunden hat, ist unklar.
"Wir sind entschlossen, der Piraterie Einhalt zu gebieten"
Die jüngsten Überfälle gingen offenbar auf das Konto einer Piratengruppe aus dem Osten Somalias. Diese zieht für ihre Raubzüge von den kleinen Hafenstädten Hobyo und Harardere los, um weit auf dem Indischen Ozean ihre Wurfhaken auszuwerfen und binnen Minuten Schiffe zu entern.
In dem Seegebiet hatten Piraten am Mittwoch auch den US-Frachter "Maersk Alabama" angegriffen und Kapitän Richard Phillips in ihre Gewalt gebracht. In diesem Fall waren Schiffe der US-Marine sofort zur Stelle. Scharfschützen der US-Marine erschossen am Sonntag drei der vier Geiselnehmer und befreiten den Kapitän unversehrt. Nach der Befreiungsaktion schworen die Seeräuber Rache.
Doch die Rettungsaktion kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Piratenproblem am Horn von Afrika nach wie vor ebenso wenig gelöst ist wie die Frage eventueller Hintermänner. Als die Schiffsüberfälle im vergangenen Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht hatten, bemühten sich die USA verstärkt darum, die Geldströme zu verfolgen, um herauszufinden, ob Extremisten oder gar al-Qaida ihre Gewalt durch Piraterie finanzieren. Direkte Beziehungen zwischen Terrorgruppen und somalischen Piraten konnten die Ermittler bislang aber nicht nachweisen.
US-Präsident Obama hat den Piraten am Horn von Afrika mittlerweile den Kampf angesagt. "Ich will es ganz klar sagen, dass wir entschlossen sind, der Zunahme der Piraterie in dieser Region Einhalt zu gebieten", sagte er nach der Befreiung von US-Kapitän Richard Phillips.
Obama signalisierte, dass die USA auf weitere Zusammenstöße vorbereitet sein müssten. Außerdem müsse gewährleistet werden, dass die Piraten zur Verantwortung gezogen werden.
Situation der deutschen Geiseln
Auch die fünf deutschen Seeleute an Bord des gekaperten Frachters "Hansa Stavanger" befinden sich nach wie vor in der Hand von Piraten. Das Bundesverteidigungsministerium rechnet zwar nicht damit, dass sich die Seeräuber für die spektakuläre Befreiung des US-Kapitäns durch amerikanische Militärs an ihren deutschen Geiseln rächen. Die Lage habe sich aber durch die Aktion, bei der drei Piraten getötet wurden, verschärft, sagte der Parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) am Dienstag im Deutschlandfunk.
Er mahnte, der Kampf gegen die Piraten vor der somalischen Küste könne nur gewonnen werden, wenn sich die internationale Gemeinschaft auch um eine Entspannung der politischen Lage in Somalia bemühe. Es müssten Vermittlungsgespräche zwischen den Bürgerkriegsparteien unterstützt, Verwaltung, Rechts- und Sicherheitsstrukturen wieder aufgebaut und den Menschen vor Augen geführt werden, "dass der Weg ohne Gewalt in ihrem eigenen Land erfolgreicher sein kann als das seit 15 Jahren währende gegenseitige Hin- und Hermorden".
Dennoch nannte Kossendey auch die von US-Präsident Obama angeordnete Gewalt gegen die Piraten einen richtigen Weg. Auch das Mandat der deutschen Marine für die EU-Operation "Atalanta" beinhalte ausdrücklich Gewaltanwendung.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich weiter um die Freilassung der am 4. April vor der somalischen Küste von Piraten gekaperten "Hansa Stavanger" mit fünf Deutschen und 19 anderen Seeleuten an Bord. Einzelheiten wollte eine Sprecherin nicht nennen. Auch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bei Potsdam äußerte sich nicht. Es verwies lediglich darauf, dass die deutsche Marine derzeit mit vier Kriegsschiffen - drei Fregatten und einem Versorgungsschiff - am Horn von Afrika im Einsatz ist.
Kossendey zufolge hält die deutsche Seite sowohl zu den Piraten als auch zu den deutschen Geiseln Kontakt. Ferner gebe es Gespräche mit Stammesführern über ein Ende der Geiselnahme. Eine direkte Gefahr für die deutschen Geiseln nach der Befreiungsaktion für den US-Kapitän Richard Phillips vom Sonntag sah er nicht.
han/Reuters/AP/AFP/dpa
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