Rom - Ina Caterina R. und ihr Lebensgefährte Sascha S. waren am Sonntag gegen 20.30 Uhr in die Pizzeria "Il Capanno" von Carmelo Casella in der norditalienischen Stadt Aosta gekommen. Gemeinsam mit ihren drei kleinen Kindern im Alter von acht Monaten, zwei und vier Jahren hatten sie dort gegessen - bevor sie spurlos verschwanden.
R. und S. verließen das Restaurant - angeblich um eine Zigarette zu rauchen. Nachdem die 26 Jahre alte Frau und der 24 Jahre alte Mann nach rund zehn Minuten noch nicht zurückgekehrt waren, suchten Kellner nach den beiden. Vergeblich. Von R. und S., beide recht groß, beide sportlich gekleidet, fehlte jede Spur.
"Sie haben gedacht, ihre Mutter habe sich verlaufen"
Die Kinder saßen währenddessen am Tisch, aßen nach Angaben des Personals weiter und machten einen fröhlichen Eindruck. "Die Kinder haben nicht verstanden, was passiert ist", sagte Restaurantchef Casella dem italienischen Fernsehsender RAI. "Sie haben gedacht, ihre Mutter sei zur Toilette gegangen und habe sich dann auf dem Weg zurück verlaufen."
Nach einiger Zeit alarmierten die Bediensteten die Polizei, die die Fahndung nach der aus Deutschland stammenden Mutter der Kinder und ihrem Lebensgefährten einleitete. Sascha S. soll nicht der leibliche Vater sein.
Die Kinder wurden noch am Sonntagabend in ein Krankenhaus der Stadt gebracht, untersucht und dann in die Obhut eines Sozialdienstes übergeben. Die Kleinen machten einen ärmlichen Eindruck, Anzeichen von Verwahrlosung seien festgestellt worden, sagte der Polizeichef von Aosta, Lorenzo Mediano. Alle drei seien aber in guter gesundheitlicher Verfassung.
Erst einen Tag zuvor war die Familie in der Stadt in den italienischen Alpen angekommen - angeblich hatten sie dort gestoppt, weil ihnen der Sprit ausgegangen war. Ohne Gepäck hatten sie sich im Hotel "Joly" einquartiert, in dem sie ursprünglich bis Montag bleiben wollten. Laut dem Besitzer Ezio Gevroz hatte das Paar zwei Zimmer gemietet.
Geldprobleme und grausige Zeichnungen
Der Besitzer sagte, das Paar habe zunächst "einen völlig normalen Eindruck" gemacht, allerdings sei Ina Caterina R. "aufgekratzt" und "verängstigt", gar "in Panik" gewesen. Im Nachhinein sei ihm aufgefallen, dass die vorgelegte Kreditkarte nicht gedeckt gewesen sei.
Warum das junge Paar verschwand, ist noch völlig unklar. Polizisten haben den Kleinwagen des Paares in einem Randbezirk von Aosta entdeckt, berichtet der Fernsehsender RAI. Anderen Medien zufolge ließen die beiden den Ford Fiesta jedoch vor dem Restaurant stehen.
Die Zeitung "Corriere della Serra" schreibt, das vierjährige Kind habe den Ermittlern erzählt, was vor dem Verschwinden der Eltern passiert sei.
"Dokumente, die wir in dem Auto gefunden haben, lassen uns vermuten, dass die beiden in Schwierigkeiten steckten", sagte Polizeichef Mediano. Unter anderem soll das Paar Geldsorgen haben, außerdem werden Drogenprobleme vermutet. In der Handtasche von Ina Caterina R. sollen die Ermittler grausige Zeichnungen gefunden haben, die auf einen möglichen Suizid schließen lassen, berichten italienische Zeitungen.
Die Familie soll aus dem Sauerland stammen. Über Interpol wurde inzwischen die Großmutter ausfindig gemacht. Die Staatsanwaltschaft am Jugendgericht in Turin muss nun entscheiden, ob der Frau die Kinder übergeben werden können, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa.
han/dpa/AP/AFP
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