Hamburg - Eineinhalb Jahre hatte es gedauert, dann wurde er gefasst: Am 12. März wurde Giovanni Strangio von Spezialkräften der Polizei in einer Amsterdamer Wohnung überwältigt. Er steht unter dem dringenden Verdacht, im August 2007 vor einem Duisburger Restaurant sechs Menschen erschossen zu haben. Zugleich wurde in Amsterdam auch Francesco Romeo gefasst, der Strangios Schwager ist und als sein Helfer gilt. Im November 2008 war bereits Giuseppe Nirta, der als zweiter mutmaßlicher Schütze und Clan-Chef gilt, in Amsterdam verhaftet und nach Italien ausgeliefert worden.
Obwohl der Sechsfachmord in Duisburg stattfand, werden die mutmaßlichen Täter wohl nicht in Deutschland vor Gericht stehen. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat nach SPIEGEL-Informationen in der vergangenen Woche auf die Auslieferung von Giovanni Strangio aus den Niederlanden verzichtet.
Denn noch immer fehlen den deutschen Ermittlern wichtige Beweismittel: Sowohl Italien als auch die Niederlande haben mehrere Rechtshilfeersuchen aus Deutschland ignoriert, den Behörden Speichelproben der Verdächtigen zu übermitteln. Ein Fahnder bezeichnete die Aufklärung der Morde als "Tiefpunkt bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität in Europa".
Im August 2007 waren in Duisburg sechs Menschen auf offener Straße erschossen worden: der Wirt des Restaurants "Da Bruno", sein Lehrling und vier weitere junge Männer im Alter von 16 bis 25 Jahren. In Duisburg ermittelte anschließend eine bis zu 120 Mann starke Mordkommission.
Die Fahnder gingen schnell von einer Fehde rivalisierender Clans der süditalienischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta aus. Sie sahen einen Machtkampf und und sahen Blutrache als Motiv: Eines der Opfer von Duisburg soll Ende 2006 in Kalabrien eine Verwandte von Giovanni Strangio erschossen haben. Monate später kam es in Duisburg zum Sechsfachmord. Nach den tödlichen Schüssen konnten die Täter flüchten. Die Spuren führten die Polizei schließlich nach Amsterdam, wo zunächst Giuseppe Nirta gefasst wurde. Im März folgte dann die Verhaftung von Giovanni Strangio und Francesco Romeo.
Erst sprach die Duisburger Polizei von einem gemeinsamen Ermittlungserfolg niederländischer, italienischer und deutscher Behörden. Nun allerdings klagen die Ermittler über mangelnde Kooperationsbereitschaft der internationalen Kollegen. Auch die italienische Justiz hatte angekündigt, sich um die Überstellung der mutmaßlichen Mafia-Killer zu bemühen.
jol
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