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07.05.2009
 

Golf von Aden

Piraten entführen niederländischen Frachter

Kein Tag ohne Kaperung: Im Golf von Aden haben Piraten einen Frachter aus den Niederlanden entführt. Mittlerweile liegen vor den somalischen Seeräubernestern 20 Handelsschiffe - die Lösegeldverhandlungen werden Monate dauern.

Berlin - Somalische Piraten haben erneut ein internationales Handelsschiff im Golf von Aden in ihre Gewalt gebracht. Die U.S. Navy, die in der Region mit mehreren Schiffen gegen Piraten vorgeht, bestätigte die neue Entführung. Demnach wurde die "MS Marathon" gegen 10.45 Uhr Ortszeit von Piraten angegriffen und gekapert. Der kleine Frachter gehört den US-Angaben zufolge einer niederländischen Reederei und fährt unter der Flagge der Antillen, einer ehemaligen niederländischen Kolonie.

"An Bord sind unseren Informationen nach 19 Crewmitglieder", sagte Marinesprecher Nathan Christensen SPIEGEL ONLINE per Telefon aus Bahrain, wo die US Navy ihren Stützpunkt unterhält. Die Nationalität der Geiseln wollte er nicht mitteilen. Ein westlicher Diplomat in Kenia bestätigte ebenfalls, dass er Hinweise auf die Verschleppung des Frachters erhalten habe.

Bei dem Schiff einer niederländischen Reederei handelt es sich um ein recht langsames Transportschiff mit einer Länge von knapp 80 Metern, das wegen seiner geringen Motorleistung und einer niedrigen Bordwand für die Piraten eine leichte Beute war. Die Umstände der neuen Entführung sind noch nicht ganz klar, den Ort konnte die U.S. Navy nicht genau angeben. Die Frage, ob die "Marathon" in einem beschützten Konvoi fuhr oder angemeldet war, blieb ebenfalls offen.

Mit der neuen Entführung haben somalische Piraten nunmehr mindestens 20 Handelsschiffe in ihrer Gewalt. Erst am Mittwoch hatten Seeräuber den deutschen Frachter "MS Victoria" dreist aus einem Konvoi von Schiffen heraus entführt. Der Reisfrachter liegt mittlerweile vor einem von den Piraten kontrollierten Hafen von Nordsomalia.

Mit einem emotionalen Appell richtete sich nach der Kaperung die Ehefrau einer der elf rumänischen Crewmitglieder der "Victoria" an die Entführer. Sie gäbe, sagte sie im rumänischen Fernsehen, ihre Seele und ihr Herz, wenn die Kidnapper ihren Mann freiließen. Jeden Tag seit der Entführung betete sie für ihren Mann und die zehn anderen Geiseln.

Außer dem jüngst entführten deutschen Schiff liegen noch zwei weitere deutsche Frachter vor Somalia - die am 4. April entführte "Hansa Stavanger" und die "Patriot". In beiden Fällen laufen Lösegeldverhandlungen mit den Reedereien. Diese können oft Monate dauern.

An Bord der "Hansa Stavanger" befinden sich fünf deutsche Crewmitglieder. Eine geplante Befreiungsaktion deutscher Elitepolizisten von der GSG 9 wurde vergangene Woche wegen zu hoher Risiken nach einer umfangreichen Planung abgesagt. Die Bundesregierung müht sich dieser Tage zu dementieren, dass es bei der Operation zwischen den beteiligten Behörden heftige Streits gegeben hat.

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