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Mysteriöser Prostituierten-Mord Viele Spuren, kein Motiv

2. Teil: Wer hatte einen Grund, Alina G. zu ermorden?

Das Problem ist das Motiv. Wer hatte einen Grund, die zweifache Mutter zu ermorden? "Es ist absolut alles möglich: Eine Zufallsbegegnung oder eine geplante Tat", sagt Soko-Leiter Oliver Hoffmann. Das Verhalten des Täters spreche für einen gezielten Überfall. Es sei ein Mord, der von gängigen Übergriffen auf Prostituierte abwiche: kein Streit um Liebeslohn oder Leistungen, kein Raub.

Sicher ist bislang nur, dass Alina G. ihm wortlos die Tür öffnete. Der Täter, zwischen 20 und 30 Jahre alt, trägt einen auffälligen Pagenschnitt mit Pony. Die Ermittler schließen nicht aus, dass es sich dabei auch um eine Perücke handeln könnte. Die konkreten Angaben über Körper- und Schuhgröße des Mannes ergab ein spezielles Rekonstruktionsverfahren samt wissenschaftlicher Berechnungen der Universität Freiburg.

Mit der Veröffentlichung des Tatvideos wolle man den Fall nochmals ins Bewusstsein der Menschen bringen, sagt Jens Lauer von der Polizei Stuttgart SPIEGEL ONLINE. "Wir hoffen auf zahlreiche sachdienliche Hinweise."

Alina G. glaubte in "gesicherter Atmosphäre" zu arbeiten

Mehr als 150 sogenannte "Prostitutionsobjekte" - vom klassischen Bordell über Saunaclubs bis hin zu Wohnungen - sind in Stuttgart bekannt. Der größte Anteil davon sind sogenannte Modellwohnungen wie im Fall Alina G. "In dieser Art von Wohnungsprostitution arbeiten gewöhnlich zwei Frauen in gesicherter, ruhiger Atmosphäre", sagt Ermittlungsdienst-Chef Hohmann. In sogenannten Terminwohnungen dagegen schaffen mehr als drei Frauen, manchmal sogar 15 an. Diese Art der Prostitution ähnele stark einem Bordell.

In jenen Unterkünften mit ständig wechselnder Belegschaft kontrolliert der Ermittlungsdienst Prostitution regelmäßig den Aufenthaltsstatus der Frauen und ob sie freiwillig in Deutschland sind. In Bezug auf Alina G. erging es den Ermittlern wie in den meisten Fällen: "Wir haben keine Erkenntnisse dafür, dass sie nicht freiwillig anschaffte", sagt Hohmann. Aber die meisten Frauen täten sich schwer, die Beamten hinter ihre Fassaden blicken zu lassen und ihnen Einblick in ihr Seelenleben zu gewähren.

Insgesamt sind in Stuttgart 3280 Prostituierte bekannt, die meisten davon Deutsche. Zwischen 400 und 800 davon gehen täglich ihrer Arbeit nach - ein vergleichsweise überschaubares Rotlichtmilieu, in dem jedoch eine "wahnsinnige Fluktuation" herrsche, so Hohmann. Die Arbeit seiner Dienststelle ist bundesweit einmalig: "Sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr ermitteln 20 Beamte im Schichtdienst in Sachen Prostitution."

Die Wohnung, in der Alina G. bezahlten Sex anbot, werde seit Jahren überwiegend von Frauen aus Ungarn und Rumänien bewohnt. Ihre Schicksale, warum sie in Deutschland vom großen Glück träumten, ähnelten sich oft, so Hohmann.

Ermittler der Soko "Hofer" reisten im Rahmen der Fahndung nach Alinas Mörder auch in deren Heimatdorf in Rumänien. Niemand dort kennt den Mann. Auch nicht ihre Freundinnen vom Straßenstrich. Doch das traurige Ende ihrer einstigen Weggefährtin habe die Frauen dort sehr erschüttert, erzählt einer der Beamten.


"Aktenzeichen XY ... ungelöst": Mi, 20.15 Uhr, ZDF

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