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01.07.2009
 

Posträuber Ronnie Biggs

Der König der Diebe bleibt in Haft

Aus London berichtet Carsten Volkery

Er kann nicht sprechen und nicht gehen, doch die britische Regierung will ihm nicht vergeben: Posträuber Ronnie Biggs, einer der berüchtigsten Verbrecher des 20. Jahrhunderts, muss im Gefängnis bleiben. 35 Jahre lang narrte er die Detektive von Scotland Yard, nun wird er wohl hinter Gittern sterben.

London - Als Campino von den Toten Hosen anklopfte, um einen Song mit ihm aufzunehmen, war Ronnie Biggs längst eine Legende. Man schrieb das Jahr 1991, und der Posträuber aus London lebte in Rio de Janeiro ein scheinbar unbeschwertes Leben. Er ließ sich breit grinsend auf einer Luftmatratze im Swimmingpool ablichten, gab freche Interviews und verkaufte T-Shirts mit der Aufschrift: "Rio - ein wunderbarer Ort zum Entkommen".

Über Jahrzehnte zelebrierte der verurteilte Dieb seine Freiheit und die Ohnmacht von Scotland Yard. Weil er einen Sohn mit einer Brasilianerin hatte, konnte Biggs nicht ausgeliefert werden. Sein Verfolger, Detective Jack Slipper, musste 1974 mit leeren Händen wieder abreisen. Ganz England lachte über das Foto vom leeren Flugzeugsitz neben Slipper. Biggs, der Provokateur der Staatsgewalt, wurde zum Helden aller Punker - und auch mancher brave Bürger freute sich insgeheim.

Das großkotzige Verhalten hat Folgen - bis heute

Die Zeiten sind lange vorbei. Ein verarmter und gebrechlicher Biggs ließ sich 2001 vom Boulevardblatt "The Sun" zurück nach England fliegen, direkt in die Arme der Justiz. 29 Jahre Haft hatte er noch abzusitzen. Er hoffte auf Milde, träumte von einem Bier an der Strandpromenade des englischen Badeortes Margate, doch vergeblich: Das großkotzige Gehabe von damals hängt Biggs bis heute nach.

Am Mittwoch wies der britische Justizminister Jack Straw auch das jüngste Gnadengesuch des 79-Jährigen ab. Biggs zeige keinerlei Reue und habe während seiner Flucht auf schändliche Weise die Medien umworben, begründete Straw die Entscheidung. Es sei inakzeptabel, dass Biggs gegen das Gesetz verstoßen habe und die Folgen vermeiden wolle.

Straws Nein ist eine kleine Sensation. Eigentlich war fest damit gerechnet worden, dass Biggs am Freitag ein freier Mann sein würde. Der Bewährungsausschuss hatte im April empfohlen, Biggs auf seine alten Tage freizulassen. Der Greis stelle keine Gefahr mehr dar, hatte der Ausschuss argumentiert. Nach mehreren Schlaganfällen und Herzinfarkten ist Biggs teilweise gelähmt, er kann nicht mehr sprechen, sitzt im Rollstuhl und wird aus Schläuchen ernährt. Vergangenes Wochenende fiel er obendrein aus dem Bett und brach sich seine Hüfte. Er liegt nun im Universitätskrankenhaus in Norwich - bewacht von Polizisten.

Biggs' Anwalt Giovanni Di Stefano sprach von einer "schrecklich falschen Entscheidung" des Ministers. Sohn Michael Biggs, dessen Geburt den Vater einst in Brasilien vor der Auslieferung schützte, hatte bereits einen Platz im Altersheim organisiert.

Doch Straw ließ sich von den humanitären Argumenten nicht beeindrucken. Auch Biggs' Wunsch, seinen 80. Geburtstag am 8. August in Freiheit zu begehen, ignorierte der Minister. Das britische Rechtssystem verdiene mehr Respekt, sagte er. Das zeigt, wie tief der Stachel der Demütigung immer noch sitzt. Biggs hat seine Tat nie bereut. Im Gegenteil: "Ich bedauere nichts", hatte er in einem seiner letzten Interviews gesagt. "Wenigstens habe ich mir mit dem Postraub einen Namen gemacht."

Ihn lockte das britische Gesundheitssystem

Dabei war Biggs nur eine Nebenfigur in jener Nacht im August 1963, als eine 15-köpfige Bande den Postzug von Glasgow nach London überfiel. Die Beute, die nie gefunden wurde, belief sich auf 2,6 Millionen Pfund - eine riesige Summe, die heute fast 50 Millionen Euro entspricht. Binnen Wochen wurde Biggs damals verhaftet, doch nach 15 Monaten im Londoner Wandsworth-Gefängnis gelang ihm die Flucht: Er kletterte über die Gefängnismauer und sprang auf einen Möbelwagen. In Paris ließ er sich sein Gesicht operieren, ging dann nach Melbourne und schließlich nach Brasilien.

Es folgte der Ruhm in Rio. Dutzende Bücher und Filme verklärten Biggs zum König der Diebe. Der Überfall ging als "Der große Zugraub" in die Geschichte ein. In Deutschland wurde er im Mehrteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse" mit dem späteren Derrick-Kommissar Horst Tappert verewigt. Als das erbeutete Geld aufgebraucht war, lebte Biggs von der Vermarktung seines Namens. Er verkaufte Tassen mit seinem Konterfei an Touristen und schrieb mehrere Autobiografien. Er nahm Songs mit den Sex Pistols ("No one is innocent") und den Toten Hosen auf.

Reich wurde Biggs damit nicht, und 2001 hatte er genug vom prekären Leben in Brasilien. Das kostenlose Gesundheitssystem in England lockte, und so machte er seinen Deal mit der "Sun". Die Rückkehr in die Heimat hatte er sich jedoch anders vorgestellt. Immer wieder stellte er Anträge auf vorzeitige Entlassung, stieß aber bei der Labour-Regierung stets auf taube Ohren.

In der Öffentlichkeit waren die Gerüchte über die bevorstehende Entlassung unterschiedlich aufgenommen worden. Es sei schwierig, kein Mitleid für Biggs zu empfinden, schrieb die "Daily Mail". Er sei schließlich nur noch "ein Schatten jenes Mannes", der die Justiz jahrzehntelang an der Nase herumgeführt hatte. Doch der "Daily Telegraph" wetterte: "Wenn dieser gemeine Dieb nicht ins Gefängnis wollte, hätte er nicht Räuber von Beruf werden sollen. Und wenn er nicht im Gefängnis alt werden wollte, hätte er nicht ausbrechen sollen."

Diese Argumentation machte sich Straw zu eigen. Biggs wäre bereits ein freier Mann, wenn er damals nicht ausgebrochen wäre, sagte er. Nach seiner Entscheidung ist die Begnadigung auf absehbare Zeit vom Tisch. Der greise Posträuber kann sich nun darauf einstellen, hinter Gittern zu sterben.

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02.07.2009 von martina-message: Der Koenig der Diebe bleibt in Haft

Herr Biggs hat die freie Entscheidung, wie jeder andere Mensch auch, gut oder schlecht zu handeln. Wenn er denn Barmherzigkeit erwartet, ist vielleicht doch von seiner Seite etwas Mitarbeit in Sache Reue nicht verkehrt. Ganz zu [...] mehr...

02.07.2009 von metbaer: Meine Güte

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