Gekaperte "Hansa Stavanger"
Piraten misshandeln entführte Seeleute
Sie haben kein Wasser, kein Essen, keine Medikamente: Seit April halten somalische Piraten den deutschen Frachter "Hansa Stavanger" in ihrer Gewalt. Die Situation der Mannschaft wird nach Informationen des SPIEGEL immer schlimmer. "Wir können nicht mehr", schreibt der Kapitän in einer E-Mail.
Hamburg - Seit dem 4. April halten die Seeräuber vor dem Piratennest Harardere die 24 Seeleute in ihrer Gewalt. Zur Mannschaft gehören fünf Deutsche, darunter der Kapitän und der Nautische Offizier. Nach Informationen des SPIEGEL schildert der Kapitän in einer E-Mail die dramatische Lage an Bord.
DPA
Entführte "Hansa Stavanger": "Wir können nicht mehr"
"Wir haben kein Wasser, kein Essen, keine Medikamente", berichtet der Schiffsführer. Die Mannschaft sei emotional und physisch am Ende. Die Piraten haben sämtliche Habseligkeiten der Seeleute geraubt, viele Besatzungsmitglieder seien krank. Einmal verklebten ihnen die Piraten die Augen, schossen knapp über ihre Köpfe hinweg. "Wir können nicht mehr", schließt der Kapitän.
Im neuen SPIEGEL 28/2009:
90 Jahre Versailler Vertrag - Der verschenkte Frieden
Warum auf den Ersten Weltkrieg ein zweiter folgen musste
Die Lösegeldverhandlungen gestalten sich nach Informationen des SPIEGEL als schwierig, weil die Piraten immer wieder neue Forderungen stellten. Zuletzt war der Kontakt zwischen den Piraten und der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg drei Wochen lang komplett abgebrochen. Seit Freitag wird wieder verhandelt.
Ein GSG-9-Kommando sollte die "Hansa Stavanger" zu Beginn der Geiselnahme stürmen - doch die Befreiungsaktion platzte. Nachdem die Piraten den Frachter 320 Seemeilen östlich von Mombasa kaperten, hatte der Krisenstab im Auswärtigen Amt eine gewaltsame Befreiung der Besatzung erwogen.
Ein Vorauskommando der GSG 9 war bereits unterwegs nach Kenia.
Zu einem Einsatz kam es aber nicht - die fünf Piraten hatten das Schiff zu schnell zu ihrem Stützpunkt in der Bucht von Harardere (Somalia) gebracht.
Auch die deutsche Fregatte "Rheinland-Pfalz" kam nicht zum Zuge: Bis auf Sichtweite fuhr sie an die "Hansa Stavanger" heran, musste aber abdrehen, nachdem die Piraten gedroht hatten, die Besatzung des Frachters zu töten.
Die "Hansa Stavanger", ein 1997 erbautes Schiff mit einer Gesamttragefähigkeit von 21.000 Tonnen, war etwa 400 Seemeilen vor der Küste Somalias zwischen Kenia und den Seychellen geentert worden. Das Schiff war gerade auf dem Weg zu den Seychellen, wo es auftanken und dann weiter nach Daressalam in Tansania wollte.
HINTERGRUND: ALLES ZUM PIRATENANGRIFF
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Fernab aller Seeräuberromantik ist die moderne Piraterie eine Form der
organisierten Kriminalität. Nach dem Seerechtsübereinkommen von 1982 gelten als Piraterie räuberische oder erpresserische Überfälle auf Schiffe auf hoher See.
Seit 1992 sammelt das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) Meldungen über Seeräuber und wertet sie aus. Als
Zahl der Übergriffe 2008 registrierte das IMB 293 Piratenangriffe, elf Prozent mehr als im Jahr davor. 49 wurden entführt, 32 Crew-Mitglieder verletzt, elf getötet, 21 werden vermisst.
Interessierten sich Seeräuber einst nur für den Schiffstresor, nehmen sie inzwischen Geiseln oder kapern ganze Frachter. Sie operieren oft von
Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
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Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika um den
Golf von Aden (mehr auf SPIEGEL WISSEN...). Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. SPIEGEL ONLINE zeigt in einer
Grafikstrecke, wie in der Region die Zahl der Übergriffe zugenommen hat...
Puntland ist eine Region am Horn von Afrika, rund 212.000 Quadratkilometern groß, mit 2,4 Millionen Einwohnern. Vor zehn Jahren erklärte sich der trockene Landstrich zum
autonomen Teilstaat von Somalia. Zwei Drittel der Menschen hier sind Nomaden, nahezu alle sunnitische Muslime. Einst lebten sie vom Fischfang vor der 1300 Kilometer langen Küste am Indischen Ozean sowie der Zucht von Kamelen, Schafen und Ziegen.
Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil. Inzwischen herrscht auch hier
weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel.
Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren. Das berüchtigtste
Piratennest ist Eyl.
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Die Anti-Piraterie-Mission der EU am Horn von Afrika heißt nach Atalanta, einer Jägerin aus der griechischen Mythologie. Sechs Kriegsschiffe, ein Versorger und drei Aufklärungsflugzeuge bekämpfen Piraten vor der somalischen Küste, um die freie Seefahrt in der Region zu gewährleisten. Die
Bundeswehr hat dafür bis zu 1400 Soldaten und die in der Region liegende Fregatte "Karlsruhe" zur Verfügung. Nach den Einsatzregeln der EU-Operation darf die Marine Piratenschiffe nicht nur abdrängen oder aufbringen, sondern im Notfall auch versenken.
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Die zunehmenden Angriffe haben die Einfahrt ins Rote Meer bereits so unsicher gemacht, dass erste Reedereien Schiffe nicht mehr von dort durch den Suez-Kanal, sondern auf die weit längere Alternativroute um das Kap der Guten Hoffnung schicken. So sollen extrem hohe Versicherungsprämien wegen des Piraten-Risikos oder Kosten für eigene Sicherheitsmannschaften an Bord vermieden werden.
Flüssiges Erdgas (
LNG) ist auf
-161 Grad Celsius abgekühltes und verflüssigtes Erdgas. Die klare, farblose Flüssigkeit ohne Geschmack und Geruch lässt sich verhältnismäßig gut transportieren, nicht zuletzt weil das
Volumen des Gases auf ein Sechshundertstel sinkt. Bislang wird nur ein
geringer Teil des weltweiten Erdgases auf diese Weise transportiert, doch dürften nach Expertenschätzungen LNG-Transporte stark zunehmen, vor allem in
Asien. In flüssiger Form ist der Stoff
weder explosiv noch brennbar. Gefahr droht bei Lecks, wenn die Ladung aus den Tanks austritt, wieder gasförmig wird und sich mit der Luft mischt. Explosionsgefahr besteht bei einer Konzentration des Gases
zwischen 5 und 15 Prozent.
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han