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06.07.2009
 

Regis-Breitingen

Weitere Jugendliche in Folterskandal verwickelt

Das Ausmaß des Folterskandals im Jugendgefängnis Regis-Breitingen ist größer als bislang angenommen: Wegen der Misshandlung eines Mitgefangenen hat die Staatsanwaltschaft Leipzig Anklage gegen neun Verdächtige erhoben. Bislang war nur von zwei mutmaßlichen Tätern die Rede gewesen.

Regis-Breitingen/Leipzig - In den Folterskandal im sächsischen Jugendgefängnis Regis-Breitingen nahe Leipzig sind mehr Häftlinge verwickelt als zunächst genannt. Am Montagnachmittag teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig mit, dass gegen neun Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene Anklagen bei verschiedenen Gerichten eingereicht wurden.

Bisher standen zwei Häftlinge im Mittelpunkt, die zur Tatzeit 15 und 24 Jahre alt waren. Sie sollen vor einem Jahr einen damals 18-jährigen Mithäftling gequält und so verängstigt haben, dass er sich das Leben nehmen wollte. Das Landgericht Leipzig bestätigte am Montag den Eingang der Anklageschrift gegen die beiden jungen Männer.

Anhaltspunkte für strafrechtlich relevantes Verhalten von Bediensteten der Justizvollzugsanstalt gab es laut Staatsanwaltschaft nicht. Weitere Einzelheiten wollte ein Sprecher wegen des jugendlichen Alters des einen Angeklagten nicht mitteilen. Auch der Termin für die Hauptverhandlung sei noch nicht bestimmt und absehbar, hieß es.

Laut dem sächsischen Justizministerium waren die anderen Angeklagten in unterschiedlichem Maße an der Misshandlung beteiligt. Gegen sie wurden laut Staatsanwaltschaft im Dezember 2008 sowie im Mai und Juni dieses Jahres Anklagen an den Amtsgerichten Leipzig und Borna erhoben.

Das Justizministerium erklärte unterdessen, dass die Öffentlichkeit über den Vorfall von vor einem Jahr angesichts der Besonderheiten des Jugendstrafvollzugs nicht informiert worden war. Eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit habe zu keiner Zeit bestanden.

Den beiden Männern wird vorgeworfen, im Mai 2008 ihr Opfer im Jugendgefängnis Regis-Breitingen geschlagen zu haben. Anschließend sollen sie versucht haben, den 18-Jährigen zum Selbstmord zu treiben. Als dies nicht gelungen sei, hätten sie erfolglos versucht, ihr Opfer zu erdrosseln, erklärte das Gericht.

Laut einem Bericht des "Focus" vom Wochenende sollen die beiden den jungen Mann im Duschraum mit kochendem Wasser übergossen und mit einem Besenstiel geschlagen haben. Außerdem werde ihnen vorgeworfen, dem 18-Jährigen gemeinsam mit anderen Häftlingen ein Hackenkreuz und SS-Runen auf den Oberkörper gemalt zu haben. Zuvor sei das Opfer an einen Stuhl gefesselt worden. Dann hätten sie ihm damit gedroht, dass russische Häftlinge ihn auf grausame Art töten wollten und bereits ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt sei.

Aus Angst habe der Häftling versucht, sich in seiner Zelle zu erhängen, aber überlebt, berichtete das Magazin weiter. Daraufhin hätten ihn die Angeklagten mit einem Gürtel erdrosseln wollen. Das Opfer habe sich jedoch befreien und die Wächter alarmieren können.

In Regis-Breitingen wurden inzwischen Änderungen im Tagesablauf eingeführt. "Wir haben alles nochmal auf den Prüfstand gestellt", sagte die stellvertretende Anstaltsleiterin, Claudia Ramsdorf. Die Aufschluss-Zeiten, in denen sich die Insassen frei auf ihrem Stationsgelände frei bewegen können, seien verkürzt worden. Das Opfer der Quälerei wurde in eine andere Anstalt verlegt, ebenso wie einer der Peiniger.

Im November 2006 hatten drei Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Siegburg bei Bonn einen Mitgefangenen zu Tode gequält. Die Täter wurden inzwischen zu Haftstrafen zwischen zehn und 15 Jahren verurteilt.

han/dpa/AP

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