Lübbenow - Die ehemalige Bürgermeisterin des Uckerland-Ortsteils Lübbenow (Uckermark), Monika Becker, bestätigt, dass die Behörden seit Jahren von der 13-jährigen Jennifer wussten. "Ich habe damals selbst das Jugendamt in Prenzlau angerufen, was länger als vier Jahre her sein muss, und eine Kollegin hat eine Aktennotiz darüber gefertigt", sagte Becker am Donnerstag in Lübbenow.
Die Eltern sollen das Mädchen seit neun Jahren zu Hause versteckt haben. Mitte Juli hatte das Jugendamt die inzwischen 13-jährige Jennifer, die geistig behindert sein soll und noch nie eine Schule besucht hat, aus der Familie geholt. Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Eltern. Berichten zufolge soll Jennifer noch immer Windeln tragen, keine Zähne haben und völlig verwahrlost sein.
Becker, die seit 2008 im Ruhestand ist, sagte auch: "Auf einer Geburtstagsfeier in der Nachbarschaft erzählten damals Lübbenower, dass immer ein Mädchen am Fenster erscheint, wenn die restliche Familie mit dem Auto wegfährt." Das Jugendamt habe daraufhin erklärt, es sei zuständig, die Gemeinde müsse sich nicht darum kümmern.
Nach Angaben des Landkreises hatte ein Mitarbeiter 2006 bei einer Prüfung keine Gefährdung des Kindes festgestellt und den Eltern geglaubt, dass die Tochter wegen ihrer Behinderung von der Schulpflicht befreit sei. Die Familie soll vor neun Jahren aus Berlin in das Haus am Ortsrand gezogen sein, zwei weitere Kinder gehen regulär in die Schule.
Das Jugendamt brachte das Mädchen vorläufig in einer Klinik unter. Dort soll sie untersucht werden. Das Bildungsministerium in Potsdam prüft, warum das Kind nicht zur Schule gegangen ist und dies niemandem aufgefallen ist.
jjc/dpa
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