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15.08.2009
 

Vermisster Frachter

Reederei erhält Lösegeldforderung für "Arctic Sea"

Bei der finnischen Reederei des verschwundenen Frachters "Arctic Sea" ist eine Forderung nach Lösegeld eingegangen. Einzelheiten sind nicht bekannt. Meldungen, wonach das Geisterschiff vor Kap Verde oder im Golf von Biskaya gesichtet wurde, wurden dementiert.

Helsinki - Ist die "Arctic Sea" tatsächlich entführt? Im Rätsel um den Verbleib des seit Ende Juli verschwundenen Holzfrachters gibt es eine neue Entwicklung: Unbekannte haben nach Angaben der finnischen Polizei ein Lösegeld für die "Arctic Sea" gefordert.

Ein Polizeisprecher sagte am Samstag in Helsinki, der von den Schiffsbesitzern verlangte Betrag sei "beträchtlich, aber nicht gewaltig". Die genaue Summe wollte er ebenso wenig preisgeben wie Details darüber, auf welchem Wege die Forderung gestellt wurde. Unklar ist auch, ob es sich um Trittbrettfahrer handelt.

"Arctic Sea" (Archivbild): Letztes Signal aus dem ÄrmelkanalZur Großansicht
REUTERS

"Arctic Sea" (Archivbild): Letztes Signal aus dem Ärmelkanal

Der Verbleib des unter mysteriösen Umständen verschwundenen Frachters ist dabei weiter ungeklärt. Die russische Marine-Website Sowfracht hatte berichtet, ein Signal des Schiffes sei am Samstagvormittag gegen 10.30 Uhr MESZ aus dem Golf von Biskaya vor der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle gesendet worden. Möglicherweise befinde sich aber das Gerät des Automatischen Identifikationssystems (AIS) nicht mehr an Bord der "Arctic Sea". Das Signal sei nach etwa einer Stunde verschwunden.

Die französische Marine dementierte dies jedoch umgehend. Der Sprecher Kapitänleutnant Jerôme Baroe erklärte, das Signal sei von französischen Kriegsschiffen auf dem Weg vom Mittelmeer in die Ostsee gekommen.

Am Freitag war noch aus verschiedenen Quellen verlautet, die "Arctic Sea" sei im Atlantik vor den Kapverdischen Inseln entdeckt worden. So hatte das französische Verteidigungsministerium mitgeteilt, die "Arctic Sea" sei 840 Kilometer vor Kap Verde ausfindig gemacht worden. Die dortige Küstenwache habe bestätigt, dass sich das Schiff im Atlantik aufhalte.

Der russische Botschafter in Kap Verde dementierte die Nachricht jedoch. Er sei am Freitag von dem Generalstabschef der afrikanischen Inselrepublik darüber unterrichtet worden, dass ein der "Arctic Sea" ähnelndes Schiff 400 Seemeilen (720 Kilometer) nördlich des Inselstaates gesichtet worden sei, sagte Botschafter Alexander Karpuschin dem russischen Fernsehen, wie die Nachrichtenagentur Interfax am Samstag berichtete. "Diese Information hat sich jedoch nicht bestätigt", wurde Karpuschin weiter zitiert.

Experten spekulieren über geheime Fracht

Die unter maltesischer Flagge fahrende "Arctic Sea" mit 15 russischen Seeleuten an Bord war auf dem Weg von Finnland nach Algerien. Der Frachter hatte sich zuletzt am 28. Juli per Funk bei den britischen Behörden gemeldet und fuhr anschließend durch den Ärmelkanal. Nach vorliegenden Informationen hat er Holz der finnischen Firma Rets Timber im Wert von 1,3 Millionen Euro geladen.

In der vergangenen Woche gab es dann erste Hinweise auf das Schicksal der "Arctic Sea" - ein Sprecher der EU-Kommission hatte erklärt, es habe nach einem mysteriösen Überfall auf das Schiff in der Ostsee vom 24. Juli einen zweiten Angriff vor der Küste Portugals gegeben. Lissabon bestritt dagegen, dass sich die "Arctic Sea" in den vergangenen Tagen in portugiesischen Gewässern bewegt hat.

Ein EU-Sprecher sagte, es handele sich nach "Informationen aus Mitgliedstaaten" nicht um klassische Piraterie. Auf die Frage, was sich dann hinter dem Verschwinden des rund hundert Meter langen Schiffs verbergen könnte, sagte ein Sprecher der EU-Kommission: "Dazu haben wir keine Meinung und keinen Kommentar abzugeben."

Der Vizechef der russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, sagte der Moskauer Boulevardzeitung "Moskowski Komsomolez": "Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist." Nach seiner Vermutung soll vertuscht werden, dass die "Arctic Sea" Waffen für Afrika geladen hat.

Nach Ansicht von Experten sei auch denkbar, dass ein Handelsstreit mit dem Verschwinden zu tun habe. Selbst ein Piratenüberfall wurde nicht ausgeschlossen - bislang hat es allerdings noch keinen derartigen Angriff wie vor Somalia in europäischen Gewässern gegeben.

abl/dpa/AFP/AP

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