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13.09.2009
 

Hamburger Schanzenfest

Am Ende kamen die Wasserwerfer

Schanzenviertel: Kissenschlacht und Hundertschaften
Fotos
DPA

Fast wäre es friedlich geblieben beim Hamburger Schanzenfest. Um kurz vor zwei Uhr morgens wurde es einer Gruppe Randalierer dann aber offenbar zu viel mit der Harmonie - sie attackierten eine Polizeiwache, warfen mit Flaschen und Böllern. Die Polizei reagierte schnell und hart.

Hamburg - Am Ende krachte es dann doch wieder. Den ganzen Abend über war das Hamburger Schanzenfest völlig friedlich verlaufen - bis auf eine Kissenschlacht vor der Roten Flora an der sogenannten Piazza am Schulterblatt. In den Straßen rund um das ehemalige Theater wurde ausgelassen gefeiert, viele hundert Menschen feierten, tanzten und tranken. Die Polizei hatte nach den heftigen Krawallen beim vorangegangenen Schanzenfest Anfang Juli eine neue Strategie gewählt - obwohl zur Bewachung der Veranstaltung insgesamt 2000 Beamte eingesetzt waren, darunter auch Verstärkung aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei, waren die Polizisten im Schanzenviertel selbst nicht sichtbar präsent. Kein einziger Uniformierter ließ sich im Viertel blicken - was sicher zur ausgelassenen Atmosphäre beitrug. Das Schanzenviertel ist ein beliebter Treffpunkt mit vielen Bars und Kneipen.

Der eine oder andere wurde im Laufe des Abends zunehmend unruhig - vereinzelt hörte man Beschimpfungen gegen die unsichtbare Polizei, Jugendliche begannen, sich gegenseitig mit leeren Kartons zu bewerfen, ein vom Flohmarkt am Nachmittag übriggebliebener Kleiderständer flog durch die Luft.

Einigen, die Polizei schätzt 150 bis 200, war es offenbar zu friedlich: Nach Polizeiangaben attackierten sie zunächst einen einzelnen Polizisten, der die Straßensperrung am Neuen Pferdemarkt überwachte. Anschließend griffen sie eine Polizeiwache in der Stresemannstraße an, warfen Scheiben ein und Böller ins Gebäude. Als Verstärkung für die belagerten Polizisten anrückte, habe diese Gruppe mit Steinen geworfen, Reifen angezündet, eine Bushaltestelle zerstört und ein Auto umgeworfen. Dann seien die Randalierer zurück aufs Fest geflüchtet und hätten sich unter die Feiernden gemischt, so ein Polizeisprecher.

Dann verwandelte sich die friedliche Szenerie: Die Polizei rückte nun mit Wasserwerfern ins Schanzenviertel ein und drängte Randalierer, verbliebene Festbesucher und Schaulustige in Nebenstraßen ab. Darüber kreiste ein Polizeihubschrauber, der die Straßen mit seinem Scheinwerfer ausleuchtete. Unter den Angreifern, die die Einsatzkräfte mit Flaschen bewarfen, seien auffallend viele Jugendliche und angetrunkene Festbesucher gewesen, die erkennbar nicht zur links-autonomen Szene gehörten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Anschließend war es nach Polizeiangaben noch zu "kleineren Scharmützeln" gekommen. Wie viele Menschen verletzt und festgenommen wurden und wie hoch der Sachschaden ist, war zunächst unklar.

Viele Besucher hätten mit ihren Handys Fotos von dem Polizeieinsatz gemacht und die Krawalle sichtlich genossen. "Voll geil, ich warte schon die ganze Zeit", kommentierte ein jugendlicher Passant den Start der Auseinandersetzung dpa zufolge erfreut.

Erst am Freitagabend waren in Hamburg bei schweren Ausschreitungen am Rande einer Demonstration gegen einen NPD-Aufmarsch zwölf Polizeibeamte verletzt worden. 60 an den Ausschreitungen Beteiligte wurden fest- und in Gewahrsam genommen, wie die Polizei weiter mitteilte. Dabei habe es sich überwiegend um linke Aktivisten gehandelt. Die Demonstranten zündeten Barrikaden und Autos an und attackierten die Polizei mit Flaschen und Steinen, Fensterscheiben gingen zu Bruch.

cis/AP/dpa/ddp

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