München - Dem im Münchner S-Bahnhof Solln bei der Verteidigung von vier Kindern getöteten Geschäftsmann Dominik B. wird postum der Bayerische Verdienstorden verliehen. Dies teilte Ministerpräsident Horst Seehofer, CSU, am Mittwoch in München mit. Damit wird die große Zivilcourage des 50-Jährigen gewürdigt, der nach seiner Hilfe für vier Kinder von zwei Jugendlichen totgeprügelt wurde. "Dominik B. hat nicht weggesehen, als Menschen in Gefahr waren", sagte Seehofer.
B.s Tod sei eine "Mahnung gegen Gleichgültigkeit, Brutalität und Gewalt", sagte Seehofer. "Das gesamte bayerische Kabinett verneigt sich mit Respekt und in Hochachtung vor dem Opfer." Wenn B.s Familie einverstanden ist, will Seehofer den Verdienstorden an B. am Tag nach dessen Beisetzung bei einem Trauerakt in der Staatskanzlei in München verleihen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, sagte bei der Kabinettssitzung in Berlin: "Dominik B. ist ein Vorbild. Unser tiefes Mitgefühl gehört den Angehörigen." Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, CDU, hatte zuvor in der Kabinettsrunde über die "schreckliche Tat" berichtet.
Das bayerische Kabinett gedachte B. mit einer Gedenkminute. "Wir trauern um ihn und werden sein Andenken auch öffentlich bewahren", erklärte Seehofer. "Das gesamte bayerische Kabinett verneigt sich mit Respekt und in Hochachtung vor dem Opfer von Solln." Sein Verhalten sei Vorbild für eine menschliche Gesellschaft, sein Tod Mahnung gegen Gleichgültigkeit, Brutalität und Gewalt.
Andacht auf dem Parkplatz des S-Bahnhofs
B. wird nach ZDF-Angaben postum auch mit dem "XY-Preis" auszeichnet. Mit dem Preis für Zivilcourage, den das Team von " Aktenzeichen XY...ungelöst" zusammen mit dem ZDF und dem Bundesinnenministerium 2002 ins Leben gerufen hat, werden jedes Jahr "Helden des Alltags" geehrt.
Ein Termin für B.s Beisetzung steht noch nicht fest. "Es hängt davon ab, wann die Leiche freigegeben wird", sagte sein Vater. Die Familie bat um Verständnis, dass sie sich nicht zu dem tragischen Überfall äußern möchte. "Wir möchten nicht öffentlich über unseren Sohn sprechen, das haben wir überall so kommuniziert."
Mit einem ökumenischen Gottesdienst am Parkplatz des S-Bahnhofs München-Solln, an dem B. angegriffen worden war, sollte am Mittwochabend dessen Zivilcourage gewürdigt werden.
Zwei der Jugendlichen hatten zuvor einen Rentner bedroht
Zeitgleich zum Beginn der Andacht ordneten die Münchner Verkehrsunternehmen eine Gedenkminute im Nahverkehr an. Um 18.30 Uhr sollten alle S- und U-Bahnen sowie Busse und Straßenbahnen eine Minute lang stillstehen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die von Oberbürgermeister Christian Ude, SPD, angeregte Gedenkminute sollte den Fahrgästen Gelegenheit geben, ihre Trauer um den Toten zu bekunden. Seehofer rief alle staatlichen Behörden und alle Bürger in Bayern auf, sich an der Schweigeminute zu beteiligen.
Die Polizei hat unterdessen 20 Zeugen vom S-Bahnhof Solln angehört. Es gebe keinerlei Verdachtsmomente, dass irgendeinem Anwesenden unterlassene Hilfeleistung anzulasten sei, betonte Polizeisprecher Peter Reichl.
Nach dem tödlichen Angriff sitzen drei junge Männer in Untersuchungshaft. Gegen die beiden Haupttäter im Alter von 17 und 18 Jahren wird wegen Mordes ermittelt. Gegen einen weiteren 17-Jährigen wird wegen versuchter räuberischer Erpressung ermittelt - er war bei dem Angriff nicht mehr dabei, hatte zuvor aber von den Kindern Geld verlangt und als erster auf eines der Kinder eingeschlagen.
Die Staatsanwaltschaft München hat bestätigt, dass zwei der Jugendlichen wenige Tage vor dem Angriff an einem U-Bahnhof einen Rentner bedroht haben. Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger bestätigte einen Bericht der " Bild"-Zeitung, wonach die beiden 17-Jährigen von dem Mann Geld verlangt hatten. Sie wies aber die Darstellung zurück, die beiden Jugendlichen seien einfach laufengelassen worden.
Die Polizei habe ermittelt, jedoch habe es keine Handhabe für einen Haftbefehl gegeben, da die beiden von sich aus von dem Rentner abließen. Die Staatsanwaltschaft sei deshalb auch nicht eingeschaltet worden. "Wir haben erst jetzt im Zusammenhang mit der neuen Tat davon Kenntnis bekommen." Die Polizei habe in dem Fall mit dem Rentner aber ermittelt.
"Wir können nicht erkennen, dass es da Fehler gegeben hat", betonte Stockinger. "So, wie es sich darstellt, hätte nichts anders gemacht werden können." Die beiden Jugendlichen hätten auf freien Fuß gesetzt werden müssen.
han/dpa/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
...in der Debatte. mehr...
Komisch, haben Sie nicht vorhin selbst was Aggression und Bildzeitungsniveau geschrieben? Danke übrigens, habe schon vier Genies geboren. mehr...
Ich dachte, ich dachte ... nein, haben Sie nicht. Sie glauben nur selbst den Mist von den Gutmenschen, den Sie so loslassen. Die von Ihnen geächteten Gutmenschen können nämlich ganz anders. Und was den Staat angeht: Der ist [...] mehr...
bei all der Diskussion das Umfeld vieler heutigen Kinder nicht vergessen und auch nicht das vor 30Jahren, diese Prachtwohnsilos, von preisgekrönten Architekten, aus Beton und Wasckkies, wenn ich hier an einer Mittelpunktschule [...] mehr...
Der von Ihnen zitierte Poster kennt die deutsche Strafjustiz nur unzureichend. Üben Sie daher Nachsicht. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Justiz | RSS |
| alles zum Thema Gewalt in Bus und Bahn | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH