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18.09.2009
 

Amoklauf von Ansbach

Georg R. stürmte Schule mit fünf Molotow-Cocktails

Foto: DDP

Der Amokläufer von Ansbach führte mehr Waffen mit sich als anfangs bekannt: neben einem Beil und vier Messern sogar fünf Brandsätze. Sein jetzt gefundenes Testament hatte er mit dem Datum 9/11 versehen. Die bei der Tat schwerverletzte Schülerin ist inzwischen außer Lebensgefahr.

Ansbach - Sein Beil maß 40 Zentimeter, er hatte fünf Molotow-Cocktails bei sich, drei feststehende Messer, ein Butterfly-Messer: Der Abiturient, der am Donnerstag sein Gymnasium im mittelfränkischen Ansbach stürmte und mehrere Menschen verletzte, war im Besitz von mehr Waffen als bislang vermutet. Das gab Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger auf einer Pressekonferenz bekannt.

Zehn Menschen wurden bei der Amoktat verletzt, zwei 15-jährige Schülerinnen schwer. Beide sind mittlerweile außer Lebensgefahr. Dies teilte das Klinikum Nürnberg am Freitag mit. Die Zehntklässlerin, die der Täter Georg R. mit dem Beil schwer am Kopf verletzt hatte, wurde sieben Stunden lang operiert. Eine weitere, ebenfalls 15 Jahre alte Schülerin hatte schwerste Brandwunden erlitten. Beide befänden sich mittlerweile auf dem Wege der Besserung.

"Die behandelnden Ärzte sind mit dem Gesundheitszustand ihrer jungen Patientinnen sehr zufrieden", teilte das Klinikum mit. Die Eltern hätten ihre Kinder mittlerweile besuchen können.

Eine Sonderkommission, bestehend aus 25 Ermittlern, soll nun klären, was Georg R., 18 Jahre alt und im dritten Semester des Abiturjahrgang des Carolinums, zu der Tat getrieben hat.


"Er galt als introvertierter Schüler", sagte der Direktor des Gymnasiums, Franz Stark. Georg R. habe als ersten Leistungskurs Deutsch belegt, sei "mitgeschwommen" in der Schar der 600 Schüler und nie auffällig gewesen. Mitschüler beschrieben Georg R. als ruhigen und verschlossenen Außenseiter. Sein Verhalten sei "komisch" und "zurückhaltend" gewesen, hieß es. Er soll wegen seines Aussehens von Mädchen gehänselt worden sein. Eine Mitschülerin sprach sogar von Mobbing.

Im Haus der Familie stellten Ermittler inzwischen den Computer des 18-Jährigen sicher. Die Auswertung, so die Oberstaatsanwältin, laufe noch, Erkenntnisse lägen bislang nicht vor.

Ein erster Anhaltspunkt, aus dem sich zumindest schließen lässt, dass die Tat seit längerer Zeit geplant war, sind Schriftstücke, die die Ermittler im Zimmer von Georg R. fanden. Auf einem Kalenderblatt war unter dem Datum 17. September "Apocalypse Today" eingetragen, zudem habe Georg R. ein Testament gemacht, das mit 9/11, dem Datum der Terroranschlage in New York, gekennzeichnet war.

Spekulationen, dass sich der Amoklauf gezielt gegen eine der Schülerinnen gerichtet habe, konnte Oberstaatsanwältin Lehnberger nicht bestätigten. Darüber lägen keine Erkenntnisse vor. Es habe, soweit bekannt, keine Drohungen gegen konkrete Personen von R.s Seite aus gegeben.

Die Eltern Georg R.s, ein geschiedenes Paar, verweigern bislang die Aussage, "sie machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch", hieß es. Intensiv befragt würden jetzt aber alle Schüler, die Zeugen des Amoklaufs wurden oder auch davon betroffen waren.

Bestätigt wurde erneut, dass sich Georg R. in psychotherapeutischer Behandlung befand, aus welchem Grund und seit wann, sei "Gegenstand der Ermittlungen".

Georg R., den fünf Schüsse eines Polizisten trafen, liegt im Krankenhaus und ist noch nicht vernehmungsfähig. Der Haftbefehl gegen R. werde noch am Freitag erlassen, hieß es.

Das Schulgebäude, das von Ermittlern immer noch untersucht wird, soll am kommenden Montag wieder freigegeben werden, der Unterricht, so die Ansbacher Bürgermeisterin Carda Seidel, werde jedoch noch nicht wieder aufgenommen.

Zwischen 100 und 150 Schüler fanden sich am Freitagmorgen in der Turnhalle der Schule ein, wo sie von Seelsorgern betreut wurden. Der Notfallseelsorger Thomas Barkowski beschrieb die Stimmung als sehr ernst, viele Schüler lägen sich in den Armen, einige weinten. "Viele realisieren erst schrittweise, was wirklich passiert ist", sagte er.

pad/dpa

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"Amokläufe- wie können sie verhindert werden?" Durch ein freundlicheres Miteinander in der Schule? Ach nein, das ist zu naheliegend. mehr...

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Die verheerendsten Amokläufe

Amok

Der Begriff Amok kommt von dem malaysischen Wort "amuk" und bedeutet so viel wie "wütend" oder "rasend". Mehr auf der Themenseite...

17. September 2009: Ansbach

3. April 2009: Binghamton, USA

11. März 2009: Winnenden

10. März 2009: Alabama, USA

23. Januar 2009: Dendermonde, Belgien

23. September 2008: Kauhajoki, Finnland

7. November 2007: Jokela, Finnland

16. April 2007: Virginia, USA

12. Februar 2007: Amokläufe in Salt Lake City und Philadelphia, USA

20. November 2006: Emsdetten

2. Oktober 2006: Pennsylvania, USA

21. März 2005: Red Lake/Minnesota, USA

26. April 2002: Erfurt

27. März 2002: Nanterre, Frankreich

26. September 2001: Zug, Schweiz

8. Juni 2001: Osaka, Japan

20. April 1999: Littleton/Colorado, USA

24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA

22. Mai 1997: Brasilien

28./29. April 1996: Tasmanien

13. März 1996: Dunblane, Schottland

23./24. September 1995: Toulon, Frankreich

16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA

Dezember 1989: Montréal , Kanada

18. Juli 1984: Kalifornien, USA

1. August 1966: Universität von Texas, USA

11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln





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