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19.09.2009
 

Münchner Dominik Brunner

Die letzten Minuten des Beschützers

Zivilcourage: Der Fall Dominik Brunner
Fotos
DDP

"Haltet euch raus", rief Dominik Brunner noch den Kindern zu, die er in einem Münchner S-Bahnhof beschützen wollte. Ein 13-jähriges Opfer schildert die letzten Minuten vor dem Tod seines Beschützers. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Staatsanwaltschaft bislang keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung.

München - "Mit geballten Fäusten" gingen die Täter auf den Geschäftsmann Dominik Brunner, "unseren Beschützer" los. Eine Woche nach der tödlichen Münchner S-Bahn-Attacke hat eines der vier Kinder erstmals die grausame Tat im Stadtteil Solln geschildert. "Er rief uns noch zu: 'Haltet euch raus!'", berichtet die 13-jährige Sarah in der "Abendzeitung".

Der Haupttäter sei "total ausgetickt", nachdem ihm Brunner auf dem Bahnsteig zur Selbstverteidigung einen Schlag verpasst habe. Der Jugendliche habe danach wie von Sinnen auf den Mann eingeprügelt. Einer der beiden Täter habe mit einem Schlüsselbund in der Hand auf Brunner eingeschlagen - zwei Schlüssel nach vorn gerichtet. Als der 50-Jährige am Boden gelegen habe, habe der Haupttäter mehrfach mit voller Wucht gegen dessen Kopf getreten.

"Wir haben 'Helft uns!' geschrien, aber die Leute sind vorbeigegangen", schilderte Sarah weiter. "Nur am anderen Bahnsteig haben welche 'Aufhören!' rübergeschrien." Ihre Freunde hätten versucht, den Haupttäter zu stoppen. Als Brunner am Boden lag, alarmierten die Kinder den Rettungsdienst.

Nachdem die Täter endlich geflüchtet seien, sei Brunner noch einmal aufgestanden und habe etwas gemurmelt, was sie aber nicht verstanden habe. Dann sei er zusammengebrochen. "Er hat für uns sein Leben gegeben. Ich danke ihm so sehr, dass er uns alle vier beschützt hat", sagte die Realschülerin. "Ich werde ihn immer als Held in Gedanken behalten."

Die schrecklichen Bilder vom S-Bahnhof Solln verfolgen die 13-Jährige bis in den Schlaf: "Ich wache dauernd auf, ich höre Stimmen. In meinem Zimmer schleicht ein Mann rum."

Keine Indizien für unterlassene Hilfeleistung

Nach SPIEGEL-Informationen gibt es bisher keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung. Wie die Staatsanwaltschaft München I bestätigte, hätten nahezu alle Personen, die auf dem Bahnsteig in Solln Zeugen des Überfalls wurden, in irgendeiner Form reagiert. Innerhalb von Sekunden gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein, ein junger Mann war vom gegenüberliegenden Bahnsteig sogar auf die Gleise gesprungen, um bei der Schlägerei einzugreifen. Er musste jedoch zurück, da in diesem Moment eine S-Bahn einfuhr.

Ein älterer Herr und eine Arzthelferin leisteten ebenso Erste Hilfe wie ein Münchner Gymnasiast. Andere Zeugen forderten die Täter Markus Sch. und Sebastian L. immer wieder auf, von Brunner abzulassen. Von 20 Zeugen hatten die Ermittler am Donnerstag 17 bereits vernommen. Ihre Aussagen über den Tathergang decken sich weitgehend.

Ein französischer Austauschschüler hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, etwa 15 Leute hätten auf dem Bahnsteig gestanden, aber nicht in das Geschehen eingegriffen.

Indes wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft schon vor der Attacke am S-Bahnhof gegen einen der mutmaßlichen Täter ermittelt hat. Laut "Focus" soll der Jugendliche Ende Juli damit gedroht haben, als Vergeltung für die Verhaftung seines Bruders eine Polizeiwache zu sprengen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass gegen den 18-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat laufe.

hei/han/AFP/ddp/dpa

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