Ansbach - An dem Tag, als er seinem Hass freien Lauf ließ, trug Georg R. ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Made in School". Dazu kamen Springerstiefel, ein Rucksack und eine Umhängetasche, fünf Molotow-Cocktails mit Feuerzeugen, vier Messer, ein Beil und ein Hammer.
Die Bewaffnung des 18-Jährigen hatte sich keinesfalls spontan ergeben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag bekanntgaben. Vielmehr habe R. bereits seit April 2009 eine Art Tagebuch geführt, in dem die geplante Tat schon frühzeitig minutiös beschrieben worden sei. Der Polizei sei es gelungen, das 80 DIN-A4-Seiten umfassende, jedoch vor dem Amoklauf gelöschte Dokument vollständig zu rekonstruieren.
Die Texte seien an eine fiktive Ansprechpartnerin gerichtet gewesen, hieß es. Deren Namen wollten die Ermittler jedoch nicht preisgeben. Getrieben vom Hass auf die Menschheit und auf seine Schule habe R. gehandelt. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Schüler und Lehrer zu töten sowie das Gymnasium niederzubrennen. Der 18-Jährige "wollte nicht mehr leben", sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger. Er habe damit gerechnet, von der Polizei getötet zu werden.
Den Amoklauf hatte er als "Apocalypse Today" in seinen Kalender für den 17. September eingetragen. Außerdem hatte er ein Testament verfasst und auf den Jahrestag des Terroranschlags von New York, 9/11, datiert.
Die Ermittler betonten ausdrücklich, im Besitz des Amokläufers hätten sich nach bisherigem Erkenntnisstand keine sogenannten Killerspiele oder indizierten Horrorfilme befunden. Lediglich ein gewöhnlicher Actionstreifen werde in dem Tagebuch häufiger erwähnt. Auch habe sich Georg R. nicht auf frühere Amoktäter bezogen, sondern lediglich an einer einzigen Stelle seiner Aufzeichnungen die Möglichkeit erwähnt, die Tat von Erfurt habe ihn "vielleicht beeinflusst".
Neun Schüler und ein Lehrer verletzt
Am Donnerstag hatte der 18-jährige Georg R. in Ansbach einen Anschlag auf seine Schule verübt. Dabei wurden neun Schüler und ein Lehrer verletzt. Zwei 15-jährige Mädchen schwebten in Lebensgefahr. Der Täter selbst wurde von einem Polizisten mit drei Schüssen niedergestreckt und schwer verletzt. Mit einem ökumenischen Gottesdienst gedachten rund tausend Menschen am Sonntagabend in der evangelischen Johanniskirche der Verletzten und ihren Angehörigen.
Eine der beiden lebensgefährlich verletzten Schülerinnen aus der zehnten Klasse erlitt ein offenes Schädelhirntrauma durch einen Schlag mit dem Beil auf den Kopf, ihre Mitschülerin schwere Brandwunden. Beide Mädchen sind seit Freitag außer Lebensgefahr und weiter auf dem Weg der Besserung, wie es aus Ermittlerkreisen hieß. Die Schülerin mit den Brandverletzungen könne wohl bereits in der kommenden Woche aus der Klinik entlassen werden.
Unterdessen versuchen die rund 700 Schüler des Gymnasiums Carolinum, in den Alltag zurückzufinden, wie Schuldirektor Franz Stark sagte. Am Morgen hätten sich etwa 400 Gymnasiasten zu einer Besprechung in der Sporthalle eingefunden und den Wunsch geäußert, wieder Unterricht zu haben. Bei Bedarf stehe aber weiterhin ein Team zur psychologischen Betreuung zur Verfügung. "Wir wollen sie langsam wieder an die Normalität gewöhnen", sagte Stark.
Auch die Schüler der 9c und 10b, in deren Klassenräume der 18-Jährige je zwei Brandsätze geworfen hatte, hätten sich für eine Wiederaufnahme des Unterrichts ausgesprochen. Ihnen würden Ausweichräume zur Verfügung gestellt, da die Tatorte im dritten Stock des Schulgebäudes weiterhin nicht zugänglich seien.
jdl/AP/AFP/dpa
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Das letzte stimmt auf jeden Fall. Leider löst das aber nicht alle Probleme. Ich spreche aus Erfahrung. mehr...
Ohne den Kapitalismus, der Billigarbeiter brauchte, wären die alle gar nicht hier. Und die jetzigen Niedriglöhne und Lebensumstände sind ausser liebloser Erziehung verantwortlich für die Bedingungen und die dunkle Stimmung, [...] mehr...
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