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27.09.2009
 

Regisseur in Haft

Polanski droht Auslieferung an die USA

Foto: REUTERS

Die Vergangenheit hat Roman Polanski eingeholt. Nach seiner Festnahme am Zürcher Flughafen sitzt der Regisseur nun offiziell in Auslieferungshaft. Die US-Justiz sucht ihn wegen einer mehr als 30 Jahre zurückliegenden Sexualstraftat.

Bern - Der Regisseur Roman Polanski, 76, ist am Samstag bei der Einreise in die Schweiz festgenommen worden und befindet sich nun in Auslieferungshaft. Das bestätigte der Sprecher des Justizministeriums, Guido Balmer, auf Anfrage am Sonntag. Der renommierte Filmemacher sei auf Grundlage eines US-Haftbefehls in "provisorischer Haft". Über seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten werde nun in einem Verfahren entschieden.

Wo sich Polanski derzeit befindet, sagte Balmer nicht. Auf die Frage, warum man den Regisseur, der in den vergangenen Jahren häufig vollkommen unbehelligt in der Schweiz war, gerade jetzt festgenommen habe, sagte der Sprecher: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Polanski war vom Filmfestival Zürich eingeladen worden und sollte dort am Sonntagabend für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden.

Nach Angaben des Justizministeriums werfen die US-Behörden Polanski sexuelle Handlungen mit Kindern vor, namentlich in einem Fall von 1977 mit einer 13-Jährigen in Los Angeles. Seit Ende 2005 fahndeten die US-Behörden weltweit nach ihm, und ein US-Haftbefehl gegen ihn liege seit 1978 vor. Ob Polanski, der französischer Staatsbürger ist und seit den siebziger Jahren nicht mehr in den USA war, ausgeliefert wird, müsse nun das Verfahren zeigen, erklärte das Ministerium.

Der in Paris geborene Filmemacher hatte sich 1978 schuldig bekannt, ein Jahr zuvor in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson ein Mädchen mit Champagner und Drogen gefügig gemacht und verführt zu haben. Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung. Polanski verbrachte 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung. Er floh aus Angst vor einer längeren Gefängnisstrafe unmittelbar vor der Urteilsverkündung nach Frankreich.

"Einen schrecklichen Fehler gemacht"

Sein Opfer hat ihm mittlerweile öffentlich verziehen. "Er hat einen schrecklichen Fehler gemacht", sagte Samantha Geimer vor einiger Zeit dem "Starbulletin", "aber er hat dafür bezahlt. Ich wünschte, er könnte in die USA zurückkehren - und das ganze Drama hätte endlich ein Ende für uns." Die heute 45-Jährige ist verheiratet und lebt mit Mann und drei Kindern auf Hawaii.

Doch erst im Mai scheiterte Polanski endgültig mit seinem Antrag, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien nach 32 Jahren für abgeschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles lehnte sein Ersuchen ab und forderte das persönliche Erscheinen des Regisseurs.

"Ungeheurer Justizskandal"

Die Leitung des Zurich Film Festivals zeigte sich am Sonntag bestürzt und betroffen. Sie verschob die Preisverleihung auf unbestimmte Zeit. Stattdessen wollte sie am Abend Polanskis filmisches Schaffen würdigen.

Auch in der Schweizer Filmszene sorgte die Nachricht von Polanskis Verhaftung für Entsetzen. Sie sei nicht nur eine "groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheurer Justizskandal", erklärte der Verband der Regisseure laut der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Mit ihrem Vorgehen hätten die Behörden dem Land weltweit Schaden zugefügt, schrieb der Verband Filmregie und Drehbuch.

"Fassungslos" reagierte auch der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand auf die Festnahme des "international renommierten Regisseurs" und "französischen Staatsbürgers". Ohne sich in das "sehr alte Verfahren" einmischen zu wollen, dem ein "übertriebener Wert" beigemessen werde, bedauere er auf "das heftigste", dass Polanski dieser "neue Belastungsprobe" unterworfen worden sei. Der Minister erinnerte daran, dass der Regisseur in seinem Leben schon genügend Schicksalsschläge hinnehmen musste.

Polanski wurde 1933 als Kind polnischer Juden in Frankreich geboren. Drei Jahre später zogen seine Eltern mit ihm nach Krakau. Seine Mutter starb in Auschwitz, sein Vater überlebte das KZ Mauthausen, er selbst wurde nach seiner Flucht aus dem Ghetto von Bauern versteckt. 1969 wurde dann seine zweite hochschwangere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate, in ihrer gemeinsamen Villa in Los Angeles von der Charles Manson-Bande brutal ermordet.

Als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent oder Schauspieler blickt Polanski auf eine mehr als 40-jährige Karriere zurück. Er wirkte an etwa 40 Filmen mit und wurde mehrfach ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben "Rosemary's Baby" und "Chinatown" die Satire "Tanz der Vampire".

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