Sonntag, 22. November 2009

Panorama



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
  • Merken
01.10.2009
 

"Keine Vergewaltigung"

Goldberg rechtfertigt TV-Beistand für Polanski

Getty Images

Hollywood protestiert gegen die Festnahme von Roman Polanski - doch die Solidarität von US-Schauspielerin Whoopi Goldberg ging nach hinten los: In ihrer Talkshow sagte sie, der Missbrauch von Polanskis Opfer sei keine "richtige Vergewaltigung" gewesen. Jetzt steht Goldberg selbst unter Beschuss.

Los Angeles - Vier Frauen mit vier Kaffeebechern, die zur besten Vormittagszeit aktuelle Themen besprechen und Prominente interviewen: Das Sendekonzept der US-Talkshow "The View" ist harmlos und sehr erfolgreich, Millionen Hausfrauen schauen täglich zu. Doch eine Diskussion um die Verhaftung des Oscarpreisträgers Roman Polanski hat der launigen Plauderrunde den Vorwurf schwerer Verharmlosung eingebracht.

Co-Moderatorin Whoopi Goldberg unterstützte in der Aufzeichnung vom Dienstag Polanski. Dem Regisseur wird vorgeworfen, sich in den siebziger Jahren an einer 13-Jährigen vergangen zu haben. Die US-Schauspielerin zeigte sich dem Star-Regisseur gegenüber solidarisch und bekundete, dass es ihrer Meinung nach "keine richtige Vergewaltigung" war, für die Polanski nun einsitzen müsse.

Goldberg erklärte vor laufender Kamera, Polanskis Opfer, die heute 45-jährige Samantha Gailey, sei nicht vergewaltigt worden: "Ich weiß, es war keine Vergewaltigung-Vergewaltigung" ("I know it wasn't a rape-rape"), sagte sie. "Es war etwas anderes, ich glaube nicht, dass es richtige Vergewaltigung war."

Goldbergs Talkkolleginnen reagierten entsetzt, widersprachen ihr während der Sendung heftig. Co-Moderatorin Sherri Shepherd ließ über ihren Twitter-Account wissen: "Langer Tag bei 'The View'. Heiße Debatte über Polanskis sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen. Ein 45-jähriger Mann, der eine 13-Jährige mit Drogen und Alkohol gefügig macht und ohne ihre Zustimmung in sie eindringt, ist ein Vergewaltiger."

"Es geht mir um die Fakten"

Auch die amerikanischen Medien reagierten empört. "Mein Blutdruck steigt", schäumte Kolumnist Steve Lopez in der "Los Angeles Times". Im britischen "Guardian" warf die Kolumnistin Joan Smith Goldberg vor, eine Unterscheidung zwischen "echter" und "nicht wirklicher" Vergewaltigung sei "wahnwitzig". Im schlimmsten Fall sähen sich nun Menschen bestärkt, die meinten, einige Opfer von Vergewaltigungen seien selbst Schuld.

Goldberg selbst rechtfertigte sich am Donnerstag für ihre Aussage. "Ich wollte sichergehen, dass wir in der Show alle Fakten richtig benennen", erklärte sie in der jüngsten Aufzeichnung von "The View". "Wir müssen zwischen dem Haftbefehl in der Schweiz und den Anklagepunkten von damals unterscheiden", sagte Goldberg.

Die Schauspielerin verwies auf die Anklageschrift von 1978. Polanski wurde damals unter anderem der Vergewaltigung einer Minderjährigen, Unzucht, sexueller Perversionen und Verabreichung einer verbotenen Droge beschuldigt. Die Vorwürfe wurden jedoch wegen Polanskis Bitte um Einigung fallengelassen, die Anklage in "Beischlaf mit einer Minderjährigen" geändert. Er bekannte sich schuldig, sich für ungesetzlichen Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zu interessieren. Dieser Vorwurf wog weniger schwer.

Petition für Freilassung

"All diese Anklagepunkte wurden fallengelassen", begründete Goldberg, "alle bis auf einen, den Polanski selbst eingestand. Dieser Anklagepunkt lautete nicht Vergewaltigung - das ist es, was ich sagen wollte. Uns sehen Millionen von Menschen zu, und ich wollte keine falschen Informationen verbreiten."

WHOOPI GOLDBERGS ERKLÄRUNG IM WORTLAUT (ENGL)

Klicken Sie auf die Überschrift für die Erklärung

"People listen to what we say"

Polanski war Ende der siebziger Jahre vor der amerikanischen Justiz nach Frankreich geflohen. Er fürchtete damals, ein höheres Strafmaß zu erhalten als ihm der Richter versprochen hatte. Am Samstag war der Filmemacher in Zürich von der Schweizer Polizei festgenommen worden.

Bei einer Auslieferung in die USA drohen ihm bis zu 50 Jahre Haft.Viele Stars der Filmindustrie protestierten gegen die Verhaftung. Mehr als 100 Prominente unterschrieben ein Bittgesuch zur Freilassung des 'Rosemary's Baby'-Schöpfers, darunter Woody Allen, Martin Scorsese, Pedro Almodóvar, David Lynch und Paul Auster. In Deutschland stellte sich zuletzt der Regisseur Volker Schlöndorff hinter Polanski und klagte, der berühmte Kollege werde nur deshalb nach über 30 Jahren noch so unbarmherzig verfolgt, "weil er prominent ist".

amz

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu...


ROMAN POLANSKI

Biografie

Roman Polanski wurde am 18. August 1933 in Paris geboren. 1936 zogen seine jüdischen Eltern mit ihm nach Krakau. Seine Mutter kam in Auschwitz ums Leben, sein Vater überlebte den Holocaust in einem KZ, er selbst wurde von einem katholischen Bauern vor den Nazis in einem Stall versteckt. Nach dem Abitur studierte Polanski zunächst Malerei, Bildhauerei und Graphik an der Kunstakademie von Krakau und arbeitete nebenher als Schauspieler.

Später wechselte er an die Filmhochschule in Lodz, wo er für seinen Abschlussfilm "Zwei Männer und ein Schrank", in dem er selbst auch die Hauptrolle spielte, fünf internationale Preise erhielt. Anschließend drehte Polanski mehrere Filme unter anderem in Polen und Frankreich, bevor er in die USA emigrierte. 1968 gab er mit "Rosemaries Baby" sein Hollywood-Debüt. Der Film bescherte ihm zwei Oscar-Nominierungen, einen für die beste Regie, und einen für das beste Drehbuch, das ebenfalls von Polanski stammte. 1975 erlangte Polanski die französische Staatsbürgerschaft.

Seit seiner Flucht nach Frankreich vor einem Prozess wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen lebt der Regisseur überwiegend dort und in Polen.

Privates

Berufliches Wirken









Service von SPIEGEL-ONLINE-Partnern