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09.10.2009
 

Erschossener Bandido

Abrechnung auf offener Straße

Von Jörg Diehl

Mord an Bandido: Schüsse vor der Rockerkneipe
Fotos
dpa

Es ging um eine Frau: Nach dem gewaltsamen Tod eines Bandidos in Duisburg hat die Polizei einen Kampfsportler festgenommen. Timur A. soll zuvor mit der Freundin des Opfers liiert gewesen sein - und den Nachfolger aus seinem Mercedes heraus erschossen haben.

Hamburg - Es war am Donnerstagabend um kurz vor halb neun, als mehrere Schüsse durch die Charlottenstraße im Duisburger Stadtteil Hochfeld peitschten. Darauf sank hier, in der Nähe des Rotlichtviertels und vor dem örtlichen Clubhaus der Bandidos, ein 32-jähriger Rocker in sich zusammen.

"Ashley", so nannten ihn die Outlaws, erlag wenig später in der Notaufnahme seinen lebensgefährlichen Verletzungen. Ein Projektil hatte den früheren Hooligan der "Gelsenszene", der in Bottrop geboren wurde und dem Bandidos-Chapter Oberhausen angehörte, in den Kopf getroffen.

Die Polizei fahndete daraufhin intensiv nach Timur A. und seinem Bruder, 33. Die beiden Türken sollen in dem weißen Mercedes CLK des Profikampfsportlers am Tatort gesehen worden sein. Am Freitagnachmittag stellte sich der 31-Jährige schließlich, der Staatsanwalt beantragte Haftbefehl wegen Mordes gegen ihn.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler war der nicht sonderlich erfolgreiche Free-Fighter Timur A. mit der Lebensgefährtin des Opfers liiert, bis die junge Frau ihn für den Rocker "Ashley" verlassen hatte. War es also ein Mord aus gekränkter Eitelkeit? Oder ging es auch ums Geschäft?

Die 24-Jährige hatte sich nach offiziellen Angaben vor den tödlichen Schüssen in der Nähe des Tatorts mit ihrem Ex verabredet, um ihm seinen Wohnungsschlüssel zurückzugeben. Anschließend sollen die beiden Gesuchten auf "Ashley" getroffen sein.

Auf dem Weg zur Telefonzelle

Wie Polizeisprecher Jörg Klöckner SPIEGEL ONLINE sagte, ist noch unklar, ob Timur A. seinem Widersacher zufällig begegnete oder ihn gezielt aufsuchte. Der Bandido sei auf dem Weg von der Vereinskneipe "The Fat Mexican" zur gegenüberliegenden Telefonzelle gewesen.

Die Männer hätten daraufhin ihren Mercedes auf offener Straße gestoppt und einige Worte mit dem Rocker gewechselt. Aus dem Auto heraus und wahrscheinlich vom Fahrersitz aus sei auf den 32-Jährigen geschossen worden. Die Kriminaltechniker sollten später keine Patronenhülsen am Tatort finden. Der Bandido "Ashley" schleppte sich noch ein paar Meter weiter, brach aber dann auf dem Gehweg zusammen. Das Duo raste nach den Schüssen in Richtung A40.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE werden die beiden mutmaßlichen Täter dem Lager der Hells Angels zugerechnet. Die Duisburger Polizei wollte das offiziell nicht bestätigen. Eindeutig habe man es hier mit einer "Beziehungstat" zu tun, eine Feindschaft zwischen Rockerbanden sei allenfalls am Rande relevant, sagte Polizeihauptkommissar Klöckner, deshalb: kein Kommentar.

"Szene ist hochnervös"

Doch die Frage könnte durchaus relevant werden, wenngleich vielleicht auch nicht für die Beamten in Duisburg. Bereits wenige Stunden nach den Schüssen, es war um 1.40 Uhr, schleuderten Unbekannte einen Brandsatz gegen die Tür des Hells-Angels-Vereinsheims in Gelsenkirchen. Die dortigen Ermittler müssen nun einer Verbindung zu dem mutmaßlichen Mord an der Ruhr nachgehen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es laut Landeskriminalamt zurzeit neun Charter der Hells Angels, 14 Chapter der Bandidos, acht Chapter des Gremium MC und vier Chapter der Outlaws. Letztere spielen für die Polizei jedoch nur eine "untergeordnete Rolle", wie es im "Lagebild Organisierte Kriminalität 2008" heißt.

Demnach stellten die Ermittler zuletzt eine starke Expansionsbewegung der Hells Angels fest, die in Köln, Bielefeld und Siegen neue Niederlassungen gegründet und frühere Mitglieder des Gremium MC rekrutiert hatten. Immer wieder seien daraus bereits "Revierstreitigkeiten" mit den Bandidos entstanden.

Bislang galten das Ruhrgebiet, Westfalen und der Niederrhein eher als Bandidos-Land, doch die Schüsse von Duisburg könnten durchaus Folgen für das Rocker-Machtgefüge in NRW haben, wie ein Spezialermittler befürchtet: "Die Szene ist plötzlich hochnervös. Wir müssen sehr aufpassen."

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