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25.10.2009
 

Dresdner Prozess um getötete Ägypterin

Mordaufruf zur Rache für Marwa

Von Julia Jüttner

Foto: DDP

Der Fall sorgt für Wut, Trauer und Empörung: Alex W. hat im Juli die Ägypterin Marwa al-Schirbini während eines Prozesses erstochen. Nun steht er in Dresden vor Gericht. Die Sicherheitsvorkehrungen und das Interesse in Nahost sind enorm - im Internet gibt es nach SPIEGEL-Informationen einen Mordaufruf.

Hamburg - Vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Marwa al-Schirbini ist im Internet ein Mordaufruf gegen den angeklagten Russlanddeutschen Alex W. aufgetaucht. In einer einstündigen Audiobotschaft legt Scheich Ihab Adli Abu al-Madschd in Deutschland lebenden Muslimen nahe, den Angeklagten zu töten - und stellt dafür Gottes Lohn in Aussicht.

Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) hat die im Sommer eingestellte Drohung ausgewertet und geht laut Ermittlungsakten insgesamt von "einer Bedrohungssituation" für den Angeklagten und andere Verfahrensbeteiligte aus. Die LKA-Analysen sind der Grund für die scharfen Sicherheitsvorkehrungen bei der am Montag in Dresden beginnenden Hauptverhandlung.

Schon in der Nacht werden sich die ersten Scharfschützen und Spezialeinsatzkräfte vor dem Landgericht Dresden positionieren. Mit dem Prozess gegen Alex W. beginnt dann am Montagmorgen für die sächsische Justiz der Ausnahmezustand.

Der 28-Jährige hatte am 1. Juli während einer Gerichtsverhandlung die schwangere Marwa al-Schirbini getötet und deren Mann schwer verletzt. Voller Fanatismus und ohne Vorwarnung stürzte sich der Russlanddeutsche der Anklageschrift zufolge aus fremdenfeindlichen Motiven auf die 31-jährige Ägypterin - und rammte ihr ein mitgebrachtes Küchenmesser mindestens 18-mal in den Oberkörper. Marwa al-Schirbini starb noch am Tatort. Die Staatsanwaltschaft unterstellt Alex W. blindwütigen Hass auf Nichteuropäer und Muslime. Er ist wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Die junge Apothekerin hatte vor Gericht als Zeugin gegen Alex W. ausgesagt, nachdem sie ihn wegen Beleidigung angezeigt hatte. Auf einem Spielplatz hatte Marwa al-Schirbini den Mann gebeten, für ihren dreijährigen Sohn eine Schaukel freizugeben. Sie trug an jenem Tag - wie immer - Kopftuch. Alex W. quittierte ihre Bitte mit einem Wutausbruch und beschimpfte sie als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe".


In einer ersten Verhandlung wegen der Beleidigung war Alex W. laut Staatsanwaltschaft diszipliniert aufgetreten, zeigte sich jedoch uneinsichtig. Das Gericht verhängte daraufhin eine Geldstrafe, Alex W. legte Berufung ein. Es kam zum Revisionsprozess an jenem 1. Juli. Marwa al-Schirbini erschien begleitet von ihrem kleinen Sohn und ihrem 32-jährigen Mann, der derzeit an einem Dresdner Institut an seiner Promotion arbeitet. Die beiden wurden Zeugen wie Alex W. die im dritten Monat schwangere Marwa al-Schirbini tötete. Ihr Mann war ihr noch zur Hilfe geeilt und wollte sie beschützen. Doch auch auf ihn stach Alex W. 16-mal ein und verletzte ihn lebensgefährlich.

Über Notruf verständigten Gerichtswachtmeister die Polizei. Zwei Beamte stürmten in den Saal und hielten offenbar Marwa al-Schirbinis Ehemann zunächst für den Täter. Im Gemenge schossen sie ihm ins Bein. Der Pflichtverteidiger von Alex W. hatte noch versucht, seinen Mandanten mit einem Stuhl in der Hand von weiteren Übergriffen abzuhalten.

Der angeklagte Alex W. will sich vor Gericht äußern

Inzwischen hat der Ehemann Strafanzeige gegen den Gerichtspräsidenten und den Vorsitzenden Richter des damaligen Verfahrens eingereicht - weil diese ihre Sicherheits- und Sorgfaltspflichten verletzt hätten.

Alex W. werde zum Prozessbeginn am Montag eine "Erklärung zur Sache" abgeben, kündigte sein Verteidiger an, der Dresdner Rechtsanwalt Michael Sturm. Er fürchtet um einen fairen Prozess. "Die mediale Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit im islamischen Raum und die enormen Sicherheitsvorkehrungen sind Gift für dieses Verfahren", sagt Sturm SPIEGEL ONLINE. "Es wird sich weisen, ob die Schwurgerichtskammer sich diesem Druck entziehen kann."

Der 28-jährige W. stammt aus dem russischen Perm, wo er eine Lehre als Lagerarbeiter absolvierte. Im Herbst 2003 kam er nach Dresden, fand zunächst keine Arbeit und lebte zuletzt von staatlicher Unterstützung. Berichte, wonach er bereits in der Vergangenheit als Gewalttäter aufgefallen sei, wollte sein Anwalt nicht bestätigen. "Er ist nicht vorbestraft", erklärte Sturm.

Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit keine Hinweise für eine Schuldunfähigkeit des Angeklagten. Dem vorläufigen psychiatrischen Gutachten zufolge ist Alex W. weder schuldunfähig noch vermindert schuldfähig. Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt, rund 30 Zeugen sollen vernommen werden. Das Urteil ist für den 11. November geplant.

"Recht hohe Gefährdung" vor allem des Angeklagten

An allen Sitzungstagen in Dresden werden mehr als 200 Polizisten - darunter Scharfschützen und SEK-Beamte - das Gerichtsgebäude sichern. Es gibt mehrere Sicherheitsschleusen, Kontrollen und abgesperrte Zonen. Das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) hat für den Prozess eine Gefährdungsanalyse erstellt und auf deren Grundlage das Sicherheitskonzept erarbeitet. "Wir stufen die Gefahr sehr hoch ein", sagte eine LKA-Sprecherin SPIEGEL ONLINE.

Im Verhandlungssaal 0.84, in dem das Schwurgericht tagen wird, wurde eine 2,50 Meter hohe Sicherheitsglasscheibe zwischen den Plätzen der Prozessbeteiligten und denen der Zuschauer eingebaut. Sie soll vor möglichen Angriffen aus den Reihen des Publikums schützen. "Denn nicht nur der Angeklagte ist in Gefahr, sondern alle, die am Verfahren teilnehmen", sagte Richter Jürgen Scheuring, Sprecher des Landgerichts Dresden, zu SPIEGEL ONLINE. Seit zwei Monaten kümmere sich ein Team nur um die Sicherheitsvorkehrungen für den Prozess.

Das Verbrechen hatte in der islamischen Welt weithin Entsetzen und heftige Proteste ausgelöst - vor allem in Marwa al-Schirbinis Heimatstadt Alexandria wurden Rufe nach Vergeltung laut. Sicherheitskräfte gehen daher von einer "recht hohen Gefährdung" insbesondere des Angeklagten aus. Nicht auszuschließen seien Racheakte von Islamisten.

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Die neuesten Beiträge:
27.10.2009 von gaga007: .

Bisher wurde immer als "Rechtfertigung" die mangelnde Bildung angeführt - dies stimmt nicht: "Was der zweite Verteidiger W.s, Veikko Bartel aus Potsdam, allerdings im Anschluss an diesen Antrag bot, verschlug [...] mehr...

27.10.2009 von Dette: Irgendwas ist faul

Ich glaube zwar das irgendwas an der Sache faul ist (Anzeige mit anschliessendem Gerichtstermin), jedoch ist Mord Mord und in diesem Fall aus welchen Gruenden auch immer, wohl eindeutig. Wenn der Moerder nun seinerseits [...] mehr...

26.10.2009 von feuervogel 123: die tat ist einfach scheußlich...................

und entsetzlich. Da stirbt eine junge Frau und ihr noch nicht geborenes Kind. Ein Deutscher (ob nun Rußlanddeutscher oder wer auch immer) tötet so bestialisch und hat noch nicht mal ein schlechtes Gewissen oder spürt Reue. Klar, [...] mehr...

26.10.2009 von liborum: Verschwörung

Böse, böse moslemische/islamische Verschwörunng gegen den armen Russlanddeutschen. Ironie off! mehr...

26.10.2009 von liborum: Ignoranz?

Ignoranz - könnte es die auf beiden Seiten geben? Was Ihre Schelte /Zorn über das Bildungssystem angeht- Zustimmung. Das die dritte Generation sich zum Teil nicht integrieren will,die Sprache nicht sprechen will [...] mehr...

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