Berlin/Washington/Fort Hood - Kimberly Denise Munley, 34, wird als Heldin von Fort Hood gefeiert. Eine zierliche Polizistin, die offenbar verhinderte, dass der Amoklauf auf dem US-Militärstützpunkt noch viel mehr Menschenleben forderte. Sergeant Munley stoppte den mutmaßlichen Todesschützen mit vier Schüssen - an ihrem freien Tag.
Munley - der US-Zeitung "Daily News" zufolge Mutter zweier Töchter - wollte am Donnerstag gerade ihr Auto in die Werkstatt bringen, als sie über Funk von dem Amoklauf auf dem Militärstützpunkt hörte: Also habe die 34-jährige Polizistin umgedreht, schreibt die "New York Times", und sei nach Fort Hood gerast. Dort stieß Sergeant Munley direkt auf den mutmaßlichen Amokläufer Nidal Malik Hasan, der mit einer Waffe einem verwundeten Soldaten hinterjagte: Der "New York Times" zufolge habe die Polizistin daraufhin sofort auf Hasan gefeuert, der sich zu ihr drehte und zurückschoss. Beide erlitten Schussverletzungen - und brachen schließlich zusammen.
Nach Informationen der "Washington Post", in der es hieß, Hasan habe zuerst auf die Polizistin geschossen und sie habe dann zurückgefeuert, erlitt Munley Schussverletzungen in beiden Oberschenkeln und im Handgelenk. Hasan wurde von zumindest von einer Kugel in der Brust getroffen.
Der mutmaßliche Täter liegt nach Krankenhausangaben im Koma. Der 39-jährige Armeepsychiater hatte die Schießerei auf einem der größten Militärstützpunkte der USA nach Militärangaben ausgelöst. Von den Verletzten wurden nach Angaben von Oberst John Rossi vom Freitagabend noch 23 im Krankenhaus behandelt, rund die Hälfte davon auf der Intensivstation. Zum Zustand Hasans sagte er lediglich, der Major sei "nicht in der Lage zu sprechen". Er habe mehr als hundert Schüsse abgefeuert, sagte Rossi.
Ob Sergeant Munley, die als begeisterte Jägerin und Surferin gilt, allein verantwortlich für das Ende der Bluttat mit 13 Toten war, blieb unklar. Chuck Medley, der Leiter des Notfalldienstes auf dem Stützpunkt, jedenfalls ist sich sicher: "Sie ist eine wahre Heldin. Sie hatte die Ausbildung, sie wusste, was zu tun war, und sie hatte den Mut, es zu tun - und indem sie es tat, rettete sie das Leben Unzähliger."
Präsident Obama würdigt Mut der Helfer
US-Präsident Barack Obama würdigte in seiner wöchentlichen Videoansprache den Mut und den Einsatz der Helfer in Fort Hood. Amerika habe auf dem texanischen Armeestützpunkt "das Schlimmste" gesehen, was Menschen anrichten könnten, aber auch "das Beste". Soldaten und Zivilisten seien den Verletzten zu Hilfe geeilt, hätten ihre Hemden in Stücke gerissen, um Wunden zu verbinden, und sie hätten den Schützen niedergeschossen, obwohl sie selbst verletzt gewesen seien, sagte der Präsident.
Nach japanischen Medienberichten will Obama seinen für nächste Woche geplanten Tokio-Besuch um einen Tag verschieben, um an der Gedenkfeier für die Todesopfer von Fort Hood teilnehmen zu können. Wie der japanische Fernsehsender NHK berichtete, bat Obama um die Verschiebung der Visite vom Donnerstag auf Freitag. Japan ist die erste Station einer mehrtägigen Asienreise des US-Präsidenten.
Hunderte von Trauernden gedachten am Freitagabend in Fort Hood der Toten und Verletzten des Blutbads vom Vortag. Davor wurden die 13 in US-Fahnen gehüllten Särge zum Leichenschauhaus des Heeres im Staat Delaware gebracht. Bei einer Autopsie solle geklärt werden, ob einige von ihnen von anderen Schüssen als denen des Amokläufers getötet wurden, sagte ein Militärsprecher.
Hasan sollte nach Afghanistan versetzt werden
Der Militärpsychiater Hasan stand vor einer Versetzung nach Afghanistan, die er vehement ablehnte. Er sollte dort als Psychiater Soldaten betreuen. Der gläubige Muslim palästinensischer Abstammung hatte sich öffentlich gegen die Kriege in Irak und Afghanistan geäußert.
Bei seinem Amoklauf benutzte er eine Handfeuerwaffe, die er legal in einem Waffengeschäft in Killeen im US-Bundesstaat Texas erwarb, teilten die Behörden mit. Die FN 5.7 wird wegen ihrer Fähigkeit, mit spezieller Munition sogar schusssichere Westen durchschlagen zu können, auch "Cop-Killer" genannt. In den USA waren deshalb schon vor dem Blutbad in Fort Hood Rufe laut geworden, ihren Verkauf zu verbieten. Die Waffe aus der Produktion der belgischen Firma FN Herstal wird von Polizeispezialeinheiten mehrerer Staaten einschließlich der USA, aber auch von der mexikanischen Rauschgiftmafia verwendet.
flo/dpa/AP
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