Hasan hatte am Donnerstag auf dem US-Militärstützpunkt im Bundesstaat Texas um sich geschossen, 13 Menschen getötet und 29 verletzt. Dem Zeitungsbericht zufolge wurden auf dem Computer des 39-Jährigen Hinweise gefunden, dass er Internetseiten besuchte, auf denen radikalislamische Ideologien vertreten werden. Außerdem habe er womöglich in E-Mail-Kontakt mit Mitgliedern der islamischen Bewegung gestanden, eventuell in anderen Ländern. Hasan könnte im Internet Hetzparolen verfasst haben, die Selbstmordattentate rechtfertigen - wobei diese Spur noch nicht untermauert sei, berichtet die "New York Times". Geprüft werde auch, ob er vor seinem Amoklauf Dokumente vernichtet hat und mehrere Scheinidentitäten im Internet hatte.
Es gibt dem Bericht zufolge aber keine Hinweise, dass Hasan von Extremisten gesteuert oder unterstützt wurde. Hasan habe nach den bisherigen Ermittlungen nicht im Auftrag einer Terrororganisation oder als versuchter Selbstmordattentäter gehandelt, sagte am Wochenende Chris Grey, Sprecher der Kriminalabteilung der Armee.
"Cop-Killer" auf das Militärgelände geschmuggelt
Der 39-Jährige liegt noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Als ein Erklärungsmodell für seine Tat legen Ermittler laut "New York Times" nahe, dass Hasan seit langem an emotionalen Problemen durch seine Arbeit gelitten habe - er betreute Veteranen der Kriege im Irak und in Afghanistan, die mit schweren seelischen Problemen in die Heimat zurückgekehrt waren. Dies scheine seine Wut auf die US-Politik in Afghanistan und im Irak verstärkt und seine zunehmend militanten Ansichten befeuert zu haben. Er habe immer stärker zu extremen religiösen Ansichten geneigt, die jetzt schließlich ausgebrochen sein könnten, weil er Ende November nach Afghanistan versetzt werden sollte, zitiert die Zeitung Ermittlungsinsider. Gegen einen Einsatz in dem Land hatte sich Hasan vehement gewehrt.
Fest steht, dass es kaum eine spontane Tat gewesen sein kann - denn Hasan musste die Tatwaffe laut US-Medien erst entgegen der Vorschriften ins Camp schmuggeln. Er benutzte den Behörden zufolge eine schwerkalibrige Handfeuerwaffe, die er legal erworben hatte. Die FN 5.7 wird wegen ihrer Fähigkeit, mit spezieller Munition sogar schusssichere Westen durchschlagen zu können, auch "Cop-Killer" genannt. Hasan hatte außerdem in den Tagen vor der Tat begonnen, sein Hab und Gut zu verschenken, darunter seinen Koran. In den vergangenen Wochen habe Hasan zudem häufiger "arabische Kleidung" getragen, berichteten Nachbarn. Kurz bevor er Amok lief, rief er Augenzeugen zufolge "Allahu Akhbar" - "Gott ist groß".
Lieberman hält "schlimmsten Terroranschlag" seit 9/11 für möglich
Das US-Militär muss sich nun vorwerfen lassen, Warnzeichen nicht früh genug erkannt zu haben. Die Verantwortlichen im Pentagon und in Texas sollten sich fragen, ob sie die Alarmzeichen bei Hasan nicht hätten früher sehen müssen, schrieb die "Washington Post". So haben Hasans Kollegen laut der Nachrichtenagentur AP in einem medizinischen Aufbaustudiengang sich wegen dessen "antiamerikanischer Propaganda" beschwert. Von einer schriftlichen Eingabe sahen sie aber ab, da sie nach eigenen Angaben befürchteten, damit diskriminierend gegenüber Muslimen zu erscheinen.
Der unabhängige Senator Joe Lieberman, Vorsitzender des Heimatschutzausschusses, forderte im Sender Fox News Ermittlungen zu der Frage. Es müsse geklärt werden, ob es sich um einen Terrorakt handelte, ob den Streitkräften Hinweise entgangen seien und ob erkennbar gewesen sei, dass sich Hasan womöglich zu einem Islamisten wandelte. In diesem Falle hätten die Streitkräfte "null Toleranz" zeigen dürfen, sagte Lieberman. Sollten die bisherigen Berichte zutreffen, handele es sich um den "schlimmsten Terroranschlag" seit dem 11. September 2001. Der Täter trage die Züge eines Terroristen, der sich in den USA selbst radikalisiert habe.
US-Präsident Barack Obama und der Generalstabschef des Heeres, General George Casey, mahnten, der muslimische Glaube des Täters dürfe nicht dazu führen, dass alle Muslime in den Streitkräften kritisch betrachtet würden. Es sei gerade eine der Stärken der US-Streitkräfte, dass es darin so viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gebe. Obama forderte Geduld bei der Aufklärung der Tat. "Wir können nicht vollständig wissen, was einen Mann zu so einer Sache treibt", sagte er in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. "Wir haben das Schlechteste der menschlichen Natur in seiner deutlichsten Form gesehen. Zugleich sahen wir das Beste von Amerika", fügte er mit Verweis auf die Polizistin Kimberley Munley hinzu.
Sie hatte Hasan mit vier Schüssen verletzt, obwohl sie selbst getroffen wurde - und wird nun als Heldin gefeiert.
plö/dpa/AFP/AP
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