Mittwoch, 10. Februar 2010

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09.11.2009
 

Nach Blutbad

Attentäter von Fort Hood ist bei Bewusstsein

Der Attentäter von Fort Hood ist wieder ansprechbar. Major Nidal Malik Hasan, der bei seinem Amokauf schwer verletzt worden war, ist laut Klinik in stabilem Zustand. Wann die Ermittler mit ihm sprechen können, ist offen - sie untersuchen jetzt eine Spur zu einem radikalen Imam.

Hamburg/San Antonio- Vier Tage nach dem Amoklauf in der texanischen Kaserne Fort Hood ist der schwer verletzte Täter wieder ansprechbar. Der 39-jährige Major Nidal Malik Hasan, der für den Tod von 13 Soldaten und 29 Verletzte verantwortlich gemacht wird, war nach Angaben des Militärkrankenhauses in San Antonio am Montag in stabilem Zustand. Wann die Ermittler ihn befragen würden, war aber noch offen.

Der Sprecher des Brooke Militärkrankenhauses in San Antonio, Dewey Mitchell, berichtete laut CNN, das Beatmungsgerät sei bereits am Samstag entfernt worden und Hasan habe zu sprechen begonnen.

Der Psychiater hatte am vergangenen Freitag in Fort Hood, dem größten Militärstützpunkt in den USA ein Blutbad angerichtet, 13 Menschen wurden getötet und mindestens 38 weitere verletzt. Das Tatmotiv war auch am Montag noch unklar.

Das FBI untersucht unterdessen eine mögliche Verbindung zwischen Nidal Malik Hasan und einem als Unterstützer von al-Qaida geltenden Imam. Der mutmaßliche Todesschütze von Fort Hood besuchte 2001 dieselbe Moschee wie der als radikal bezeichnete Prediger Anwar al-Awlaki, der in Verbindung mit Terroristen stand, wie Ermittler laut "Washington Post" sagten. Al-Awlaki war Imam im islamischen Zentrum Dar al-Hidschrah in Falls Church im US-Staat Virginia, als dort am 31. Mai 2001 eine Trauerfeier für Hasans Mutter stattfand. Ob Hasan persönlichen Kontakt zu dem Imam hatte oder später dessen Vorträge im Internet verfolgte, war zunächst aber nicht bekannt.

Anwar al-Awlaki äußerte sich am Montag auf seiner Website in einem Blogeintrag erstmals öffentlich zur Bluttat von Fort Hood: "Nidal Hassan ist ein Held", beginnt der Text. "Er ist ein Mann, der den Widerspruch nicht länger ertrug, gleichzeitig ein Muslim zu sein und in einer Armee zu dienen, die gegen seine eigenen Leute kämpft."

Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass Hasan das Blutbad in Fort Hood allein anrichtetet hat und nicht dazu angestiftet wurde, wie ein Ermittler laut "Washington Post" am Sonntag sagte. Sie untersuchen den Computer des 39-Jährigen sowie seine zahlreichen Email-Accounts und erstellen ein psychologisches Profil von dem Armeearzt, um ein mögliches Motiv zu erkennen.

"Ich werde morgen nicht hier sein"

Unterdessen wurden weitere Details über die Tat bekannt. Am Abend zuvor hatte sich Hasan mit einem Bekannten zum Essen getroffen und davon gesprochen, nicht nach Afghanistan gehen zu wollen. "Er hatte das Gefühl, aussteigen zu müssen", sagte Duane Reasoner der "New York Times". Im Koran stehe, als Muslim solle man keine Allianzen mit Juden oder Christen eingehen, und wenn man in einem Kampf mit Muslimen getötet werde, komme man in die Hölle, sagte Hasan demnach.

Am Morgen der Tat war Hasan um 6 Uhr zum Gebet in der Moschee. Anschließend verabschiedete er sich von Freunden dort und bat einen Mann um Vergebung für frühere Verfehlungen, wie die "New York Times" berichtete. "Ich werde verreisen", sagte Hasan der Zeitung zufolge einem Gläubigen und umarmte ihn: "Ich werde morgen nicht hier sein."

Wenige Stunden später betrat Hasan den Bereich in Fort Hood, in dem Soldaten medizinisch behandelt werden, bevor sie zu einem Übersee-Einsatz geschickt werden. Zunächst habe er ruhig an einem Tisch gesessen, den Kopf nach vorne geneigt, als betete er, dann sei er aufgestanden und habe seine Pistole gezogen, sagten Zeugen laut "NYT". Mit den Worten "Allahu akbar" - "Gott ist groß" eröffnete er das Feuer. Insgesamt soll er 100 Schüsse abgegeben haben.

Hasan soll sich systematisch durch den Raum vorgearbeitet haben, dabei verschonte er einige Menschen, während er auf andere mehrfach schoss. Warum er so vorging, ist unklar. Bis auf ein Opfer waren alle Getöteten Soldaten, fünf von ihnen arbeiteten ebenfalls im Medizinbereich.

Obama verschiebt Asien-Reise wegen Trauerfeier

Der 39-Jährige scheint ein Mann voller Widersprüche zu sein: Von vielen Nachbarn wird er, der trotz eines guten Gehalts in einem heruntergekommenen Apartment lebte, als zurückhaltend, aber auch freundlich und extrem hilfsbereit beschrieben. Einem Onkel zufolge soll er Psychiater statt Chirurg geworden sein, nachdem er einmal bei einer Geburt ohnmächtig geworden war. Der in Ramallah lebende Rafiq Hamad beschreibt seinen Neffen als sehr sensiblen Menschen, der seinen Vogel aus dem Mund fütterte und monatelang trauerte, als das Tier starb.

Seit 2004 soll sich Hasan seinen Verwandten zufolge verändert haben. Er wurde immer wütender über die Armee und die Kriege in Afghanistan und im Irak. Vor allem sein eigener, für Ende des Jahres geplanter Einsatz soll ihn zunehmend belastet haben.

US-Präsident Barack Obama hat wegen seiner Teilnahme an der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs seine Asien-Reise verschoben. Er wird einem Regierungsvertreter zufolge nun erst am Donnerstag statt wie geplant am Mittwoch nach Japan aufbrechen. Anschließend reist der Präsident nach Singapur, China und Südkorea weiter. Die Trauerfeier in Fort Hood ist für Dienstag angesetzt.

siu/yas/AP/dpa

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