Bonn - Sie gab den modernen Robin Hood und buchte rund 7,6 Millionen Euro von den Konten reicher Kunden auf die Konten armer Kunden um: Wegen Untreue in 117 Fällen verurteilte das Amtsgericht Bonn am Montag die Leiterin einer Bankfiliale zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.
Die 62-Jährige, die selbst keinen Cent in die eigene Tasche steckte und sich mit ihren Aktionen am Ende selbst ruinierte, erklärte: "Ich kann mich selbst nicht verstehen, offenbar habe ich ein Helfersyndrom."
Auch die Vorsitzende Richterin sagte, es sei nicht nachvollziehbar, wie sie es so weit habe kommen lassen können. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihren Plädoyers am Montag eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, die Verteidigung von eineinhalb Jahren gefordert.
Niemand fragte nach
Mindestens über 14 Monate lang soll die Filialleiterin ihr Umbuchungssystem betrieben haben, bei dem sie von den Reichen nahm, um den Armen zu geben. Weder den Begünstigten noch den Geschädigten erzählte sie von den Geldschiebereien. Von den Kunden, die stets in den Miesen gewesen seien, habe aber auch keiner hintergefragt, wo das Geld plötzlich hergekommen sei, sagte sie.
Ihr Plan sei es gewesen, sich das Geld von den Sparkonten reicherer Kunden für den Zeitraum zu leihen, in dem die Überziehungslisten der Bank geprüft wurden. Damit Kunden, die bereits weit im Minus waren, keine Probleme erhielten, buchte sie in den Prüfungszeiträumen das Geld wohlhabender Kunden auf die überzogenen Konten um. Dabei handelte es sich den Ermittlungen zufolge teilweise um Beträge bis zu 2,3 Millionen Euro. Nachdem die Prüfung vorbei war, überwies sie das Geld wieder zurück.
Allerdings klappte das nicht immer problemlos: Weil einige der Kunden so stark in den roten Zahlen waren, war eine Rückbuchung teilweise nicht mehr möglich. Insgesamt konnte sie den Ermittlungen zufolge nur 6,5 Millionen der insgesamt 7,6 Millionen Euro wieder zurückerstatten. Aufgeflogen war der Betrug bei internen Prüfungen der Bank.
Bankerin nun selbst arm
Die Vorsitzende Richterin erklärte, viele Menschen hätten sich mit den Geldschiebereien der Filialleiterin ein schönes Leben gemacht, während ihres den Berg hinuntergegangen sei. Die 62-Jährige verlor nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr ganzes Vermögen, weil die Bank sie für den entstandenen Schaden von 1,1 Millionen Euro in Regress nahm.
Verteidiger Thomas Ohm sagte, seine Mandantin lebe derzeit nur von einer kleine Frührente, die bis auf das Existenzminimum gepfändet werde. Auch ihr kleines Einfamilienhaus wie auch ein vermietetes Mehrfamilienhaus habe sie verloren.
jdl/AP
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