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29.11.2009
 

Aachener Gewaltverbrecher auf der Flucht

Polizei fasst Ausbrecher Heckhoff

Aachener Ausbrecher: Nach der Flucht die Festnahme
Fotos
AP/ Polizei Aachen

Tagelang hatten die Ausbrecher von Aachen die Fahnder in Atem gehalten, jetzt hat die Flucht für einen der hochgefährlichen Gewalttäter ein Ende. Die Polizei hat Michael Heckhoff in Mülheim an der Ruhr festgenommen.

Mülheim/Hamburg - Drei Tage lang hat die Polizei nach den zur Sicherungsverwahrung verurteilten Aachener Häftlingen Michael Heckhoff und Peter Michalski gefahndet. Insgesamt viermal nahmen die Gewaltverbrecher Geiseln. Am Sonntag endete die Flucht für den 50-jährigen Heckhoff in Mülheim an der Ruhr. Um 11.03 Uhr wurde er festgenommen. "Wo der konkrete Zugriff erfolgte können wir aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht sagen", erklärte eine Polizeisprecherin SPIEGEL ONLINE.

Heckhoff wird als einer der gefährlichsten Geiselgangster in Deutschland eingestuft: Er saß seit Anfang der achtziger Jahre mit kurzen Unterbrechungen im Gefängnis und ist vor allem wegen einer Geiselnahme 1992 in der JVA Werl zu trauriger Bekanntheit gelangt. Heckhoffs damaliger Komplize - ein Mehrfachmörder - übergoss einen Wachmann und eine junge Arzthelferin mit Benzin und zündete sie vor dem Zugriff der Polizei an.

Heckhoffs Komplize, der wegen Mordes verurteilte Michalski, ist weiterhin auf der Flucht. Passanten hatten den Fluchtwagen, einen schwarzen 5er BMW, den die Männer am Vorabend einem Essener Ehepaar abgenommen hatten, am Sonntag um 10.15 Uhr in einer Seitenstraße in Mülheim entdeckt. In der Nähe habe sich Heckhoff aufgehalten. Er wurde von einem Spezialeinsatzkommando überwältigt.

Details zu seiner Festnahme und dem aufgefunden Fluchtauto wollten die Ermittler zunächst nicht nennen. "Wir möchten das Risiko eines zweiten Geiseldramas von Gladbeck mit allen Mitteln verhindern", so die Sprecherin. Die Fahndung konzentriere sich nun auf Michalski und rechnet mit dessen baldiger Festnahme. Den Erkenntnissen zufolge hält er sich noch immer im Umkreis des Ortes auf, wo sein Komplize gefasst worden war. "Wir vermuten ihn im Raum Essen/Mülheim", sagte ein Polizeisprecher. "Wir hoffen schwer, auch ihn bald zu schnappen."

Michalski soll den Raum Mülheim gut kennen und dorthin Kontakte haben. Ob familiärer oder freundschaftlicher Art, wollte die Polizei nicht sagen. Der 46-Jährige ist ein verurteilter Mörder und besonders gewalttätiger Mehrfachtäter. Er verbüßte laut NRW-Justizministerium bereits als Heranwachsender eine Jugendstrafe. 1985 wurde er entlassen, drei Jahre später aber schon wieder festgenommen. 1988 verurteilten ihn die Richter zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft, unter anderem wegen schweren Raubes.

1993 erschoss Michalski im Hafturlaub einen Mittäter - und erhielt dafür eine lebenslange Haftstrafe. Das Bielefelder Landgericht stellte im März 1995 die besondere Schwere der Schuld fest. Damit war eine Überprüfung der Haftstrafe nach 15 Jahren für den gebürtigen Herforder blockiert. Anfang 2006 war er von der JVA Wuppertal nach Aachen verlegt worden, dort gelang ihm der Ausbruch.

Die Geiseln sind "entsprechend mitgenommen"

Mehr als 60 Stunden bewegten sich Michalski und Heckhoff im Ruhrgebiet, die Polizei musste tatenlos zusehen, wie sie sich erfolgreich einem angeblich so dichten Fahndungsnetz entzogen.

Am Samstag ließen sich die als hochgefährlich geltenden Ausbrecher von dem Geschäftsführer einer Firma durch das Ruhrgebiet fahren, erst nach Stunden durfte der Mann in Mülheim aussteigen. Zunächst hieß es, auch seine Ehefrau sei entführt worden. Es war zunächst der letzte konkrete Hinweis auf die beiden Flüchtigen. Bis zum Sonntagmorgen fahndete die Polizei nach dem Auto des Ehepaars, mit dem die Ausbrecher geflohen waren. Gegen 11 Uhr wurde der Wagen schließlich in Mülheim an der Ruhr gefunden. An welchem Ort wollte die Polizei nicht bekanntgeben, um zu verhindern, dass die Bevölkerung den Fundort aufsuche. "Es besteht Gefahr für Leib und Leben", sagte ein Sprecher.

Kurz darauf erfolgte der Zugriff auf Heckhoff. In welchem Zustand sich der 50-Jährige befand, wollten die Ermittler nicht kommentieren. Bei der Fahndung waren sie davon ausgegangen, dass die beiden schwer bewaffneten Ausbrecher die meiste Zeit weder geschlafen noch gegessen hätten - und sie "zu allem in der Lage" seien.

Am Donnerstagabend war den beiden 50- und 46-jährigen Männern die Flucht aus dem Hochsicherheitstrakt der Aachener Justizvollzugsanstalt geglückt. Die Geiseln, die sie bisher in ihrer Gewalt hatten, seien "zwar körperlich unverletzt, aber entsprechend mitgenommen", erklärte die Polizei.

Am Samstagvormittag hatten die zu Sicherungsverwahrung verurteilten Häftlinge ein älteres Ehepaar in Essen-Werden überfallen und den Mann gezwungen, sie herumzuchauffieren. Gegen 19 Uhr, so ein Polizeisprecher, ließen sie ihn in Mülheim-Saarn wieder frei und flohen mit seinem schwarzen BMW der 5er-Reihe und dem amtlichen Essener Kennzeichen E - PS 1010.

Ihr mutmaßlicher Fluchthelfer schweigt unverdrossen

Vor der Geiselnahme in Essen-Werden hatten Heckhoff und Michalski eine 19-Jährige bedroht und gezwungen, sie mit ihrem Auto mitzunehmen. Doch wegen Benzinmangels sei der Wagen in Essen-Kettwig liegengeblieben, die Männer flüchteten daraufhin zu Fuß. Die Schülerin ließen sie unverletzt zurück.

Zu Beginn ihrer Flucht hatten sich die flüchtigen Verbrecher von einem Taxifahrer nach Kerpen-Buir fahren lassen. Dort zwangen sie einen weiteren Taxifahrer, sie nach Köln zu fahren. Beide Fahrer ließen sie in der Nähe des Hauptbahnhofs frei und verschwanden zu Fuß in Richtung Innenstadt.

Ein Gefängniswärter der JVA Aachen steht unter Verdacht, die Schwerverbrecher aus der Haftanstalt herausgeschleust und sie mit schussbereiten Dienstwaffen samt Munition versorgt zu haben. Der 40-Jährige sitzt bereits in Untersuchungshaft und verweigere bisher die Aussage, erklärte Sprecherin des nordrhein-westfälischen Justizministeriums, Andrea Bögge. Ihm werden den Angaben zufolge Gefangenenbefreiung im Amt und Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.

Wie genau die Ausbrecher die insgesamt fünf verschlossenen Türen im Hochsicherheitstrakt überwinden konnten, ist noch unklar.

jjc

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