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29.11.2009
 

Flüchtiger Schwerverbrecher

Polizei richtet Aufgabe-Appell an Michalski

Aachener Ausbrecher: Nach der Flucht die Festnahme
Fotos
AP/ Polizei Aachen

Knapp 64 Stunden hielten die hochgefährlichen Ausbrecher der JVA Aachen Fahnder und Bevölkerung in Atem, dann wurde Michael Heckhoff von einem SEK-Team überwältigt. Nun fordert die Polizei den noch flüchtigen Peter Michalski dazu auf, sich zu stellen.

Mülheim/Hamburg/Berlin - Als sich das Fahndungsnetz immer enger zugezogen hatte, fassten Heckhoff und Michalski offenbar den Plan, sich zu trennen. Hätten sie es nicht getan, säßen vielleicht beide Schwerverbrecher wieder in Haft. So wurde der 50-jährige Heckhoff gefasst, Michalski jedoch ist weiterhin auf der Flucht.

Am Sonntagabend richtete die Polizei einen Appell an Michalski: "Beenden Sie Ihre Flucht, bevor Menschen zu Schaden kommen." Die letzten Tage hätten gezeigt, so ein Polizei-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE, dass es dem Gesuchten nicht darum gehe, Menschen zu schaden. Die Fahnder forderten Michalski auf, seine Flucht gewaltfrei zu beenden und sich zu stellen.

Berichte, wonach sich Michalski im Raum Düsseldorf aufhalten soll, wollten die Ermittler nicht kommentieren. "Zu diesen Spekulationen halten wir uns aus ermittlungstaktischen Gründen ganz bewusst zurück", erklärte ein Polizeisprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zu Erkenntnissen, wonach der 46-Jährige in Mülheim an der Ruhr an einer Haustür geklingelt und eine Bewohnerin als Geisel genommen habe, wollte er nichts sagen.

Passanten hatten am Sonntag um 10.15 Uhr den Fluchtwagen, mit dem die beiden Ausbrecher stundenlang durchs Ruhrgebiet fuhren, in einer Seitenstraße in Mülheim entdeckt. Hier wurde Heckhoff, dessen Fahndungsbild einen scheinbar harmlos wirkenden, grinsenden Schwerverbrecher zeigt, 1959 geboren. Um 11.03 Uhr konnte er in der Innenstadt von einem Spezialeinsatzkommando überwältigt werden.

Aus Versehen einen Unbeteiligten festgenommen

Weder Heckhoff noch einer der Beamten wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der korpulente 50-Jährige trug eine Schusswaffe und Munition bei sich. Details zur Festnahme gaben die Fahnder nicht bekannt. "Solange wir den zweiten Mann nicht haben, halten wir uns mit Einzelheiten zurück", so ein Sprecher. "Wir möchten das Risiko eines zweiten Geiseldramas von Gladbeck mit allen Mitteln verhindern."

Am Nachmittag kam es bei der Fahndung zu einer Panne: Ein Mann war mit dem noch Flüchtigen verwechselt worden. Wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem entflohenen Mörder wurde er kurzzeitig festgenommen. Die Suche nach Michalski gestalte sich schwierig, erklärte ein Polizist, weil unklar sei, wie er sich fortbewege. "Wir wissen einfach nicht, wie er unterwegs ist."

Mit Hochdruck werde nach Michalski gesucht. "Wir hoffen schwer, auch ihn bald zu schnappen." Der 46-Jährige ist ein verurteilter Mörder und besonders gewalttätiger Mehrfachtäter. Er verbüßte laut NRW-Justizministerium bereits als Heranwachsender eine Jugendstrafe. 1985 wurde er entlassen, drei Jahre später aber schon wieder festgenommen. 1988 verurteilten ihn die Richter zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft, unter anderem wegen schweren Raubes.

1993 erschoss Michalski im Hafturlaub einen Mittäter - und erhielt dafür eine lebenslange Haftstrafe. Das Bielefelder Landgericht stellte im März 1995 die besondere Schwere der Schuld fest. Damit war eine Überprüfung der Haftstrafe nach 15 Jahren für den gebürtigen Herforder blockiert. Anfang 2006 war er von der JVA Wuppertal nach Aachen verlegt worden, dort gelang ihm der Ausbruch.

Zwischenzeitlich wurden die Ausbrecher im Ausland vermutet

Am Samstag hatten Heckhoff und Michalski ein Ehepaar in Essen in ihre Gewalt gebracht und deren schwarzen BMW der 5er-Reihe als Fluchtwagen verwendet. Nachdem der Ehemann die beiden Verbrecher stundenlang durch das Ruhrgebiet fahren musste, ließen sie ihn in einem Mülheimer Waldgebiet schließlich frei.

Um eine Flucht der beiden nach Belgien oder in die Niederlande zu verhindern, kontrollierten Bundes- und Landespolizei an ausgewählten Stellen den grenznahen Verkehr.

Heckhoff und Michalski waren am Donnerstagabend aus dem Gefängnis in Aachen ausgebrochen. Sie hatten fünf schwere, verschlossene Türen der bisher als ausbruchsicher geltenden Haftanstalt mit einem Schlüssel geöffnet. Dabei hatten sie anscheinend fachkundige Hilfe: Ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalt Aachen soll die Gefangenen "vorsätzlich aus der JVA herausgeschleust und mit schussbereiten Dienstwaffen nebst Munition ausgestattet haben", wie das Düsseldorfer Justizministerium mitteilte.

Der 40 Jahre alte Mann wurde am Freitag festgenommen, am Samstag erließ ein Richter Haftbefehl. Zur Sache habe der Beschuldigte nichts ausgesagt.

Nach ihrem Ausbruch verschwanden die Gewaltverbrecher mit einem nach ersten Erkenntnissen zufällig vorbeikommenden Taxi nach Kerpen und stiegen dort mitsamt dem Fahrer in ein zweites Taxi um, das sie nach Köln brachte. Dort verlor sich auf dem Bahnhofsplatz ihre Spur. Am Freitagnachmittag zwangen Michalski und Heckhoff eine 19 Jahre alte Schülerin, sie mit ihrem Wagen nach Essen zu bringen. Als der Tank leer war, flüchteten die beiden zunächst zu Fuß weiter.

jjc/otr

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