Tübingen - Die 38-Jährige aus Mössingen in Baden-Württemberg bestritt am Mittwoch vor dem Landgericht Tübingen, ihre 14 Monate alte Tochter ertränkt zu haben. Zugleich gab sie aber zu, das ältere Kind getötet zu haben.
Sie habe zunächst ihre beiden Kinder einige Zeit beim Baden allein gelassen. Dann habe sie ihre ältere Tochter schreiend und das Baby mit dem Gesicht nach unten in der Badewanne vorgefunden, so die Angeklagte weiter. Das leblose Kind habe sie daraufhin aus der Wanne genommen und versucht, ihre Tochter zu trösten. "Auf einmal kam mir der Gedanke, wie wir wieder zusammensein können", sagte die Mutter.
Daraufhin habe sie den Kopf der Siebenjährigen unter Wasser getaucht, "bis alles vorbei war", sagte die gebürtige Ungarin. Anschließend habe sie zwei Tage lang versucht, sich selbst umzubringen, bevor sie die Nachbarin bat, die Polizei zu rufen. In den Tagen vor der Tat seien beide Kinder krank gewesen, vor allem der älteren Tochter sei es sehr schlecht gegangen. Als es langsam besser wurde, habe sie die Mädchen in die Badewanne gesetzt.
Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte anhand der Ermittlungsergebnisse allerdings ein anderes Tatgeschehen. Demnach hat die Frau den Mädchen zunächst Schlafmittel verabreicht und dann beide ertränkt. Die Anklage lautet im Fall der Siebenjährigen auf Mord, bei dem Baby auf Totschlag. Die Mutter gab an, den erkrankten Kindern lediglich Medikamente gegen Fieber und Durchfall gegeben zu haben.
Die Richter ließen erkennen, dass sie massive Zweifel an den Aussagen der Angeklagten haben. Die Frau habe bereits Wochen vor der Tat den Begriff "Kindstötung" in Internet-Suchmaschinen eingeben. Einer der Richter betonte: "Wir nehmen alles auf, aber wir müssen nicht alles glauben."
Der Tat, die sich nach Angaben der Angeklagten am 17. März ereignet hat, war offenbar ein eskalierender Familienstreit vorausgegangen. In Mössingen, wohin die heute 38-Jährige mit ihrem Mann und den beiden Kindern im Jahr 2008 gezogen war, habe sie keine Kontakte aufbauen können, klagte die Frau. Dann habe sie den Verdacht gehegt, ihr Mann könne sie betrügen. "Es ging mir Tag für Tag immer schlimmer. Zum Schluss war ich wirklich nur noch fertig."
Die 38-Jährige gab an, vor der Tat mit dem alltäglichen Leben überfordert gewesen zu sein. Sie habe unter starken Depressionen gelitten und sich kurz vor der Tat entschlossen, ihren Mann zu verlassen. Der Vater der Kinder tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf, er wurde aber nur durch seinen Anwalt vertreten.
Der Prozess zog sich am Mittwoch in die Länge, weil sich die Aussagen der 38-Jährigen teils deutlich von dem unterschieden, was sie im Vorfeld in polizeilichen Vernehmungen oder im Gespräch mit einem psychiatrischen Gutachter gesagt hatte. Mit dem Zeitplan des auf fünf Verhandlungstage angesetzten Prozesses war das Gericht deshalb deutlich in Verzug.
ala/dpa/ddp
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