Von Julia Jüttner
Hamburg - Einen Kumpel verrät man nicht. Und so schweigen im Fall der Ausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski die meisten Beteiligten. Einer redet munter drauf los. Aber: Sagt er die Wahrheit?
Fünf Tage lang war in Nordrhein-Westfalen landesweit nach den beiden Schwerverbrechern gefahndet worden, die in einer spektakulären Aktion aus dem Gefängnis in Aachen geflohen waren. Jetzt sitzen beide Männer wieder hinter Gittern - und die Ermittler müssen klären, wer ihnen beim Ausbruch half. Dass es mehrere Helfer gewesen sein müssen, scheint sicher.
So behauptete Heckhoff in der "Bild"-Zeitung zwar, es habe "zufällig" just in dem Moment ein Taxi vor dem Gefängnis gehalten, als er und sein Komplize Michalski das Gebäude verließen - der Wagen habe einen anderen Gefangenen vom Hafturlaub zurückgebracht.
Doch die Ermittler glauben dem 50-jährigen Schwerverbrecher nicht. "Wir gehen davon aus, dass es kein Zufall gewesen sein kann, dass das Taxi in dieser Sekunde vor dem Gebäude hielt", sagt Oberstaatsanwalt Robert Deller SPIEGEL ONLINE. Vielmehr gehe man davon aus, dass jener 35-jährige Gefangene den beiden Häftlingen bewusst zur Flucht verholfen habe. Die drei kannten sich bestens, sie waren zeitweise im selben Hafthaus der Anstalt untergebracht.
Der 35-Jährige, wegen Einbruchdiebstahls verurteilt und inzwischen Freigänger, kam an jenem Abend später als erwartet - aber pünktlich zum Ausbruch. Gegen den Mann sei ein Ermittlungsverfahren wegen Gefangenenbefreiung eingeleitet worden. Der Freigang hatte als Vorbereitung auf die Entlassung des 35-Jährigen gedient. Sie stand kurz bevor. Eine Vernehmung des mutmaßlichen Fluchthelfers sei für die nächsten Tage geplant.
Heckhoff und Michalski legten mit dem Taxi die erste Flucht-Etappe nach Kerpen-Buir zurück. "Ich hab dem Fahrer meine Knarre gezeigt und gesagt: Pech gehabt, wir sind gerade ausgebrochen. Aber er meinte, dass er damit klarkommt", wurde Heckhoff in der "Bild" zitiert.
Vollzugsbeamter schon einmal unter Verdacht
Kurz nach dem Ausbruch war bereits ein 40-jähriger Vollzugsbeamter festgenommen worden. Dieser schweige noch immer beharrlich, sagte Oberstaatsanwalt Deller. Er soll Michalski und Heckhoff buchstäblich die Türen zur Flucht geöffnet haben.
Auf einem Überwachungsvideo, das im Bereich der Eingangsschleuse für Fahrzeuge angebracht sei, sei der Mann zwar nur allein zu sehen. "Man sieht nicht, wie er ihnen die Türen öffnet", so Deller. Schatten ließen aber vermuten, dass sich Heckhoff und Michalski hinter dem 40-Jährigen befanden. Der Vollzugsbeamte habe, so Deller, durch eine Verbindungstür die Schleuse betreten und diese Türe bewusst offen gelassen.
Der Beamte soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft die beiden Schwerverbrecher auf dem Weg zur Pforte durch insgesamt fünf verschlossene Türen geschleust und ihnen dann zwei Waffen und Munition gegeben haben. Bilder gibt es von dem Vorgang nicht. Der verdächtige Beamte war auf dem Weg zur Pforte, weil er dort einen Kollegen vertreten sollte. Der musste seine Kontrollrunde ums Gefängnis fahren. Der Eingangsbereich ist in dieser Zeit mit nur einem Pförtner besetzt.
Über mögliche Motive des verdächtigen Vollzugsbeamten sei nichts bekannt. Der scheint scheint jedoch kein unbeschriebenes Blatt zu sein. Nach der Flucht eines Gefangenen 2006 bei einem Außentermin sei gegen den 40-Jährigen und einen zweiten Bewacher schon einmal ermittelt worden. Man habe ihm damals aber nichts nachweisen können. Dieses Mal stehen die Chancen der Ermittler besser: "Das Video allein ist nicht unbedingt ein Nachweis der Fluchthilfe, in Verbindung mit gewissen Rückschlüssen jedoch durchaus", sagte Deller.
Heckhoff kämpfte um Freigänge
Anders als Heckhoff, den "Bild" am Dienstag seitenlang zitierte, schweige Michalski bislang, erklärte Oberstaatsanwalt Deller. Eine sofortige Vernehmung nach seiner Festnahme im niederrheinischen Schermbeck wurde nach kurzer Zeit abgebrochen, weil der 46-Jährige übermüdet war. "Es ging ihm gesundheitlich nicht besonders gut."
Der "Bild"-Zeitung hatte Heckhoff zu Protokoll gegeben, der Ausbruch sei auch eine Trotzreaktion darauf gewesen, dass ihm in Aachen Ausgänge gestrichen worden seien, die man ihm in anderen Gefängnissen noch bewilligt hatte.
Dass dies tatsächlich der Fall ist, bestätigte Andrea Bögge vom Düsseldorfer Justizministerium SPIEGEL ONLINE. Der zu Sicherungsverwahrung verurteilte Schwerverbrecher habe auf mehr als die in Aachen übliche "eine Ausführung" im Jahr bestanden.
In Begleitung könnten auch Gefangene, die als extrem gefährlich gelten, die Haftanstalt verlassen, um Angehörige zu besuchen. Das diene dazu, außerhalb der Besuchregelung die familiären Bande zu pflegen. Ansonsten dürfe ein Häftling eine Stunde pro Monat Besuch bekommen, meist aufgeteilt in zweimal eine halbe Stunde.
Heckhoff habe in seiner Abteilung darum gekämpft, mehr als einmal im Jahr Ausgang zu bekommen und habe auch versucht, dies mit Rechtsmitteln durchzusetzen, so Bögge. In der Vollzugsanstalt Köln habe er in der Vergangenheit drei Ausführungen pro Jahr gehabt. Heckhoff habe bei seiner Verlegung von Köln nach Aachen gewusst, dass die Zahl reduziert werde. Anders als in Köln säßen in Aachen viel mehr Langzeitgefangene. Die Ausführungen seien sehr personalintensiv und daher in Aachen nicht umsetzbar.
Ausflüge in die Freiheit sind für Heckhoff und seinen Komplizen Michalski nun in weite Ferne gerückt: Heckhoff sitzt im Hochsicherheitstrakt des Bochumer Gefängnisses. Für den Schwerverbrecher gelten laut der stellvertretenden Verwaltungsleiterin des Gefängnisses, Birgit Tappel, besondere Sicherheitsmaßnahmen: Er hat keinen Kontakt zu anderen Häftlingen. Wenn seine Zelle geöffnet oder er innerhalb des Gefängnisses in einen anderen Raum gebracht wird, sind stets zwei Vollzugsbeamte dabei. Michalski ist momentan noch in Wuppertal untergebracht, soll aber nach Bielefeld verlegt werden - ebenfalls in den Hochsicherheitstrakt.
Hatte Michalski bereits im Gefängnis ein Handy?
Woher das Handy stamme, mittels dessen die Polizei Michalski überhaupt hatte orten können, wollten die Ermittler noch nicht bekanntgeben. "Das sind fahndungsinterne Dinge, von denen wir im Augenblick noch nicht wissen, ob oder inwiefern wir sie veröffentlichen", sagte Oberstaatsanwalt Deller. Zu Spekulationen, dass Michalski dieses Handy bereits im Gefängnis erworben habe, wollte er nichts sagen. Ebenso wenig, dass Angehörige den flüchtigen Mörder verraten hatten.
Gegen Heckhoff und Michalski wird laut Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Geiselnahme, erpresserischen Menschenraubs und Freiheitsberaubung ermittelt. "Es macht durchaus Sinn, eine neue Verurteilung zu erreichen", so Staatsanwalt Deller. Heckhoff und Michalski hätten wohl kaum noch eine Chance, jemals wieder in Freiheit zu kommen.
Nachdem die "Bild"-Zeitung Heckhoff mit Passagen zitierte, die aus Vernehmungsprotokollen stammen sollen, wird gegen Unbekannt ermittelt, wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen.
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Entweder würden sie nach 4 Wochen schon Nervenzusammenbrüche bekommen, oder ihr jetziges Leben muss so schrecklich sein, dass sich ihr Neid auf eingesperrte bestätigen kann. Es scheint so, dass sie gerne die Freiheitsstrafe in [...] mehr...
Zuerst einmal muss man hier anmerken, dass Lebenslang in Deutschland nicht wirklich lebenslänglich bedeutet, sondern dieser verhinderte Mordscherge nach 15 Jahren wieder in Freiheit sein wird [spätestens, sofern er nicht – wie die [...] mehr...
aha. von jeglicher sachkenntnis ungetrübte kommentare sind ja hier nix neues, aber der ist unter den top 5. kleiner tip: nicht alles glauben, was die BILD schreibt. mehr...
Eines steht jetzt schon fest: Frau Müller-Piepenkötter ist dafür auf keinen Fall verantwortlich zu machen. Das ist (wie immer) die Prämisse. Eine halbwegs passende Begründung wird sich später finden lassen ... mehr...
Deutsche Gefängnisse haben anscheinend tatsächlich ein Problem ... heute morgen sind die nächsten zwei ausgebrochen aus der JVA Münster ... so wie es bisher aussieht diesmal ohne Gewalt ... sondern einfach so aufs Dach und weg ... mehr...
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