Von Jan Puhl
Budapest - Im November 2008 war der Sarg des Milliardärs Friedrich Karl Flick mitsamt des Leichnams aus der Grabstätte im österreichischen Velden am Wörthersee gestohlen worden. Am 1. Dezember vergangenen Jahres war eine Email bei der Familie Flick eingegangen. Darin forderten die Leichendiebe sechs Millionen Euro Lösegeld. Sprachanalysen der österreichischen Polizei führten die Ermittler nach Ungarn.
Monatelang blieben Sarg und Leiche verschwunden.
Am 20. Oktober dieses Jahres forderten die Entführer eine Anzahlung. Unter einer Bank im Wiener Stefansdom fände sich ein Schlüssel für ein Schließfach im Westbahnhof, lautete die Anweisung. Dort habe die Familie 100.000 Euro zu deponieren. Als Gegenleistung hatten die Gangster Beweise dafür versprochen, dass sich der tote Industrieerbe auch wirklich in ihrer Hand befände. "Sie müssen uns bezahlen, das ist ihre einzige Chance", schrieben die Diebe.
Die Flicks zahlten das Lösegeld. Die Polizei observierte das Schließfach und kam einem 31-jährigen Ungarn rumänischer Abstammung auf die Spur. Die Ermittler folgten ihm bis zu dem Anwalt. Doch ließen sie die Gangster zunächst in Frieden, um noch an mögliche Hintermänner heranzukommen.
Erst bei einer zweiten Geldübergabe am 27. Oktober nahm die Polizei den Kurier auf dem Moskauer Platz in Budapest fest. Mittlerweile hat der Mann gestanden, schon beim Diebstahl der Leiche dabei gewesen zu sein. Für 200.000 Forint (750 Euro) habe er im Auftrag des Anwalts einen Kleinlaster aus Velden nach Budapest gefahren.
Der äußere Sarkophag sei im 12. Stadtbezirk, der Zinksarg mit der Leiche im 2. Bezirk versteckt worden. Nähere Angaben zu den Verstecken machte die Polizei nicht. Beide Stadtteile liegen auf der Buda-Seite der Metropole und sind noble Villenviertel.
Derzeit fahndet die Polizei nach vier weiteren Männern, allesamt Ungarn "rumänischer Abstammung". Einer von ihnen wird auch wegen des Mordes an einem Polizisten gejagt. Seine hünenhafte Gestalt hat ihm in der Szene den Spitznamen "Grizzly Bear" eingebracht.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der ungarischen und österreichischen Polizei am Mittwochnachmittag in Budapest zeigten sich die Beamten verschnupft: Sie hatten während der Ermittlungen festgestellt, dass die Familie Flick ihrerseits einen ungarischen Privatdetektiv mit der Suche nach der verschwundenen Leiche beauftragt hatte. Der Mann hatte sich bei einer ukrainischen Sicherheitsfirma Unterstützung geholt und war dem Geldkurier ebenfalls bereits auf die Schliche bekommen.
Die Familie Flick hat den Sarg inzwischen zurückerhalten. Friedrich Karl Flick soll ein zweites Mal in derselben Gruft beigesetzt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt.
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