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05.12.2009
 

Urteil in Perugia-Prozess

Im Zweifel gegen die Angeklagte

Von Alexander Smoltczyk, Rom

Perugia-Prozess: Kein Geständnis, kein Motiv
Fotos
Getty Images

Elf Monate Prozess, 14 Stunden Richterberatungen - dann das Urteil: Amanda Knox und Raffaele Sollecito sind Mörder. Wegen der grausigen Tötung der Britin Meredith Kercher sollen sie 26 Jahre ins Gefängnis. Doch der spektakuläre Prozess in Italien hat reichlich Fragen offengelassen, es gibt viele Zweifel.

Als die fabelhafte "Amélie aus Seattle" hatte ihre Verteidigung Amanda Knox beschrieben, in Anlehnung an die populäre französische Filmfigur. Eine unkonventionelle junge Frau, die mit ihrer Neugier und ihrem Hunger auf Leben alle verwirrt, die meisten entzückt.

Das Urteil von Samstagnacht ist das Todesurteil für diese Amélie.

Nein, so haben die Laienrichter gesagt, nach 14 quälenden Stunden Beratung, nein - Amanda Knox, einst US-Gaststudentin in Italien aus Seattle, ist keine Harmlose. Sie ist eine Mörderin.

"Condannato, verurteilt... die Prozesskosten tragen die Angeklagten...", der Vorsitzende Richter las mit müder Stimme, ohne jede Emphase, das Urteil: 26 Jahre für Amanda Knox, 25 für ihren damaligen Geliebten Raffaele Sollecito.

Ein Jahr mehr für Knox, weil sie in ihrer ersten Vernehmung einen Unbeteiligten, den Barbesitzer Patrick Lumumba, belastet hatte. Knox soll ihm dafür 40.000 Euro Entschädigung zahlen, so das Gericht.

Bei der Urteilsverkündung brach Knox in Tränen aus. Sie stammelte "nein, nein" und fiel ihrem Anwalt in die Arme. Sollecito verharrte bleich und regungslos. "Nur Mut, nur Mut, Raffaele", rief ihm seine Schwester zu, als er den Gerichtssaal verließ. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Verteidigung kündigte unmittelbar nach der Verkündung an, Rechtsmittel einzulegen.

Das Gericht von Perugia schloss sich in allen Punkten der Tatversion der Staatsanwaltschaft an. Knox und ihr Freund Sollecito hätten den Abend zusammen verbracht, seien später dann noch durch die Altstadt gezogen, wo sie den Ivorianer Rudy Guede trafen. Gegen Mitternacht seien alle drei noch auf ein Glas in die Via della Pergola gegangen. Das Opfer, Knox' Mitbewohnerin Meredith Kercher, sei zu diesem Zeitpunkt schon im Bett gewesen.

Kercher sei, sagte der Staatsanwalt, genervt gewesen, dass Knox schon wieder zwei Männer mit in die Wohnung gebracht habe. Es kam zum Streit, über ihre so verschiedenen Lebensweisen, über die nicht gezahlte Miete. Dann hätte Knox den Kopf von Meredith gegen einen Schrank geschlagen. Die Schilderung der Anklage: Kercher fällt zu Boden, die drei beginnen sie auszuziehen. Meredith wehrt sich, Sollecito holt sein Taschenmesser heraus, Knox holt ein Küchenmesser. Rudy Guede versucht, Meredith zu vergewaltigen, Sollecito verletzt sie.

Schließlich tötet Knox sie mit einem tiefen Schnitt durch den Hals. Alle drei fliehen, später kommen Knox und Sollecito zurück, fingieren stümperhaft einen Einbruch und verwischen die Fingerabdrücke.

Italien ist um eine Justizfabel reicher

Die Anwälte stellten im Prozess den aus der Elfenbeinküste stammenden Guede als alleinigen Täter dar - der wiederum Sollecito und Knox belastete.

"26 Jahre": Die Strafe klingt nach fester Überzeugung des Gerichts. Zu Unrecht.

Der lange Prozess hat keine Antwort auf zentrale Fragen gebracht. Es gibt nach wie vor kein Motiv und keine Beweise für die Täter, nur Hinweise, zum Beispiel belastende DNA-Spuren am Tatmesser und am BH der Toten. Auch die fehlenden Alibis und ihr ungewöhnliches Verhalten legten die Ermittler zu ihren Lasten aus. Zu wenig, um zwei jungen Menschen ihr Leben zu rauben.

Dass die Richter unter der Forderung des Staatsanwalts nach lebenslänglicher Haft geblieben sind, deutet eventuell an, dass ihnen die Lücken der Beweisführung bewusst waren. Im Zweifel für die Angeklagten?

Wenn Amanda und Raffaele mangels Beweisen freigesprochen worden wären, hätte das die gesamte bisherige Arbeit der Justiz in Zweifel gezogen, etwa die lange Untersuchungshaft, oder die Ergebnisse der (teilweise mehr als schlampigen) Spurensicherung.

In den USA, wohl auch in Deutschland, wären Amanda Knox und Raffaele Sollecito freigesprochen worden. Von "öffentlicher Hinrichtung aufgrund schierer Spekulation" sprach John Q. Kelly, der Ankläger im O.-J.-Simpson-Prozess.

Amélie ist tot, Amanda hinter Gittern, und Italien um eine Justizfabel reicher.

mit Material von AFP

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09.12.2009 von agree o not agree: RE: Seattleblogpi.com I

Müssen sie wegen mir nicht tun, ich weiß, dass er sich sehr pro Amanda positioniert. Der illustrative Punkt war, dass es bei Kritik am Ankläger nicht um ein „Gefühl weil I“ geht, was einige Kommentatoren hier zu Recht [...] mehr...

09.12.2009 von agree o not agree: RE: Seattleblogpi.com I

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