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05.12.2009
 

Mordprozess in Perugia

"Unsere Leben liegen auf Eis"

Perugia-Prozess: Kein Geständnis, kein Motiv
Fotos
Getty Images

Es ist ein Drama ohne Ende. Nach dem Schuldspruch gegen Amanda Knox und ihren Ex-Freund in Perugia legen die Verurteilten Berufung ein und beteuern ihre Unschuld. Den Angehörigen des Opfers bleibt nur Schmerz und stille Akzeptanz: "Das ist kein Moment zum Feiern."

Perugia - Das Urteil ist gefallen - doch das Drama geht weiter. Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito haben am Samstag nach ihrer Verurteilung wegen Mord und Vergewaltigung verzweifelt ihre Unschuld beteuert: "Ich habe Meredith nicht umgebracht", sagte die US-Studentin Knox, 22. "Keiner glaubt mir."

In der Nacht war sie in der italienischen Universitätsstadt Perugia nach einem spektakulären, elf Monate dauernden Indizienprozess zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Sechs Geschworene und zwei Richter befanden sie nach 14-stündiger Verhandlung für schuldig, ihre britische Kommilitonin Meredith Kercher vor zwei Jahren vergewaltigt und ermordet zu haben. Auch Sollecito, der 25 Jahre ins Gefängnis soll, äußerte sich entsetzt: "Ich fühle mich wie in einem Alptraum: Warum bin ich hier? Warum haben sie mich verurteilt? Ich habe nichts mit dieser Geschichte zu tun."

Die Familie des Opfers zeigte sich dagegen auf der Pressekonferenz zufrieden mit dem Schuldspruch. "Man kann nur einverstanden sein mit dem Urteil, das auf den im Gericht vorgebrachten Beweisen beruht - sonst gibt es ja nichts anderes", sagte Mutter Arline Kercher am Samstag in Perugia. Auch der Bruder des Opfers, Lyle, zeigte sich erleichtert. "Es ist jedoch kein Moment zum Feiern", sagte er. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert.

Der Familie wurden 4,4 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen. Angesichts der "Strenge und Schwere der Tat" könne die Summe jedoch nur symbolisch sein, sagte Lyle Kercher. "Es fühlt sich so an, als ob unsere Leben immer noch auf Eis liegen", fügte Schwester Stephanie hinzu. Die Familie sei nicht überrascht, dass die Familien der Verurteilen in Berufung gehen wollten.

"Wir sind extrem enttäuscht", sagten die Eltern von Amanda Knox in einer schriftlich verbreiteten Erklärung. "Amanda ist unschuldig, und wir werden weiterhin für ihre Freiheit kämpfen." Die Möglichkeit eines Schuldspruchs habe zwar immer bestanden, dennoch sei es jetzt schwierig, die Entscheidung des Gerichts zu akzeptieren.

Knox' Vater erhob schwere Vorwürfe gegen die italienische Justiz: "Das ist schlichtweg ein Fehlurteil des italienischen Justizsystems", sagte Curt Knox dem US-Fernsehsender ABC. Es handele sich darüber hinaus um ein "Versagen der Stadt Perugia (...) und Italiens als Ganzes". Er frage sich, wie die Richter und die Geschworenen nach dem, was im Gerichtssaal an Indizien vorgelegt wurde, zu einem solchen Schuldspruch kommen konnten.

"Dies ist nicht einfach nur eine Verurteilung"

Das Gericht von Perugia hatte sich in allen Punkten der Tatversion der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Die Gaststudentin Knox und ihr italienischer Freund Sollecito hätten den Abend zusammen verbracht, seien später dann noch durch die Altstadt gezogen, wo sie den aus der Elfenbeinküste stammenden Rudy Guede trafen. Gegen Mitternacht seien alle drei noch auf ein Glas in die Via della Pergola gegangen. Das Opfer, Knox' Mitbewohnerin Meredith Kercher, sei zu diesem Zeitpunkt schon im Bett gewesen.

Kercher sei, so der Staatsanwalt, genervt gewesen, dass Knox schon wieder zwei Männer mit in die Wohnung gebracht habe. Es kam zum Streit über ihre verschiedenen Lebensweisen, über die nicht gezahlte Miete. Dann hätte Knox den Kopf von Meredith gegen einen Schrank geschlagen. Die Schilderung der Anklage: Kercher fällt zu Boden, die drei beginnen sie auszuziehen. Meredith wehrt sich, Sollecito holt sein Taschenmesser heraus, Knox holt ein Küchenmesser. Rudy Guede versucht, Meredith zu vergewaltigen, Sollecito verletzt sie. Schließlich tötet Knox sie mit einem tiefen Schnitt durch den Hals. Alle drei fliehen, später kommen Knox und Sollecito zurück, fingieren stümperhaft einen Einbruch und verwischen die Fingerabdrücke. Im Prozess stellten die Verteidiger Guede als alleinigen Täter dar - der wiederum Sollecito und Knox belastete.

Die Familie Knox kritisiert, in dem Verfahren sei nicht geklärt worden, warum es keinen Beweis dafür gebe, dass Amanda in dem Zimmer war, in dem Meredith so tragisch und grausam ermordet wurde. Die Angriffe seitens der Medien auf Amandas Charakter hätten offensichtlich die Geschworenen beeinflusst. Vater Curt Knox sagte dem US-Fernsehsender ABC: "Das ist einfach ein Scheitern der italienischen Justiz und im Grunde für die Stadt Perugia, die Gesellschaft und ganz Italien."

"Dies ist nicht einfach nur eine Verurteilung, sondern die schmerzhafte Verfehlung des notwendigen Freispruchs, der kommen wird", sagte Raffaeles Verteidigerin Giulia Bongiorno nach dem Urteil. Auch für Knox' Anwalt Luciano Ghirga gibt es "weiten Spielraum für einen Berufungsprozess". Die Familie hatte bereits in der Nacht angekündigt, nicht aufgeben zu wollen.

Die Strafe für Knox fiel um ein Jahr höher aus, weil sie nach dem Mord den Barmann Patrick Diva Lumumba als Täter verleumdet hatte. Knox soll ihm dafür 40.000 Euro Entschädigung zahlen, so das Gericht. Er habe "Mitgefühl mit Amanda", sagte Lumumba am Samstag. Obwohl sie meist "Krokodilstränen" geweint habe, könnte der Zusammenbruch im Gericht echt gewesen sein. Die Zeugenaussage eines Barbesuchers hatte ihn damals gerettet.

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Die neuesten Beiträge:
12.12.2009 von typhon typhoon: @snowboarding

oder machen wir es einfacher: können Sie mir schlüssig erklären, warum sich Amanda derartig wirr und widersprüchlich verhalten hat? Warum hat sie nicht einfach zu Protokoll gegeben "Sorry, war zum Tatzeitpunkt mit Rafaello [...] mehr...

12.12.2009 von typhon typhoon: ??

Also was Truejustice ganz gewiss nicht ist, ist eine VT-Site zu sein. Eher das totale Gegenteil. Man braucht ja nur wieder mal hier die Pro und die Contra Amanda Poster vergleichen, um sehr leicht feststellen zu können, wer [...] mehr...

08.12.2009 von toni doppelpack: selbst schuld amanda

Snowboarding, erstmal vielen Dank für ihre grundsätzlich sehr überzeugende Argumentationsweise - Clinton und Co als Fürsprecher von Knox anzubringen sind einfach nicht zu schlagen. Aber lassen wir das ganze hin und her, ob sie [...] mehr...

07.12.2009 von arborea: Wahrheit

Wer der Wahrheit wirklich näher kommen will, muss sich mit beiden Sichtweisen auseinandersetzen. Wer nur das zur Kenntnis nehmen will, was sein "gefühltes" Urteil stützt, sollte ganz auf Informationen verzichten. Ist [...] mehr...

07.12.2009 von snowboarding_3: Verschwörungstheoretiker im Netz sind nicht "informativ"

Das von Ihnen genannte Forum stützt sich leider völlig kritiklos auf "truejustice.org". Beschäftigt man sich mit dem Fall, landet man früher oder später dort. Doch hierbei handelt es sich um nichts anderes als wilde [...] mehr...

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