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16.12.2009
 

Rauschgifthandelnde Rentnerin

82-jährige Dealerin muss in den Knast

Von Julia Jüttner

82-jährige Christa K. vor Gericht: Sie gab zu, mit 410 Gramm Heroin gehandelt zu habenZur Großansicht
Berny Meyer

82-jährige Christa K. vor Gericht: Sie gab zu, mit 410 Gramm Heroin gehandelt zu haben

Ihr Sohn war in Nürnberg ein stadtbekannter Junkie und Drogendealer. Als er ins Gefängnis wanderte, übernahm Christa K. seinen Rauschgifthandel und erwirtschaftete innerhalb von drei Monaten einen Umsatz von 16.400 Euro. Jetzt wurde die im Rollstuhl sitzende 82-Jährige verurteilt.

Hamburg - Da sitzt Christa K. nun, im Rollstuhl, vor ihren Richtern. 82 Jahre alt, nie straffällig geworden. Ein fast unauffälliges Leben hat sie geführt, nur war da natürlich die Familientragödie. Tochter und Schwiegertochter gingen an Drogensucht zugrunde, auch der Sohn ist heroinabhängig.

Und nun wird Christa K. auf ihre alten Tage der Prozess gemacht. Sie hat mit Heroin gehandelt.

In ihrem Rollstuhl wird sie in den Saal 228 des Landgerichts Nürnberg-Fürth geschoben. Die grauen Haare mit einem Haarreif zurückgesteckt, ihre gefütterte schwarze Winterjacke wirkt viel zu groß. Ein Notarzt weicht Christa K. nicht von der Seite. Die 82-Jährige ist schwer herzkrank, gilt aber trotzdem als verhandlungsfähig, gerade mal eben so.

Die Richter der Ersten Strafkammer machen kurzen Prozess mit der alten Frau. Binnen knapp fünf Stunden wird die Anklage verlesen, werden Zeugen gehört, wird das Urteil gesprochen.

Christa K. wirkt erschöpft, als ihr Verteidiger Alexander Seifert für sie das Wort ergreift. Die Angeklagte legt ein umfassendes Geständnis ab und gibt zu, zwischen Juni und September 2008 mit Heroin gehandelt zu haben. Mit 410 Gramm.

"Es war kein Geheimnis, dass dort Typen auftauchten, die auf Droge waren"

Drogen bestimmten jahrzehntelang das Leben der gebürtigen Fränkin. Ihre Tochter starb vor fast 40 Jahren an einer Überdosis Heroin. Ihr Sohn Olaf, heute 53 Jahre alt, fiel der Polizei bereits in den sechziger Jahren als Rauschgiftkonsument auf. Seine Lehre als Stahlformenbauer musste er wegen seiner Sucht abbrechen. Er rutschte ab in die Kriminalität, wurde mehrmals verhaftet. Wieder auf freiem Fuß, geriet er sofort wieder in die Drogenszene.

Immer wieder landete Olaf K. in Entzugskliniken, schaffte den Absprung - und wurde wieder rückfällig. Die längste Phase ohne Drogen dauerte von 1996 bis 2004. Doch dann starb seine Ehefrau an den Folgen ihrer Drogensucht - und Olaf K. suchte Trost im Heroinrausch.

Das Verhältnis zu seiner Mutter, in deren Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Wohnblock in Nürnberg-Gostenhof er die meiste Zeit lebte, galt all die Jahrzehnte lang als innig. Der 53-Jährige soll für sie eingekauft, gekocht und sich rührend um sie gekümmert haben, berichten Nachbarn und Bekannte. "Aber es war auch kein Geheimnis, dass dort Typen auftauchten, die entweder selbst auf Droge waren oder wussten, wie sie solches Zeug an den Mann bringen", sagt ein Bewohner des Nachbarhauses.

"Ich würde meine letzten Jahre gerne ohne Kriminalität leben"

Mit Hilfe eines Methadon-Programms bemühte sich Olaf K. im Sommer 2008 wieder einmal, von der Sucht loszukommen - vergeblich. Wieder nahm er Heroin, beim Handel mit einer Menge von 320 Gramm wurde er schließlich gefasst - und verhaftet. Vor Gericht sagte er: "Ich würde meine letzten Jahre gerne ganz normal leben. Mit klarem Kopf und ohne Kriminalität."

Die 7. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth verurteilte Olaf K. zu fünf Jahren und vier Monaten Haftstrafe, die er größtenteils in einer Entzugsklinik absitzen wird. Sein Verteidiger Jürgen Lubojanski hatte die Sachverständigen davon überzeugen können, dass Olaf K. gute Chancen hat, wie schon Ende der neunziger Jahren von seiner Sucht loszukommen.

Doch während Olaf K. in Haft saß, führte ausgerechnet seine Mutter Christa die Geschäfte ihres Sohnes weiter. Die Rentnerin bestellte bei Hans-Günther R. in Koblenz, Deckname "Masseur", telefonisch Rauschgift und verkaufte den Stoff weiter. R. hatte schon Olaf K. beliefert. "Der Masseur soll morgen um 3 Uhr kommen", lautete abgehörten Gesprächen zufolge beispielsweise eine Auftragsbestätigung Christa K.s.

Als der Lieferant in Rheinland-Pfalz gefasst werden konnte, ließ er bei der Vernehmung auch Mutter K. auffliegen. Inzwischen wurde der "Masseur", 63, zu acht Jahren Haft verurteilt.

Christa K. machte innerhalb von drei Monaten einen Umsatz von 16.400 Euro, ihr Verdienst lag bei 4000 Euro. "Ich habe gedealt, um meine kleine Rente aufzubessern", soll sie den Ermittlern nach ihrer Festnahme gesagt haben. Christa K. bekommt monatlich 440 Euro Rente. In den achtziger und neunziger Jahren betrieb sie in Fürth die beiden Lokale Bieling-Anlage und Lorelei, die sie nach eigenen Angaben wegen starker Rückenprobleme aufgeben musste.

Fluchtgefahr bei Christa K. - trotz Rollstuhls

Nach ihrer Festnahme kam Christa K. in Untersuchungshaft - wegen Fluchtgefahr. Monate lang harrte sie nach Angaben ihres Anwalts Martin Reitmaier in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main III aus, dem größten Frauengefängnis Deutschlands. Von rund 270 Gefangenen war sie dort die älteste.

Obwohl Christa K. nicht mehr laufen könne und an den Rollstuhl gefesselt sei, seien die Richter nicht überzeugt gewesen, dass sie nicht trotzdem zu fliehen versuchen würde, so Reitmaier. "Die Dame soll zum Zeitpunkt des Haftbefehls noch mobil gewesen sein", erklärte dagegen Thomas Koch, Richter am Oberlandesgericht Nürnberg. Zudem habe sie einen Urlaub in einer anderen Stadt geplant.

Ihr Verteidiger Alexander Seifert betonte jetzt vor Gericht noch einmal, dass Christa K. aufgrund ihres hohen Alters und ihrer Gebrechen "enorm haftempfindlich" sei. In der Untersuchungshaft habe ihr nicht einmal ein Fernseher zur Verfügung gestanden.

Im Prozess einigten sich Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach wenigen Stunden auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Staatsanwältin Gisela Rosinski hielt das Urteil für vertretbar, weil Christa K. schließlich "völlig skrupellos mit einer großen Menge der stärksten Droge gehandelt" habe. Die Folgen seien ihr durch den Tod ihrer Tochter und ihrer Schwiegertochter sowie durch die geschädigte Gesundheit ihres Sohnes bekannt gewesen.

Christa K. wird die Hälfte des Strafmaßes im Frauengefängnis Aichach absitzen. Ende 2011 soll sie dann entlassen werden. Auch ihr Sohn Olaf müsste kurz darauf wieder in Freiheit kommen. Zum Prozess gegen seine Mutter war er als Zeuge aus dem Amberger Gefängnis nach Nürnberg gebracht worden. Mehr als ein Jahr hatten sich Mutter und Sohn zu dem Zeitpunkt nicht gesehen. Im Gerichtssaal schlängelte sich Olaf K. zu seiner Mutter durch und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Zu ihren Drogengeschäften schwieg er eisern.

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18.12.2009 von pschoene: Traurig...

Traurig, wenn sowas passiert. Aber keiner von uns kennt diese Frau. Keiner kennt die Geschichte dieser Familie. Man sollte da vorsichtig sein mit Verurteilungen... Dass bei heroin der Spaß aufhört ist unbestritten, aber ob [...] mehr...

18.12.2009 von tweet4fun: Recht...

Soweit ich mich erinnere, geht es hier um die alte Oma. Und im Vergleich zu den Straftaten anderer hat sie meiner Meinung nach ein zu hartes Urteil erhalten. Und das auch widerrechtlich, weil ihre persönliche Geschichte als [...] mehr...

17.12.2009 von s.s.t.: .

Stimmt, der Methadonentzug ist aufgrund der möglichen cerebralen Krampfanfällen problematischer als er Heroinenzug. Das zeigt allerdings im wesentlichen den Irsinn der Methadon-Substitutiom auf: Die Patienten sindn weiterhin [...] mehr...

17.12.2009 von tr5: ...

Zu Ihrer Info: Ich habe auf einen Beitrag geantwortet. Und noch einmal bzgl. eines geregelten Arbeitsplatzes - die Realität kennen Sie wirklich nicht. Tut mir leid. Zum Thema der Krankheiten verweise ich auf den Beitrag [...] mehr...

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