Aus Kaiserslautern berichtet Jörg Diehl
Die massive Polizeipräsenz scheint angebracht. Etwa 1000 Hells Angels und Outlaws sind nach Angaben der Behörden kurz vor Weihnachten noch in die Pfalz gereist, zwar nicht auf ihren Harley Davidsons, sondern in Autos und Bussen, aber dennoch wild entschlossen.
Die Rocker wollen Präsenz zeigen, "sich gerade machen", wie es in ihrer Sprache heißt, und der jeweiligen Gegenseite die eigene Stärke und Entschlossenheit demonstrieren - auch wenn sie sich dafür zunächst bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen, ehe 20 von ihnen in den Gerichtssaal gelassen werden.
Und dort - hinter Panzerglas und in unmittelbarer Nachbarschaft der wachsamen Beamten einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit - hocken sie dann, die Hünen der Outlaws und der Hells Angels. Feixen, tuscheln und werfen - letztere zumindest - dem Angeklagten Marcus S., 42, bitterböse Blicke zu.
Vom Motorrad gerissen, zusammengeschlagen, erstochen
S., früher Anwärter auf eine Mitgliedschaft beim Hells Angels Charter Luxembourg Nomads, ein sogenannter Hangaround, soll nämlich mit einem ehernen Rockergesetz gebrochen und sich den Behörden anvertraut haben. "Verrat ist wie Mord, er tötet Vertrauen", hat ein führender "Höllenengel" dazu einmal gesagt.
Dass S. nach Auffassung der Staatsanwaltschaft tatsächlich dazu beigetragen hat, einem Menschen das Leben zu nehmen, scheint in den Augen seiner früheren Kameraden weniger schwer zu wiegen.
Den Ermittlungen zufolge haben Marcus S., der ebenfalls Angeklagte Danny A., 29, sowie der noch immer flüchtige Björn S., 27, im vergangenen Juni auf der Landstraße 386 bei Stetten den örtlichen Outlaws-Präsidenten Dirk O., 45, gestoppt, von seinem Motorrad gerissen, ihn zusammengeschlagen und schließlich erstochen.
Die Bluttat war laut Staatsanwaltschaft eine willkürliche Revanche der Angels, weil deren angehendes Mitglied S. drei Tage zuvor von Outlaws verprügelt worden war - unvorsichtigerweise hatte er sich in deren Revier gewagt.
Die Rocker in Rheinland-Pfalz steckten zurzeit ihre Claims neu ab, interpretiert ein Kriminalpolizist gegenüber SPIEGEL ONLINE das Geschehen. "Sie klären, wer wie weit gehen darf." In den vergangenen Jahren sei es dabei lediglich zu "Scharmützeln" gekommen, oftmals unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Tat von Stetten jedoch stelle eine neue Dimension der Gewalt dar. Die Motorradgangs, die um Einfluss im Rotlichtmilieu und der Türsteherszene konkurrierten, beäugten sich seither - Racheakte auch auf höchster Ebene seien nicht mehr auszuschließen.
"Wir gehen davon aus, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden"
Wie aus einem vertraulichen Dokument des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts (LKA) hervorgeht, suchten daher am 8. Juli - also knapp zwei Wochen nach der Gewalttat von Stetten - Kriminalbeamte aus Mainz "namhafte Vertreter" der Hells Angels in Hannover auf - "mit dem Ziel der Sensibilisierung (…), insbesondere der Präsidenten, für die Gefahren einer möglichen Vergeltungsaktion seitens des Outlaws MC". So wollten die Polizisten "eine Eskalation des Konflikts" verhindern.
Die "Höllenengel"-Dependance in der niedersächsischen Landeshauptstadt gilt als größtes und erfolgreichstes Charter des Clubs in Europa, Präsident Frank H. ist in seinen Kreisen eine Autorität - deutschlandweit. Laut LKA-Papier sicherte "der Lange", so wird H. genannt, den Beamten im Sommer zu, "in Kürze alle Präsidenten der Charter in Deutschland zu informieren". Und er hielt Wort.
Einen Tag später notierten die Kriminalisten: Ein Vertreter der Hells Angels Hannover "teilt mit, dass er mit dem Präsidenten des Charters Luxembourg Nomads gesprochen habe und dieser nun gesprächsbereit sei". Einen Monat danach nahm die Polizei den zunächst geflüchteten Danny A. in Portugal fest.
Gleichzeitig habe der Rechtsanwalt der Outlaws seinen Mandanten geraten, so heißt es im LKA-Bericht, "keine eigenen Unternehmungen durchzuführen." Jetzt vertrauen die Gesetzlosen also der Justiz, zunächst einmal.
Mit Asphaltbrocken gegen Outlaws
Zu einer kleinen Demonstration der Stärke - nach Rockerart - kommt es unweit des Gerichts am Mittag dennoch. Mehrere Hells Angels bewerfen nach Angaben der Polizei Mitglieder der rivalisierenden Outlaws mit Asphaltbrocken. Ein Beamter trägt Verletzungen davon, mehrere Autos werden beschädigt. Einen Verdächtigen nehmen die Beamten fest.
Im Gericht endet der erste Verhandlungstag jedoch, ehe er richtig begonnen hat, trotz des massiven - und sicherlich kostenintensiven - Polizeiaufgebots, das nötig war, um den ungestörten Verlauf des Verfahrens zu sichern.
Ein Verteidiger des angeklagten Mannheimer Nachtclubbetreibers Danny A. bemängelt in einem 30-minütigen Vortrag zunächst die "fehlerhafte Besetzung" der 4. Strafkammer - und erklärt die dann auch gleich für nicht zuständig.
Der Vorsitzende Richter Robert Stehlin unterbricht und vertagt daraufhin den Prozess, selbst zur Verlesung der Anklageschrift kommt es nicht mehr. Und während die Polizisten im Saal seufzen, die Justizbediensteten mit den Schultern zucken, die Journalisten höhnen, lacht Hells-Angels Boss Frank H. im Zuschauerraum: "Da kommen wir einfach noch mal wieder!"
Das fürchten die Beamten auch.
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Verbieten und Schluss. Da brauchts keinen Verfassungsschutzbericht, Beweise oder irgendeinen liberalen Firlefanz. Jedes Kind kennt die und weiss, dass es Verbrecherbanden sind. Da irgendein Vereinsgründungsrecht, freie [...] mehr...
Tja, was soll ich sagen... werde demnächst 40 Jahre alt und zu meiner Geburtsstunde gab es sowohl die Angels als auch die Bandidos schon ne ganze Weile. Von Mafia, Yakuza und Konsorten ganz zu schweigen... Damals (wie heute) [...] mehr...
scheint offenbar einfach zu sein, politisch und religiös radikale "im auge zu behalten". organisierte kriminelle vereinigungen, die milliarden euro "erwirtschaften", sind inzwischen "hoffähig" [...] mehr...
...es ist doch immer wieder erstaunlich, welch fundiertes Wissen uber den Rocker im Allgemeinen und über dessen Broterwerb im Besonderen sowohl bei der Journaille als auch bei deren Leserschaft vorhanden ist... Die Rocker, die ich [...] mehr...
Besser kann man es nicht ausdruecken. mehr...
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