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21.12.2009
 

NS-Kriegsverbrechen

Demjanjuks Verteidiger attackiert Kollegen

Ein Rechtsanwalt außer Rand und Band: Im Prozess um John Demjanjuk hat dessen Wahlverteidiger ausgerechnet seinen Kollegen angegriffen, der als Pflichtverteidiger für den mutmaßlichen NS-Verbrecher bestimmt ist. Zudem ging der Jurist auf die Nebenkläger los.


München - Unter Tränen haben Holocaust-Überlebende am Montag im Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk von der Deportation ihrer Eltern und Geschwister ins Vernichtungslager Sobibór berichtet. Demjanjuks Wahlverteidiger Ulrich Busch bestritt ihnen das Recht zur Aussage, löste mit Fragen zur "Judenpolizei" Empörung aus und forderte schließlich seinen Kollegen Günther Maull auf, sein Mandat niederzulegen.

Das Schwurgericht lehnte die Anträge auf Einstellung des Verfahrens und Freilassung Demjanjuks ab und vertagte die Verhandlung bis Dienstag.

Sofort anschließend rief Wahlverteidiger Busch den Pflichtverteidiger Maull lautstark auf: "Gehen Sie raus aus dem Verfahren, wenn Sie meinen, dass nur der Richter Recht hat!" Sein Kollege sei ja "staatsanwaltlicher als der Staatsanwalt". Maull sagte daraufhin, er werde sein Mandat weiter wahrnehmen.

Der 89-jährige Demjanjuk nahm am dritten Prozesstag zunächst im Rollstuhl sitzend, ab Mittag jedoch in einem Bett unter einer Decke liegend und mit geschlossenen Augen an dem Prozess teil. Er ist angeklagt, als Wachmann im Vernichtungslager Sobibór 1943 beim Mord an 27.900 Juden geholfen zu haben.

Der 87-jährige Nebenkläger Philip Jacobs aus Amsterdam sagte vor Gericht, seine Eltern und seine 21-jährige Verlobte Ruth seien im Juli 1943 von Westerbork deportiert und sofort nach ihrer Ankunft in Sobibór vergast worden. "Ich habe die Liebe meines Lebens verloren", sagte Jacobs weinend. Seine 23-jährige Schwester sei in Auschwitz, seine Freunde im KZ Mauthausen umgebracht worden. "Ich peinige mich oft mit dem Gedanken, warum ich am Leben geblieben bin, warum ich meine Familie allein gelassen habe", sagte der 87-Jährige.

"War nach Ihrem Eindruck die Judenpolizei schlimmer als die Nazis?"

Der 83-jährige Robert Cohen sagte, er habe im Sammellager Westerbork Strohmatratzen stopfen müssen, während seine Eltern und sein Bruder nach Sobibór gebracht wurden. "Ich wollte auch deportiert werden. Wir waren sehr naiv damals. Ich dachte, ich würde meine Familie dann wiedersehen", sagte Cohen, der später Auschwitz überlebte.

Mehrere Nebenkläger berichteten, dass sie als Kleinkinder bei nichtjüdischen Familien versteckt worden waren, bevor ihre Familien abgeholt wurden. Viele überlebten den Holocaust bei wechselnden Familien unter immer neuen Namen. Max Degen aus Amsterdam erinnerte sich, wie er als Sechsjähriger "in einen Koffer gesteckt, über eine Mauer geschmissen" und so gerettet wurde. Seine Eltern und sein dreijähriger Bruder dagegen wurden in Sobibór vergast.

Demjanjuks Verteidiger Busch beantragte, die Nebenkläger nicht weiter als Zeugen zu hören, weil sie nichts zur Aufklärung beitragen könnten. Empörung rief er hervor, als er einen Überlebenden hartnäckig nach dem Verhalten jüdischer Ordner in Westerbork befragte: "War nach Ihrem Eindruck die Judenpolizei schlimmer als die Nazis?" Er habe das gelesen.

Auf Nachfragen des Gerichts und der aufgebrachten Anwälte der Nebenkläger nannte er aber keine Quelle. "Wenn Sie's googeln, finden Sie's", sagte Busch. Den Tod von 3,3 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen verglich er mit dem Massenmord an den Juden. "Leider wird über diesen Holocaust von der Nachkriegsjustiz in Deutschland der Mantel des Schweigens und Vergessens gehüllt", sagte Busch.

Schon am ersten Prozesstag hatte er mit der Gleichsetzung Demjanjuks und der jüdischen KZ-Häftlinge als Opfer der Nazis für Empörung gesorgt. Rund 40 Holocaust-Überlebende nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Demjanjuk bestreitet, in Sobibór gewesen zu sein. Wichtigstes Beweismittel der Staatsanwaltschaft sind sein Dienstausweis und Listen der SS für die als Kriegsgefangene rekrutierten KZ-Wachmänner. Das Urteil soll im Mai verkündet werden.

jjc/APD

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17.01.2010 von frankgraf:

Sie können in vielen weiteren Quellen diese Aussage finden, daß Frankreich die Aufgabe der D-Mark gefordert hatte. Nennen Sie Gegenargumente oder andere Quellen. Warum wurde das deutsche Volk nie gefragt, ob es den Euro [...] mehr...

17.01.2010 von Lokin:

Wenn sie wüssten, welche Beleidigungen ich mir gerade verkneife, würden sie blauviolett verfärbt im Dreieck springen. Davon abgesehen sagt ihre "Argumentation", dass: 1. begeisterte Zustimmung zu Durchhalteparolen [...] mehr...

17.01.2010 von Legacy:

Ich möcht SIE nur mal daran erinnern, das die meisten sogar noch weit jüngeren deutschen Jungs nicht "gingen" sondern "gegangen wurden" vom Meldegänger aus Braunau um das ohnehin schon tot am Boden liegende [...] mehr...

17.01.2010 von lucya:

Danke, KC, dass Sie ihm das mal klargemacht haben. mehr...

17.01.2010 von lucya:

Also, Ihre staendig angewandte braune, Anti-Semitismus- und Holocaustkeule koennen Sie sich sonstwo hinstecken, denn damit entfachen Sie nur die Resentments (Ablehnung) der Deutschen. Das ist aber wohl auch Ihre ganze Absicht, [...] mehr...

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Das Vernichtungslager Sobibor

Sobibor

Im Herbst 1941 beauftragte der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler , den SS- und Polizeiführer des Distrikts Lublin im Generalgouvernement , Odilo Globocnik , im Rahmen der Endlösung der Judenfrage mit der Ermordung der dort lebenden Juden. Als Belzec , das erste Vernichtungslager der Aktion Reinhardt , zur Erfüllung des Mordprogramms nicht ausreichend erschien, begann die SS im Frühjahr 1942 mit dem Bau eines zweiten Vernichtungslagers in der Nähe von Sobibor . Seit Juli 1943 betrieb Himmler die Umwandlung von Sobibor in ein KZ . Am 14. Oktober 1943 wagten die Häftlinge einen Aufstand, der niedergeschlagen wurde, aber die Auflösung des Lagers zur Folge hatte. 47 der ausgebrochenen Häftlinge überlebten das Kriegsende und konnten Zeugnis ablegen vom Massenmord in Sobibor – einer von ihnen ist Thomas Blatt .

Opfer

Täter

Anlage

Täuschungsmethoden

Vernichtungslager und KZ





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